Wiekerum nabt ein Sommer seinem Ende und wiederum haben unsere Bierbrauer gezeigt, daß sie in ihrer flunfi mcht allem mchts Gutes gelernt, sondern sogar Vieles, wie es scheint, Aves vergessen haben. Es sind nunmehr sechs Jahre her, daß wir das lekte Laaerbier, d. h. solches Bier, welches diesen Namen verdient, von einem diesigen Bierbrauer erhielten, es war dies im Jahr 1859 das Loo s'sche Lagerbier. Seitdem haben wir trotzdem, daß Hopfen- und Gerstenpreise, namentlich in der letzten Brauperiote, einen Abschlaa des Bierpreiscs auf 3 fr. pro Schoppen erwarten ließen, von allen diesigen Brauern mit seltenen Ausnahmen ein Getränke erhalten, das den Namen Bier nicht verdient, denn nicht allein, daß Hopfen und Gerste seine geringsten Bcfiandthcile sind, so ent. hält cs auch Zusätze, welche der Gesundheit geradezu schaden, indem sie häufig genug Leibschmerzen u s. w. verursachen. Man bat sogar in diesem Sommer in einer diesigen Wir.hschaf, Bi-r eines hiesigen Di-rdrauerS verzapft, welches durch seinen dem der Mist- auche nicht unähnlichen Geruch Diejenigen mit Ekel erfüllte, denen es vorgesetzt wurde. Wird denn nun endlich das G.-ßemr Publikum sein Interesse erkennen oder will cs sich noch ferner zum Narren halten lassen von Menschen, die sich iur ein verfälschtes, gesundheitschädlicheS Getränke 100, sage hundert Procent, bezahlen lassen? Wenn die Polizei nicht endlich cinschrnten will, so thue das Publikum wenigstens das Seine und trinke nur Bier, das diesen Namen verdient. Man veranlasse die hiesigen Wirtbc, welche - nickt Bierbrauer sind, daß sie ihr Bier von auswärts beziehen. In Lich, Butzbach, Friedberg, Wetzlar, Herborn, Hillenburg, Weilburg, Marburg u. s. w. sind Brauer genug, welche ein vorzügliche« Bier liefern und zusammen ganz Gießen mit einem zehnmal größeren Bedarf versehen können, auch ihren Abnehmern gleiche oder noch größere Verdienste bieten, als sie durch den Berkaus hiesigen B'erc« erzielen. Solche Beschlüsse zu veranlassen, wäre eine ganz würdige Ausgabe für tu periodischen Burgerversammlungen. Außerdem sollten aber auch die Wähler des Landtagsabgeordncten für die Stadt Gießen ihren beauftragen bei dem nächsten Zu
sammentritt der Landstände Maßregeln zu beantragen, damit die Bereitung und der Verkauf solch gesunkheitschadlichen stosse- wirksam verhinvrrt werde. — Es ist unnöthig, weitere Ausführungen resp. Andeutungen zu machen, Itter Biertrinker hat schon in gleicher Weise getacht; man beseitige entlrch einmal den Mangel eines genießbaren Bieres, ter uns tem gerechten «polte ter Fremden aussetzt, welche es nicht begreifen können, taß wir uns auf solche Weise schon Jahre lang zu Narren halten lassen.
(Eingesandt). Der Staufenberg ist ohne Zweifel einer ter schönsten unt anziehentsten Punkte unserer Umgegend, welcher, wie nicht ander« zu vermutden, durch die an diesem rei. zenden Orte dem Publikum so unvollständig gebotenen leiblichen Genüsse, ganz und gar ter Vergessenheit übergeben Worten ist. — Wie enttäuscht wuiten wir intessen, nachdem wir jüngst, mit tem üblen Vorgeschmack, unsere von langem Umherwandern ermüdeten Glieder nicht nach Herzenslust und in befriedigender Weise stärken zu können, die schöne Burg binaufgekauchl waren, als uns als neuer Wirth das freundliche Gesicht unseres alten Heinrich'« aus rem Gießener Adler in tem großen Portale entgegenstrahlte. —
Gänzlich unbekannt mit den veränterten Verhältnissen war unsere Labung eine um so köstlichere unt glauben wir daher
nicht unterlassen zu sollen, die verehrlichen Mitbewohner Gießen« auf diesen herrlichen Punkt aufmerksam zu machen, woran wir noch die Versicherung knüpfen, daß ein Jeder, der dem freundlichen Platze die äußerliche Aufmerksamkeit schenken, nunmehr auch vollständig seine innerliche Befriedigung finden wird. —
(Eingesandt). Könnte der rauschende Gesang in einem der Häuser am Kanzleibcrg nicht aus eine Viertelstunde täglich, und zwar bei geschlossenen Fenstern, beschränkt werten? Wäre es überhaupt nicht einzurichten, daß „Ferraras Fürst" seine Stimme cntweter gar nicht, oder allenfalls nur im kühlen Keller, vielleicht auch im schattigen Dunkel tes Wsltes — z. B. bei Krofdorf anstrengtc?
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Druck und Verlag der Brühl'schcn Univ.-Buch- und Steindruckerei (Fr. Cbr. Pietsch) in Gießen.


