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Beilage.
Steckelburger's Reise nach London.
Von C. Spindler.
(Fortsetzung.)
Nachdem Salome die Thüre verschlossen, machten sich die Mädchen an die Arbeit des Dechiffrirens. Der Kapitän schrieb nicht die beste Hand, unv nicht allzuorthographisch, und halte sich mit vorliegendem 3ettel nicht die Mühe des Schönlchreibens gegeben, wie wohl mit dem bewußten Gedichte, das er aus einem recueil chansons gestoh- ^t>- Susanne pachte aber den Brief tapfer an, und las pochenden Herzens die Worte: „Ma petite femme!
heiß ich frei in's Muß lappen!" bemerkte Salome kopfschüttelnd: „femme! Du bist noch lange nicht seine petite femme/1 Woraus Susanne ärgerlich: „Schneegans! werd' ich's nicht doch einmal sein, und redet da nickt die Sehnsucht aus ihm?"
Salome zuckte die Achseln und las ihrerseits: „Cherie de mon coeur! Geliebte meines Herzens! — Nun, das lass' ich mir gefasten." — „Ah," schaltete Suschen triumphirend ein: „Weiter; „se te vois". . . „ich fehe Dich ... was kommt jetzt?" — „Ein Einser mit drei Nullen, Susel' das heißt Tausend." — „Wie sagt man das auf französisch, Sälmel? Doch meinetwegen; „je te vois taulend.... „ich sehe Dich tausendmal in Gedanken," will er wohl sagen?•'
"Nein nein, das ist's nicht;" ssüsterte Salome crröthend: „denn jetzt kommt „Kaisers" und Du weist wohl ....?" „St!" flüsterte auch Susanne, und wurde roth wie die Schwester, die zögernd fortfuhr: „Es muß alfo heißen: „je t euvoi tausend Kaisers . . ich schicke Dir ...?"
Er ist doch ein Bissel frei, ungenirt; gestand die züchtige Susanne und lpionirtc voreilig mit den flinken Augen in der nächsten Zeile, die ihre Schwester geläufig, aber mit asten Merkmalen des Erstaunens ablas: „qui te diront, combien je suis reconnais- sant des faveurs, que tu m’as prodiguees, hier au soir.“
Nachdem die Mädchen Wort für Wort übersetzt und zusam- mengestellt hatten, sahen sie sich erschrocken an. „Gestern Abend?" fragte Salome: „ich werde ganz irre. Ist nur doch, als wärst Du mir nicht von der Seite gekommen?"— „Ei ja," versetzte Susanne: „freilich ist's so. Und glaubst Du denn meinetwegen, ich würde mich Nachts wegschleichen, und dem Menschen ... pfui, das Wort dreht mir die Galle um, ohne daß ich weiß warum — und dem Menschen faveurs austheilen?" — „Ich falle vom Himmel, Susel." — „Was untersteht sich der Lügner, der Franzos, lieb Sälmel?,, — Indessen erbleichte aber Susanne, deutete mit zitternrem Finger auf die nächste Zeile, uud seufzte: „Ei so schlag: da haben wir's!" Dort stand groß und deutlich; ,.je suis le plus heureux des mor- tels, ma belle Jeanette.“ — „Jetzt ist's ein anderlei:" seufzte auch Salome ermattend; „Der Zettel ist für eine Andere und der Ausbund von der Höll'; tragt meinetwegen den Sack voll Billets, die er im Strudel verwechselt, und schickt an rechtschaffene Töchter, was frei nur an gottvergessene Laster von einem Weibsbild zugehört."
„Und wer muß sie sein, die belle Jeanette? wie muß sie heißen, die Raß?" fragte Susanne auffahrend, und kämpfend mit Thränen der Wuth.
Salome hatte indessen noch einige Worte des Bricfckens mit Entrüstung gelesen, zerriß den Zettel, und versetzte unwillig: „Laß sie heißen, wie sie wolle, die Kreatur; laß ihn anbeten, wen er will, der Wüstel, unv danke Gott, daß Du so schnell und zeitlich hinter seine Lumpereien gekommen bist. Die Briefreste wollen wir
üfcec verbrennen, und unsere ehrlichen Hände waschen. Wer Ruß angreift, beiuvelt sich."
Susanne saß unbeweglich und starrte auf einen Fleck. Ihre Eitelkeit blutete aus schweren Wunden. Sie blieb dem Anscheine nack kaltblütig, als die Mama an die Thüre pochte, die Deffnung derselben erzwang, und mit einem Schwall von Verwünschungen die Töchter, welche der Herr Bruder bereits verrathen hatte, überfiel.
Auch Sälmchen rührte sich nicht, obschon aus andern Gründen. In ihrer Brust leuchtete die Sonne der Zuversicht, sie achtete ihr Liebesglück für unverletzlich, für zuverlässig. Sie sah in der Begeisterung ihre Ehe mit Wilhelm im Himmel geschrieben seit Ewigkeit. Der Mutter Drohungen erschütterten sie nicht.
„Wo pnd die Zettel, die euch der böse Gottbehüteuns geschrieben hat?" fragte Christiane. Susanne deutele auf die am Boden liegenden Stücke: „Da, Mamme, nehm' Sie nur Alles mit." — „Uni) Dein Herenbrief Sälmel?" — Salome zerriß ihn vor der Mutter Augen und streute die Fasern auf die Gasse, indem sie pathetisch rief: „Ich weiß ihn auswendig, und wcrv' ihn nie vergessen, und niemals wanken."
„Rabcnmädel ...!" zürnte Christiane: „Wir werden Dir schon mores lehren, meinetwegen. Einen Deutschen, einen Studen- r_en •••!" — Der Student ist reich, und wird schon einmal Präsident werden." — „Wenn er's nur schon wäre, Du Rennthier von einem Mädel. Du bringst Deinen kranken Vater nock unter den Erdsboden, und wenn er obendrein hört, daß die Standarte da einen aus dem Volk *), ei en Welschen haben will .. ."
„Sei nur still, Mamme. Ich mack' Ihr den St. Amour sammt seiner belle Jeannette zum Präsent," versetzte Susanne schluchzend, die jetzt ihren Eigensinn losließ: „aber heiralhen muß ich, so schnell als es angeht; bevor noch der Lügner von einem Kapitän meinen guten Ruf schimpfirt. Weiß Sie mir einen Hochzeiter, Mamme?" — „Ei, wie bist Du brav, Du lieber Zeck!" sagte die Mutter freudig überrascht: „Ein vernünftig Mädel redet frei wie Du. Offi- ziersliebeleien sind ein schlechter Basseltang 2). Ja, wenn der Riffel noch wollte ...?" — „Also der Riffel, Mutter." — „Er ist reich und geschickt und gut, was auch der Babbe sagen mag. Dem Steckelburger sein Hauptvogel ist mir Gift und Opperment." —■ »Mir eben nicht anders;" versicherte Susanne dringend; „der Riffel also und Niemand als der Riffel." — „Schon gut, aber die Coupne darf nur als wie beifällig erfahren ..." — „Natürlich, Mamme. Schick Sie mir nur die Base. Ich will mein Hochzeitkleid von ihr machen lassen, und in der Arbeit gibt sick Wort auf Wort." — „Mir an; ich schicke sie Dir, Du liebes Susel. Bist meines Herzens Freude. Wenn jetzt noch das Weibsbild da, das Sälmel mir eine Freude machen, unv den Argobast nehmen wollte . ..." __
"Lieber spring ich in's Wasser!" antwortete Sälmch.n majestätisch und hochdeutsch nach Kräften: „die Zukunft dürfte uns eine wvhlthuende werden, und das mühevolle Leben der Sehnsucht in ein bequem Befrievigendes erfüllter Er- w artu ng umw an delu!" (Forts, folgt.)
*) Aus dem Militär.
2) Passe-tems.
Was grebt es Neues?
— S. k H. der Großherzog von Hessen soll Ende Juni dem Berliner Hofe einen Besuch machen wollen.
— Am 23. d. drohte dem um 10 Uhr 50 Min. von Mannheim nach Basel abgegangenen Schnellzug ein großes Unglück. Bei Malsch


