von Beyer auszuweichen und über Fulda nach Hanau zu ent- | kommen, woselbst sie gleichfalls, wie früher schon die Nassauer, unter das Kommando des Prinzen Alexander von Hessen ge- ; stellt wurden. Der Kurfürst selbst war nicht zu bewegen ge­wesen, zu fliehen und sein Land zu verlassen. Er harrte auf Wilhelmshöhe bei Kassel aus, wurde daselbst zum Kriegsgefan­genen gemacht und als solcher nach Stettin in Preußen ab- g^ührt.

Schlimm erging es den Hannoveranern. Da sie zu spat mobilisirt hatten, so waren sie zum Abmarsche nach Süden nicht alsobald bereit und fanden sich schnell eingeschlossen, indem von Norden General von Manteufel, von Westen General von Falkenstein, von Süden General von Beyer in Verbindung mit gothaischen und andern thüringer Truppen gegen sic marschirten. Der Versuch, längs der Friedrich Wilhelms- oder der Werra­bahn durchzubrechen, ist nicht gelungen. Sie mußten sich ins Preußische in die Gegend von Langensalza zurückziehen und lie­ferten dort zwar den Preußischen und Gothaischen Truppen ein mörderisches Gefecht, in welchem sie Sieger blieben, die Gothaer fast aufrieben und die Preußen zurücktrieben, endlich aber doch, da die baierischen Truppen ihnen nicht schnell genug Hülfe sen­den konnten, gezwungen waren, sich zu ergeben.

Während so im Westen Deutschlands der erste Act des traurigen Bruder-Kampfes beendet worden war, hatte auch im Osten an der schlesischen Gränze und zu gleicher Zeit in Ita­lien die Action begonnen. Hier in Italien lächelte die Kriegs­göttin den Oesterreichern freundlich zu. Victor Emanuel, König von Italien, hatte in seiner bekannten italienischen Ueberschätzung mit 3 Armeecorps den Mincio, den Grenzfluß zwischen Oester­reich und Italien, überschritten und hoffte die Oesterreicher bald zu Paaren zu treiben. Sein Plan ging dahin, die Oesterreicher zwischen zwei Feuer zu bringen, indem er dieselben in der Fronte packte, Cialdini dagegen, der den Po überschreiten sollte, ihnen in den Rücken fiel. Der erste König Italiens hatte hierbei zweierlei vergessen: 1) daß bei einem solchen Plane die beiden operirenden Armeen auf das Pünktlichste ihrer zngewiesenen Aufgabe Nachkommen und 2) jede der beiden sich in die Hände arbeitenden Armeen an und für sich schon dem Gegner wenn auch nicht überlegen, so doch zum Mindesten gewachsen sein mußte. Dieser Fehler rächte sich bitter. Während Victor Emanuel bereits mit den Oesterrcichern in schwerem Kainpfe rang, hatte Cialdini noch nicht die Brücken über den Po ge­schlagen. Wider Vermuthen hatten sich nämlich die Oester­reicher unter ihrem Feldmarschall Erzherzog Albrecht nicht an der Etsch, sondern zwischen den beiden Festungen Peschiera und Verona aufgestellt. Der italienische General Durando stieß daher plötzlich am 24. Juni mit dem linken Flügel auf das Gros der österreichischen Armee, wurde von derselben geworfen, ebenso die zwei andern Corps unter Cuchiari und della Rocca, und ehe es Abend geworden, war der Schlüssel der italienischen Stellung Custozza gestürmt, und die gesammte Armee von reich­lich 100,000 Mann hinter den Mincio zurückgeworfen. Die italienischen Berichte gaben ihren Verlust selbst auf 12,000 Todte und Verwundete an. Außerdem fielen 4000 Mann nebst vielen Geschützen in die Hände der Oesterreicher, die freilich auch enorme Verluste erlitten hatten.

Mit dieser verlorenen Schlacht wurde der Kriegsmuth der Italiener einstweilen abgekühlt. Victor Emanuel zog sich an den Oglio zurück.

An demselben Tage, an welchem die Schlacht bei Custozza geschlagen worden, hatte auch an der schlesischen Gränze zwischen Preußen und Oesterreich der Kampf begonnen. Die Preußen hatten in lang gedehnten Linien drei Corps aufgestellt. Das erste unter General von Herwarth fiel in Sachsen ein. Das zweite unter dem Kronprinzen von Preußen in Böhmen, das drite unter dem Prinzen Friedrich Karl von Preußen stand an der äußersten Spitze Schlesiens. Die beiden letzten Armeen zu vereinigen und so ein Zusammenwirken derselben zu ermöglichen, war die nächste Absicht der Preußen. Dieses mußte von dem österreichischen Obercommandantcn Benedeck verhindert werden. Mit Energie ging derselbe darum auf seiner'ganzen Linie vor, um einestheils die Preußen zurückzuwerfen, andcrntheils einen Keil zwischen beide vorgenannte Armeen zu schieben. So kam es an verschiedenen Punkten zwischen Neustadt und Nachod, bei Trautenau und endlich bei Münchengrätz (alle an der Nordost-

gränze Böhmens gelegen) zu heftigen Kämpfen, in denen die Oesterreicher Sieger blieben. Nur das Treffen bei München­grätz blieb unentschieden. Schon glaubten die Oesterreicher ihr Ziel, die Durchbrechung beider preußischen Hauptarmeen, er­reicht zu haben, als die Preußen neuerdings mit verstärkter Macht angriffen und zwar dergestalt, daß sich der Oesterreichische, am weitesten vorgeschobene General Gablenz, um nicht abge­schnitten zu werden, zurückziehen mußte.

