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Beilage.

Auch in -em Keitensturm -ie Liebe.

Novelle aus dem Frühjahre 1848.

(Fortsetzung.)

Eusebia wußte zu unterhalten und Marnstein, als Mann von Welt uito Ton, verstand zu antworten; so floß das leicht geführte Zwiegespräch, wie ein lieblicher Bach an Blumenufcrn, spielend fort.

Von dem Feste, daß ihm zu Ehren veranstaltet worden, damit die Glorie immer schöner auf der neu betretenen Bahn ihn um- leuchren möchte, erzählte sic in anspruchloser Bescheidenheit, und äußerte in ungesuchten Worten herzliche Theilnahine an entschwun­denen Hoffnungen und vereitelten schönen Träumen. Indem sie schlau beklagte, verdammte sie und in der scheinbar herzlichsten Theilnahine zerstörte sie, wie der Hagel des treulosen April bei Sonnenschein, die aufkeimende Saat jugendlichen Hoffens.

Henrich hatte nicht verfehlt, Theklas Wirken bei seiner Be­freiung, sowie deren frühere Th-ilnahme an ihm bei Kinderspielen in dem Kreise seiner gleichgesinnten Freunde auf eine Weise errathen zu lassen, die, eben weil sie sich in mystisches Dunkel verhüllte, jeden, auch den vermessensten Auslegungen, freien Spielraum ge­währte. Marnstein waren dergleichen Gerüchte zu Ohren getragen worDen und zur Eifersucht geneigt, fanden sie bei ihm welligen Glauben. Er wollte Thekla vergessen, er glaubte, dich schon ge- than zu haben; an vermeinter Untreue wollte er sich rächen und hundert Ideen kochten schäumend in ihm auf, zu Deren heißerem Sieden Eusebia die verführerischsten Mittel schlau und mit nicht zu bemerkender Gefälligkeit lieferte.

Marnstein, der treu, aber heftig leidenschaftlich liebende Marnstein, im Siegestaumel bereits erstrebter Größe befangen, von süßem Dufte aller Orte gestreuten Weihrauchs umnebelt, nur Glanz und Herrlichkeit vor seinen Augen flimmernd, wankte in Der rich­tigen Erkenntniß und nahm die falschen Steine für die ächten.

In allen Dinge» ist der rechte Augenblick, wird er benützt, der entscheidende und unsere kluge Wirthin kannte diese Wahrheit. Marnstein blickte in das verführerische, süße Gewährung verheißende Auge und, wie das scheue Vögelchen, vom Zauberblick der Schlange festgebannt, endlich in sein Todcsloos sich fügt, so konnte auch er der magischen, ja dämonischen Gewalt nicht fürder widerstreben, die Dem Syrenenliede unwiderstehlich entgegentrieb, und sein sonst im Leben so kraftvoller Charakter scheiterte an der gefährlichsten der buhlerischen Klippe.

Eusebia ruhte in seinen Armen und Durch die enge Spalte der nur angclehiit gewesenen, jetzt leise geöffneten^ Thüre luglen ein Paar dunkle Augen voll gi riger Freude.

Henrich war es, der das Cabinet als dienstbarer Kobold uni- kreist, und Störungen verhütet hatte. Nun sprang der frische Scewinv glücklich auf, jetzt muß auch das stolze, schöne Schiff, mit allen Taumelfrcuden reich bewimpelt und beflaggt, aus seinem still verschwiegenen Hafen die Fahrt heraus in's kräftig wogende Welt­meer wagen.

Der Lauscher, besser in solchen, als andern Künsten, erfahren, verstanv ohne Arg die Aufmerksamkeit zu leiten. Die kühne, junge Männerwelt vermag ja die Geheimnisse viseret zu bergen, warum also Anstand nehmen? Und Damen ist es Seligkeit, um etwas Holdverschwiegenes zu wissen. Wundern wir uns daher, wenn das Geheimniß deS trauten Zaubercabinetes bald wie ein buntschil- ternder Schmetterling von Saal zu Saal, durch L'hombre, Boston und Whist und durch die Reihen aller Tänzer flattert ?

Und während alle Zungen ob der neuen Mähre thätig ilch rühren, ertönet von der Straße lärmendes Geschrei, vom Klange fröhlicher Janitscharenmusik vurchhallt. Der Fackelzug mit seinen Festordnern und tausendköpfigem Gefolge naht dem Hause Eusebia's und schon hat er sich gerunvct zu weitem Halbkreise, da brauset wie ein Wettersturm ein furchtbar Heulen, Zischen und ein Pfeifen auf, als ob das milde Heer seinen Einzug in Herz und Mark erschüt­ternden Mißtönen satanisch feier» wollte.

Marnstein hoch! Pereat Dannberg!" schallte es in ^furcht­barem Gcwirre herauf und wie Die Branvung Des Meeres im Sturme an dem Felsen zerschellt, so zerstob der Ruf des Beifalls an der gewaltigen Masse des höhnenden und verspottenden Tobens.

Die Gäste, thcilweise voll Angst und Entsetzen, geriethen in Verwirrung und die Damen, Gewaltlhätigkeilen besorgend, flüchteten nach den mehr entlegenen Zimmern. Hier sanden sie Marnstein und Eusebien in traulichem Beisammensein.

Marnstein, unterrichtet, eilt- sogleich nach dem Balkonc, Eu­sebia aber voll Furcht und Entsetzen und gänzlich ohne Rücksicht auf die anwesenden Gäste, umklammerte denselben und hielt ihn zurück von dem, wie es ihr schien, gefahrbringenden Schritte.

Da nahte Henrich mit wildlachenvem Blicke :

Rede müssen wir den vor dem Hause Weilenden stehen und ich will es an unseres gefeierten Marnstcins Stelle vollbringen."

Ohne Antwort abzuwarten wendete er stch nach der Thüre des ; Balkones.

Lichter", kommandirte er den mit Armleuchtern herzutretenden Bedienten und stieß Die Zitternren vor stch hinaus auf den Altan. .Still! Still! Ruhig! Ruhig!" erschallte cs alsobald von der Straße und wie Der Gewiltersturm nach unv nach in den fernen Wäldern verhallt, so legten sich auch allmählig bis zu den rückwärts liegenden Gassen die aus der Versammlung aufbrausenden wilden | Wogen.

(Fortsetzung folgt).

Was giebt es Neues?

j Der deutsch-katholischen Gemeind- in Mainz ward von der Regierung die Auflage, schleunigst Die erledigte Pfarrstelle zu besetzen.

Mit d-r Uniformirung Der badischen Staatsdicner soll es ' nun auch Ernst werden.

In Folge deS letzten Brandes in der Rentengaffe in Mainz wurde eine Frau verhaftet. Sie soll das Feuer gelegt haben.

In Mannheim kamen dieser Tage einige Verhaftungen vor, die man mit den kürzlich circulirenden Londoner Flugschriften in Verbindung bringt.

' In Berlin herrscht unter den Jnnungsgenossen große Bewe­

gung. Die Bildung neuer Zünfte unv die Verschmelzung der« wandter Innungen soll hintertrieben werDen.

1 Der Flottencommissär, Hr. Staaksrath Fischer, ist zur Be-

! richlerstattung in Frankfurt a. M. augekommen.

Im Nassauischen wurde neuerdings Die Verordnung wegen strengerer Feier der Sonn- und Festtage wieder in Erinnerung gebracht.

Zm Monat September d. I. wurden, nach einer soeben ver­öffentlichten Notiz, aus der badischen Eisenbahn 253,524 fl. 23 kr. eingenommen.