Ausgabe 
6.9.1865
 
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Die Geheimmittel der neuesten Zeit.

Royer'sche Bart-Erzeugungs-Pomade.

Ehe wir über dieses Produkt hoher Industrie das Nähere sagen, müssen wir den Leser darauf aufmerksam machen, daß fast alle Haarwuchserzeugungsmittel in Betreff ihres Zweckes mit Mißtrauen aufzunehmen sind, daß aber alle Pomaden aus Fett­stoffen, welche zu demselben Zwecke dienen, gar keinen Werth haben. Ursprünglich sollte die Pomade das Haar, welches von Natur aus Fett ausschwitzt, geschmeidig, fettig und glänzend er­halten, doch Unkenntniß über die Art und Weise der Entstehung und Ernährung der Haare ließ es zu, der Pomade auch Haar- erzeugungskräfte zuzuschreiben und damit auf den Geldbeutel der Haarbedürftigen zu speculiren. Es gab eine Zeit, in welcher man der Pomade das Extrakt aus der Chinarinde beimischte, um dadurch die Haare zu stärken, vor dem Ausfallen zu bewahren, oder wohl gar auf haarlosen Stellen neue Haare zu erzeugen. Das China-Extrakt, welches stärkend und kräftigend auf den mensch­lichen Körper wirkt, wenn es in den Magen gebracht wird, sollte auf die Haare dieselbe Wirkung üben, Haare und Haut hatten aber keinen Magen, und so war es natürlich, daß man sich in den Erwartungen, welche man von dem China-Extrakt als Haarmittel hegte, getäuscht sah. Immer blieb die Fettsubstanz in der Pomade das bessere Mittel, welches der Natur der Haare convenirte, und die Pomade mit China-Extrakt feiert ihren Werth nur noch auf alten Recepten, welche manche Familie sorgsam auf­bewahrt, meinend: weil die Pomade theuer sei, müsse sie auch gut sein.

Ehe der Schwindel mit Geheimmitteln sein Augenmerk auf die Hämorrhoiden warf, übte er seine Gelehrsamkeit an den Kahl­köpfen, und da keiner derselben der G.foppte sein wollte, belog einer den andern. Wer errinnerte sich nicht aus den 30ger Jahren des großartigen Schweizer Kräuter-Oel-Schwindels? Genährt durch Reklame in den Zeitungen steigerte sich sein Ruf einige Jahre, bis ein müßiger Kopf herausfand, daß das herr­

liche und sichere Haarmitel nichts weiter war, als Provencer Oel mit Alkannawurzel rothgefärbt und mit Pergamottöl wohlriechend gemacht. Als die Welt dies erfuhr, war der Nimbus des Schwei­zer Kräuter Oels verschwunden und es wurde nur als fette Haar- fchmiere weiterbenutzt. Eine Flasche des OelS, welche man zu seiner Zeit mit 15 Sgr. bezahlte, kauft man jetzt mit 1% Sgr. Der Geldbeutel der Leichtgläubigen war also gehörig abgezapft. Seit jener Zeit haben eine Menge Haarwuchs - Erzeugungsmittel ihr Glück versucht und sind, da sie eben nur in die Klasse de« gemeinen Schwindels gehörten, wieder vergessen worden.

Was ist denn aber an der Royer'schen Barterzeugungs- Pomade, welche häufig in den Jnseratentheilen der Zeitungen sich anrühmt? Wenn der Leser auf ein solches Inserat, wie z. B.:

Royer'sche BarterzeugungS-Pomade, Wurzel aus Italien, ä Dose 20 Sgr., mit Gebrauchs-Anweisung. Sie erzeugt bei jungen Männern von 18 Jahren bis in den 40ger Jahren, wo noch nie ein Bartwuchs war, einen vollständigen Bart und wird deren Wirkung garantirt.

den Kauf riSquirt, so erhält er eine Blechbüchse mit der Sig- natur: Pommade dherbes fines de Royer et Co. Paris et Berlin.

Der Inhalt der Büchse ist eine mäßig rothbraune Salbe von kaum angenehmem, mehr ranzigem Geruch. Durchsticht man diese Salbe, so findet man sie mit Stückchen Wachs, unter- mischiem Schweinefett und Partikel eines vegetabilischen Pulvers durchsprengt. Die schöne Salbe ist also ohne alle Kunst zusam- mengerührt. Die Analyse ergab ein Gemisch aus 1 Theil sehr feinem rothen Chinarindenpulver, aus 15 Th. wachshaltiger Po­made mit Schweinefett und aus einigen Tropfen Lavendelöl und Pergamottöl. Das Wichtigste an dieser Salbe ist, daß sie die Haut, wo Haare erzeugt werden sollen, nach und nach färbt und wenigstens den Glauben an die Möglichkeit der Wirkung nicht so schnell verloren gehen läßt.

(Industrie Blätter Jahrg 1 Nr. 26, S. 103.)

Morgens

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Abends

Main - Weser - Bahn.

Von Gießen

nach Frankfurt:

nach Cassel:

5" Personenzug mit Güterbef.

Morgens

4*5 Personenzug.

651 Personenzug.

ff

836 Schnellzug I., II. u. IIP Cl.

88 Schnellzug I. u. II. Ci.

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9 Güterzug mit Personenbef.

818 Güterzug mit Personenbef.

Nachm.

1247 Personenzug.

12" Personenzug.

Abends

7,s Schnellzug I. u. II. Cl.

2 Güterzug mit Personenbef.

nur nach Marburg:

545 ° u n n

Morgens

11 Personenzug mit Güterbef.

834 Schnellzug I., II. u. III. El.

Nachm.

C59 ° 1# u //

Abends

730 Güterzug mitPersonenbef.

H

1012 Personenzug.

Cöln- Gießener Bahn.

Von Gießen nach Wetzlar:

Morgens 615 Personenzug.

8" Schnellzug.

Nachm. 12" Personenzug.

" 4

Abends 720

Fruchtpreise von nachbenannten Städten und Fruchtinärkten.

O r t

und Datum.

Walzen.

K 0 r n.

Gerste.

Hafer.

Kartoffeln.

Ver­kauft

Mittelpreis vom Malter.

Ver­kauft

Mittelpreis vom Malter.

Ver­kauft

Mittelpreis vom Malter.

Ver­kauft

Mittelpreis vom Malter.

Ver­kauft

MittetpreiS vom Malter.

MItr.

Pfund

s.

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Gießen,

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Grünberg,

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Mainz,

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Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen-