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tigen Tod zur Folge haben mußten. Im Schlund und Magen fanden sich dürre Fichtennadeln, die der Unglückliche beim Fortschleifen oder beim Liegen auf dem Gesichte eingeathmet haben muß. Es war klar, daß hier ein Verbrechen des Raubmords vorlag.
Am folgenden Tag (Mittwoch 8. Juni) wurde die Leiche erkannt-
Der bei Schreiner Karl Zimmermann zu Gießen in der Lehre stehende August Schlegel, Sohn der Johann Schlegels Wittwc von Hermannstein, 16 Jahre alt, ging am ersten Feiertage früh 7 Uhr von Gießen weg, in der Absicht, seine Schwester Emilie, Ehefrau des Oecouomen Ludwig Schmitt zu Birklar, zu besuchen. Da sich bei der in Birklar eingezogcnen Erkundigung ergeben, daß der Junge dort nicht eingetroffen sei, so mußte seine Ermordung am ersten Feiertage früh 1/29 Uhr stattgefundeu haben. — Schlegel war schmächtig und körperlich so unentwickelt, daß man ihn für zwei Jahre jünger hätte halten können. Er war ein hübscher Junge, brav, freundlich, von Allen wohlgelitten; er war sauber gekleidet und trug eine grüne Botanisirbüchse an der Seite, so daß Fremde, die ihn auf seinem Wege gesehen, ihn für einen Schüler einer höheren Lehranstalt halten konnten.
Weil am ersten Pfingsttag Vorinittag Niemand im Wald und Felde beschäftigt war, fiel es sehr schwer, Leute zu finden, die über das begangene Verbrechen hätten Auskunft geben können. Ein Milchfuhrmau» (Stabel), der täglich nach Gießen fährt, hatte bei der hiesigen Gr. Polizeiverwaltung ausgesagt: er habe in einiger Entfernung von Schlegel einen Fremden mit einem Berliner (Felleisen) bemerkt. Die hiesige Polizei ermittelte nun \ daß ein Handwerksbursehc (E- Meier) in zutreffender Zeit von hier abgereist sei und vorgegeben hatte, er reise über (Steinbach) Lich. So entfernt dies Jndieinm auch war, so hat doch die Polizeiverwaltung in Ermangelung näher liegender Judicien den Handwerksburschen mitrelst Steckbriefs vom 8. Juni verfolgt. Bis er üi Hannover ergriffen wurde, war festgestellt worden, daß er einen andern Weg gegangen, weßhalb er sofort wieder entlassen wurde. Inzwischen langte bei'm Gr. Landgericht Gießen ein anonymer Brief ein, in welchem gesagt wird, daß und warum der Müllerbursche Seip von Hausen des Raubmordes verdächtig sei- — Am Mittwoch den 8. Juni kam Joh. Gg. Heilmann aufs hiesige Polizei-Bureau lind zeigte au, er halte den E Engelhard von Altenbuseck für den Thäter, allein mau schenkte seinen Angaben keinen Glauben.
Am Sonntag den l l.Juni zeigte der Herr Eriminalrichter Klingelhöffer das fragliche, an der Mordstelle gefundene Stöckchen dem Gr. Polizcirath Rover dahier, welcher bei näherer Betrachtung eine dünne Kruste von Kuhmist an dem Stöckchen fand Von der Ansicht ausgehend, daß der Mörder, wenn er dieses Stöckchen zurückgelassen, entweder selbst Vieh besitzen oder bei Deco nomcn gedient haben müsse, begab sich der Gr. Polizeirath mit einigen Polizeidienern in viele nähere und entferntere Ortschaften und stellte vor Allem fest, daß der anonym angeklagte Müllerbursche Seipp an dem Verbrechen unbe- theiligt sei, — sodann ermittelte er die Personen (aus Steinbach, Hattenrod, Lich, Hungen, Laubach, Schotten, Birklar k.), welche am ersten Feiertag Vormiltag die Straße zwischen Gießen und Steinbach passirt waren. Mehrere dieser Zeugen hatten Schlegel allein gehen sehen, andere sahen einen stark rauchenden Mann bei ihm, wieder andere sahen den Jrmgen zwar allein aber einen Zweiten neben im Walde ihm nachschleichen. Hieraus ergibt sich, daß der Begleiter Schlegels sich in den Wald geschlichen sobald er Einen ihnen entgegenkommen sah, von dem er wußte, daß er ihn kenne.