Die hierauf folgenden Berichte vom Kriegsschauplätze in Böhmen lauteten für die österreichischen Waffen durchaus ungün­stig. Nachdem die österreichische Armee zwischen die Festungen Jesephstadt und Königgrätz zurückgedrängt worden war, hat dort insonderheit bei Königgrätz eine furchtbare achtstündige Schlacht stattgefunden, in der die Oesterreicher gänzlich geschlagen, und ihr Heer in wilde Flucht getrieben worden ist. Die Zahl ihrer Tobten, Verwundeten und Gefangenen soll 40,000 Mann betragen. Zugleich fielen mehr als 100 Geschütze in die Hände der Preußen, die freilich auch enorme Verluste erlitten. Die Haupt­stadt Böhmens, Prag wurde in Folge hiervon von den Preußen besetzt, und man fürchtete sogar für Wien, da die Nordarmee Oesterreichs völlig kampfunfähig geworden und das Vertrauen in ihre Führer erloschen ist. Drei der Letzteren, unter ihnen Clam-Gallas, sind denn auch bereits vergütet nach Wien abge­führt worden, um sich dorteu vor einem Kriegsgericht zu verant­worten.

In dieser verhängnißvollen Lage suchte Oesterreich durch die Diplomatie wieder zu gewinnen, was es auf dem Schlacht­felde verloren. Rasch entschloß cs sich, den einen Kriegsschau­platz zu schließen, indem es Venetien, den Zankapfel mit Italien, aufgab. Da sich Italien jedoch im Bündnisse mit Preußen ver­pflichtet hatte, nicht einseitig Frieden zu schließen, so konnte Oesterreich diese Abtretung nicht dircct an Italien vollstrecken, sondern mußte sie durch Frankreich zu bewirken suchen. Indem auf solche Weise Venetien zunächst französisches Land wurde, das später von Frankreich auf Italien übergehen sollte, erwuchs Oesterreich der ungeheure Vortheil, daß es alle seine Truppen aus Italien ziehen und nach dem Norden werfen konnte, da null Frankreich zwischen seinem und italienischem Boden lag. Ehe jedoch diese Transferirung der Südarmee nach dem Nor­den vor sich ging, bot Napoleon dem Kaiser von Oesterreich auch noch gegen Preußen seine guten Dienste an um auch mit diesem einen Waffenstillstand abzuschließen. Derselbe würde auf die Dauer von 6 Wochen festgesetzt sein. Oesterreich müßte sich darin bequemen, die 3 kölnischen Festungen Josephstadt, Königgräß und Theresienstadt an Preußen zu übergeben, welches letztere zugleich das ganze Gebiet, das es jetzt besetzt hat, in seinem vorläufigen Besitz behielt.

Nach Italien wurde ein französischer Commissär gesendet, um Venetien im Namen Frankreichs in Besitz zu nehmen und mit wenigen 1000 Mann zu decken, während das österreichische Herr im Festungsviereck stehen bleiben sollte. Außerdem dürfen keine Truppenvermehrungen rc. stattfinden. '

In diesen Waffenstillstand sollten auch die deutsche» Mittel­staaten inbegriffen sein, deren Action bis dahin eine außerordent­lich gelähmte war. Das siebente Armeecorps (Bayern) hatte wohl seit Wochen seine Spitzen in Knrhessen und Thüringen vorgeschoben, allein die Hannoveraner zu befreien, hat eH^sich nicht beeilt. Erst als es schon zu spät war und die Hanno­veraner bereits capitulirt hatten, hat es den Preußen einige Gefechte bei Hersfeld, Kaltennordheim und Roßdorf geliefert, von welchen das Letztere das Bedeutendere und für Bayern siegreiche gewesen ist. Das achte Armeecorps (Würtcmbcrg, Baden, Hessen-Darmstadt, zu welchen noch Nassau und Kur- hessen gekommen sind) hatte wohl gleichfalls in den letzten Tagen Eilmärsche über den Vogelsberg nach der Gegend Hers­feld und Fulda angetreten, aber, nachdem es sich fast mit den Bayern vereinigt hatte, ist es plötzlich wieder an den Main zwischen Hanau, Frankfurt und Friedberg zurückgefallcn warum? Wir wissen's nicht!

Das aber wissen wir: Was lange befürchtet wurde, wäre durch diesen Waffenstillstand eingetreten, nämlich: Napoleon würde die Geschicke Deutschlands in die Hände bekommen haben.

Durch die zaudernde Haltung Preußens kam dieser Waffen­stillstand nicht zu Stande. Waren auch die Unterhandlungen noch in fortwährendem Gauge, und drohte selbst Frankreich im