Da sich in diesen Tagen ein der Tollwuth verdächtiger Hund dahier gezeigt hat, sehen wir uns veranlaßt, das s°f°'"g Ein sperren der Hunde in hiesiger Stadt anzuordnen. Die eiligen, welche dieser Aufforderung nicht alsbald Gcnilg k'ä -«I d.. »°Ii,.ist,m -m- Si.-I- »n ' d/« 5 u>°-" - w-l" (»>*'
Maulkörben versehen sind, welche das Beißen wirksam verhindern, brauchen nicht eingehalten zu werden.
ÄieKcn den 3 Mär» 1865. Geoßherzogliche Polizei-Verwaltung der Prvvinzialhauptsiadt Gießen.
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In der Umgegend von Berlin sind im Dccember v. I. Fälle von Hundsn'nth vorgekonnnen, und leider sind auch Mensche» von tollkrauken Himdeu gebissen worden und au Wasserscheu gestorben. Da Immer noch über die Kennzeichen der Hnndswnth im Publikum mancherlei Irr th Ürner herrschen, so hat daö Königliche Polizei Präsidium zn Berlin die jenigen Ergebnisse, ivelche in der dortigen Königlichen Thierarznei Schule durch laugjährige Erfahrungen in dieser Beziehung gewonnen ivorden siiid, veröffentlicht. Dieselben lanten:
i) Die Tollkrankheit Der Hunde kommt nicht allein bei grosier Sommerhitze oder bei strenger Wiuterkälte vor, lote viele Vente glauben, sondern sie entsteht in jeder Jahreszeit, und zwar entweder direkt ans llrsachen, welche man noch nicht kennt, oder dnreli Ansteckung, vermittelst des Bisses von tollen Hunden. Auf die letztere Weise kann die Krankheit von einem tollen Hnnde zn jeder Zeit auf viele andere Hunde übertragen werden.
2) Unrichtiger Weise glaubt mau, dasi Huude mit soge- naunteu Wolfsklauen, Hündinnen und castrirte Huude nicht toll werden können; die (Erfahrung lehrt aber, dasi anch diese Thiere, int Falle sie von einem wuthkranken Hunde gebissen iverden, nicht gegen die hierbei inüglichc Ansteckung geschützt sind.
3) Wasserscheu, ein sehr auffallendes Symptom bei den in die Wuthkrankheit verfallenen Menschen, fehlt bei dieser Krankheit der Hnnde so gänzlich, dasi mau sagen kann: Kein toller Hund ist wasserscheu. Der Durst ist zwar bei vielen nur gering, aber alle lecken oder trinken Wasser, Milch und andere Flüssigkeiten, iinb einzelne tolle Hunde sind sogar durch Waffer geschwommen.
•1) Die allgemeine Annahme, dasi tolle Hunde Schaum vor dem Maule haben sollen, ist ganz unrichtig; denn die meisten solcher Hnnde sehen um das Maul ganz so aus, wie gesunde Hnnde, und nur diejenigen von ihnen, denen die Kaumnskeln so erschlafft sind, dasi ihnen das Maul offen steht, lassen etwas Speichel oder Schleim, aber nicht Schaum, aus dein Maule stiesien.
5) Ebenso ist es unrichtig, dasi tolle Huude beständig geradeaus laufeu, >>ud dasi sie immer den Schwanz zwischen die Hinterbeine gebogen halten.
Dagegen sind als die wirklichen Merkmale der,Hunds- wuthkranlbeit folgende zu betrachten:
a| Die Hunde zeigen zuerst eine Veränderung in ihrem gewohnten Benehmen, indem manche von ihnen mehr still, traurig oder verdriesiltch werden, mehr als sonst sich in dunkle Orte legen, andere dagegen sich mehr unruhig, reizbar und zum Beisien oder Fortlaufen geneigt zeigen-
l> | Viele wuthkranke Hunde verlassen i» den ersten Tagen de Krankheit daö Haus ihres Herrn und laufen mehr vde weniger weit davon; sie kehren aber dann, wenn sie »ich hieran gehindert werden, nach etwa 24 bis 48 Stunden wieder zurück.
c’| Die meisten dieser Hunde verlieren schon in den ersten zwei Tagen der Krankheit den Appetit zu dem gewöhnlichen Futter, aber sie verschlucken von 3eit zn Zeit andere Dinge, welche nicht als Nahrung dienen, wie z. B- Erde, Torf, Stroh, Holzstüekchen, Lappen und dergleichen.
d| Alle tollen Hnnde zeigen eine andere Art des Bellens; sie machen nämlich nicht mehrere von einander getrennte Laute oder Schläge der Stimme, sondern nur einen Anschlag und ziehen beit Ton etwas lang und in die Höbe. Diese Art des Bellens ist ein Hauptkennzeichen der Krankheit.
e| Manche Hunde bellen sehr viel, andere sehr wenig. Bei den ersteren wird nach nnb nach die Stimme heiser.
fj Fast alle tollen Hnnde äusiern eine größere Beisisucht als im gesunden Zustande. Dieselbe tritt gegen andere Thiere eher und mehr hervor, als gegen Menschen, ist aber zuweilen so groß, dasi anch selbst leblose Gegenstände nicht verschont werde». Doch behalte» die Thiere hierbei »och so viel Bewusitsei», dasi sie ihren Herr» erkennen und seinem Zuruf folge», zuweile» aber verschonen sie astch ihn nicht.
g] Bei manchen tollen Hunden findet sich, bald gleich beim Eintritt der Krankheit, bald im weiteren Verlauf derselben, eine lähmungsartige Erschlaffung der Kaumnskeln du, und in Folge hiervon hängt der Unterkiefer etwas bereit und das Maul steht etwas offen; doch können mich diese Hunde von Zeit zn Zeit uoeb beißen.
h] Alle tollen Hnnde magern in kurzer Zeit sehr ab, sie bekommen trübe Augen nnb struppige Haare, sie werde» nach etwa 5—6 Tagen allmählich schwächer int Kreuze, zuletzt im Hintertheile gelähmt, und spätestens nach 8 bis 9 Tagen erfolgt der Tod.
Es ergibt sich hiernach, dasi die Erkenntniß der Hnndd wnth nicht immer leicht ist; und es ist daher jedem Besitzer eines Hundes dringend auzurathen, dasi er, sobald an dem Hnnde irgend welche Abweichungen seines gewöhnlichen Zustande: oder Verhaltens bemerkbar werden, schleunigst einen Thierarzt zu Rache ziehe.
(frifenbabn -- $T<id)tbricfc für die Main-Weser- und Cöln Gießener Bahn, sowie neueste Hollaitttd-Declaiationen, zweierlei Größen, ebenso alle übrigen zollamtlichen $oriitnlar< sind zn haben bei Wilhelm Klee, MäuSburg.
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Druck und Verlag dcr Brühl'schen Univ.-Buch- und Stdndruckcrei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


