. An die Bewohner Gießens.

Das Jahr 1865 schließt einen 600jährigen Zeitraum der Bereinigung Gießens mit den Hessischen Landen ab.

Dieses Ereigniß bat für unsere Stadt, welche, ursprünglich aus der Verbindung armer Dörfer entstanden, ihren jetzigen Flor als Universität-, und Geschäftsstadt zunächst der Fürsorge und Freigebigkeit seines jetzigen Fürstenhauses verdankt, eine hohe Bedeu^ tung unk erweckt sicherlich in der Brust jedes Angehörigen Gießens Gefühle der Freude und des Dankes.

Die Bedeutung dieses Ereignisses wird aber noch dadurch gehoben, daß das Namensfest unseres allverehrten Fürsten und Lan­desherr» Großherzogs Ludwig III. mit demselben zusammentritt.

Um nun den hiesigen Einwohnern Gelegenheit zu geben, jenen Gefühlen der Freude und des Dankes auch durch äußerliche Zeichen Ausdruck zu leihen, bat der Vorstand der Stadt auf den 25. August ein allgemeines Volksfest mit Festmahl nach dem untenstehenden Programm veranstaltet.

Indem er zu beiden freundlich einladet, ist er der allgemeinsten Theilnahme gewiß, und darf sich wohl auch der weitern Hoff, nung überlassen, daß die Einwohner Gießens durch Fahnen und sonstigen Schmuck das festliche Ansehen dieses Tags zu erhöhen suchen. Gießen, den 17. August 1865. ' Für den Stabtvorstand:

Vogt, Bürgermeister.

F k st - P r o g r a m in.

1) Den Tag vor dem Feste: Belehrung der Schuljugend über die Bedeutung des Festes durch die Herren Lehrer.

2) Am Festtage, Morgens 7 Uhr: Musik vom Thurme.

3) An demselben Tage: Vertheilung von Bretzeln in den Mädchenschulen

4) Volks- und Jugendfest im Philosophenwald. Festmahl im Zinßer'schen Garten. Zu Ersterem begibt sich die Jugend der Knabenschulen Mittags 1 Uhr vom j

Brande aus, unter Vorantrilt der Musik und Führung der Festordner im Zuge nach dem Philosophenwald. Das Festmahl beginnt Punkt 1 Uhr Mittags.

5) Festrede.

6) Jugendspiele.

7s Abends Beleuchtung des Festplatzes.

8) Die Verbreitung der Geschichte Gießens an die Ein­wohner daselbst.

1 illüiiniiTiihcr Hochheimer.

2813) In einem öffentlichen Blatte konnte man kürzlich unter obiger Aufschrift eine Reklame lesen, welche von einem quondam studioso liberalium artium verfaßt war. DaKlappern zum Handwerke gehört," so will man sich nur darauf beschränken, die HH. Consumenten wahrheitsgemäß dahin zu belehren, daß in Hochheim nur ein sehr kleiner Theil jenes Weines verarbeitet wird, welcher in dortiger Gemarkung wächst, daß sohin noch ein schöner Rest für andere Fabrikanten bleibt, und diese daher wohlberechtigt sind, ihre Etiquetten mitMoussirendem Hochhei­mer" zu bezeichnen.

Ebensowohl als die Hochheimer Aktien - Gesellschaft Moselweine fabricirt, ohne an der Mosel zu wohnen, ebensowohl kann man anderwärts Hochheimer fabriciren, ohne sein Domicil neben derersten deutschen Fabrik" zu haben. Es war mithin kein Be­ruf vorhanden,das Publikum vor Täuschungen zu warnen." Gute Waare muß sich selbst empfehlen und ohne Ausposaunen, ob sie nun in Hochheim oder an einem andern Orte fabricirt wurde.

Obiger Aufsatz scheint daher ein Ausfluß der liberalium artium zu sein.

Sapienti sat.

Zugen-fest.

Zur Feier der sechshundcrtjährigen Vereinigung der Stadt Giesten mit dem Großherzogthum Hessen beabsichtigt die Stadt rin Jugendfest ganz in der Weise zu veranstalten, wie deren schon sechs in früheren Jahren adgehalten wurden. Durch vorzugs­weise Betheiligung der Jugend an der Jubelfeier soll dieselbe auf möglichst lange Zeit der frohen Erinnerung erhalten bleiben.

Durch die weit größere Zahl der sich dabei bekheiliaendcn männlichen Jugend ist es aber dringend nöthig, daß die verehrten Eltern und Angehörigen zur Erhaltung der Ordnung mit beitragen. Namentlich wird gebeten, die Kinder und Knaben nicht vor der Zeit aus den Zügen herauszunehmen oder sonst störend in die Spielordnung einzugreifen. Es wird dringend gebeten, daß alle Anwesende die ordnenden Lehrer und andere Jugendfreunde in ihrem schweren Amte nach Kräften unterstützen.

Die betheiligte Jugend versammelt sich Freitag den 25. August, Nachmittags 12% Uhr, auf dem Brand, wo der Zug sich ordnet. Präcis 1 Uhr setzt sich derselbe in Bewegung. Der Ausschuß.

2750) In Folge der frühzeitigen Reife nehmen die Versendungen von Cur- und Tafeltrauben aus unsern eigenen, in den vorzüglichsten Lagen der Dürkheim er Gemarkung befindlichen Weinbergen, demnächst ihren Anfang.

Im Interesse bester und prompter Bedienung bitten wir unsere verehrlichen Committenten um recht­zeitige Einsendung der resp. Aufträge an uns hierher oder direct an unser Haus in Dürkheim.

Den Preis bestimmen wir nach der von der Cur-Commission für den Dürkheimer Traubenmarkt fest­zustellenden Norm ; durch die directe Eisenbahnverbindung mit Dürkheim wird sich das Pfund um 2 3 Kreuzer billiger berechnen, als in den früheren Jahren.

Giessen, im August 1865. Gebrüder Mayer, Weinhandlung.

Ilerzogl. S. Meiningensche Hoflieferanten.