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Beilage.

Auch in -em Keitenfturm -ie Liebe.

Novelle aus dem Frühjahre 1848.

(Fortsetzung )

Das Haus Eusebiens war von tausend und abertausend Lampen erleuchtet, an verschiedenen Orten prangten symmetrisch wohlberech- netc, durchsichtige Gemälde und der neben anliegende Garten schim­merte in vielfarbigem Lichte bunter chinesischer Laternen. Das Ganze bot einen überraschenden, wahrhaft feenarligen Anblick.

Aus den Fenstern der lang gedehnten Zimmerreihe des oberen Geschosses strahlte heller Kerzenschein und viele festlich gekleidete Per­sonen trieben sich bei dem munteren Klange der Musik dort lebendig durcheinander. Karossen donnerten zu dem mit hohen, stammenden Candelabern erleuchteten Portale und die Dienerschaft in Festlivree umschwirrie die Geladenen zu gehorsamen Diensten.

Einige Unordnung konnte indessen dem Manne von Sach- kenntniß in letzterwähnter Hinsicht nicht entgehen, deren Veranlassung vielleicht in der Stimmung des Tages und reelleren Genüssen ge­funden werden dürfte.

In den Prunkzimmern selbst befand sich eine Gesellschaft ganz heterogener Bestandtheile. Junge, kräftige, männliche Figuren, mit üppigem Bartwuchse und glänzenden entschlossenen Augen sitzen bei greisen, mit Orden gezierten Männer» und belehren dieselben, wie die Dinge jetzt zu ordnen und die Negierung des Landes einzurichten sei. Ruhig hören die Ergrauten die neue WciShut, in welche sie aus Angst und Besorgniß um ihre Zukunft theilweise einstimmen, doch finden sich auch Einige, die unwillig hinweg sich wenden und nur bet dem Hergebrachten verweilen wollen.

Sehen Sie", verständigte ein dicker RegierungSrath einen band­behangenen wild aussehenden Radicalen,ich bin stets für den Fortschritt gewesen, allein Sie wissen"

Ja ich weiß", unterbrach ihn der Angeredete mit barscher Stimme,daß die neue Forst- und Jagdordnung in Ihnen den erbittertsten Gegner fand."

Gefunden hat, mein Lieber, hat, bemerken Sie das recht wohl. Jetzt habe ich meine Ansicht geändert"

Ah so!" bemerkte der Bärtige.Das ist freilich etwas an­deres!" und mit sardonischeia Lächeln verließ er den Verblüfften.

Alles fort", rief ein junger Mensch mit noch ganz glattem Kinne einem ernsten Geheimen Rathe zu,Hofdiener, Hofgeschmeiß, die ganze Civilliste, alle Zöllner und Sünder, keine Abgaben mehr, damit die Freiheit ungehindert bei uns einziehe. Mit einem Worte: tabula rasa !"

Vollkommen einverstanden, erwiederte mit satyrischem Blicke der Geheime Rath,Alles abrasirt. Schade nur, daß Manche gar nichts abzurastren haben!"

Er ging und der junge Mensch machte ein ganz sonderbares Gesicht. Es wollte ihm halb unv halb bedünken, als ob in dieser Antwort Etwas gelegen hätte.

Während nun aber die junge Männerwelt, so mit Staats­reformen beschäftigt, den alten Beamten die Köpfe in Ordnung brachte, saßen die schön geschmückten Mädchen verlassen in dem Ballsaale. Nur einige Accessisten, die an die allzugroße Ver­gänglichkeit des Irdischen vor der Hand nicht so ganz^ und gar glauben wollten, opferten sich für Fraucnhulv mit ritterlicher Ga­lanterie und retteten die Ehre der Männer.

Die Treugebliebenen wurden aber auch mit minnevollcn Blicken belohnt.

Die Dame des Hauses , Baronesse Eusebia, «welche seither sowohl der feurigen jungen, als der bedächtigen älteren Welt mir gleicher Huld unv Freundlichkeil entgegen gekommen war, wurde jetzt schon eine Weile vermißt. Dem Forschenden konnte es gelingen, sie in einem, an die letzten Gesellschaftszimmer anstoßenden kleinen Cabinete aufzufinden.

Mit dem Geschmack- und der Erfahrung, die Eusebien eigen waren, hatte dieselbe dieses heimliche, still vertrauliche Plätzchen zu einem wunderlieblichen Aufenthalte gleichsam gezaubert. Obwohl der rauhe Märzwind noch die kahlen Fluren vurchstrich, so prangten dock hier die lieblichsten duftenden Blüthen und Spiegel mit Epheu vergittert, machten, durch mattfiimmernde versteckte Lampen erleuchtet, glauben, daß hier in freier Natur der holde Frühling sein Panier schon siegend entfaltet habe. Ein leichter Marmorlisch bot seine Dienste an und eine g fällige Causcuse von Seidenramast mit reichen Crezinen lud zu traulichem Geplauder.

Hier finden wir Eusebien, wie fie den Baron von Marnstein an der Hand zu diesem Oerlchen süßer Schwärmerei und Vertrau­lichkeit geleitet

Dieser war überrascht. Die Einsamkeit, in welche nur crn- zelne Töne der im Hause rauschenden wilden Freude zu dringen vermochten, that ihm, nach dem verlebten Tage der Aufgeregtheit, wohl und gerne mochte er gewahren, daß Eusebia ihn zu der Cau- seuse hingeleitete und sich an seiner Seite niederließ.

Seine Führerin war, was auch die rücksichtslose Zeit an ihr gesündigt haben mochte, immer noch ein schönes ^rauenbild und Meisterin der Kunst, das leise Entflohene mit schmeichlerischer Ge­wandtheit zu ersetzen. Verstand, Feinheit und Geschmack waren die Schätze, mit denen sie geschickt und haushälterisch wucherte und durch welche fie den entfiohenen Rolenhauch der ^ügendsrische im fesselnden Interessant nicht vermissen ließ.

Angeregt durch die Festlichkeiten röihetcn sich ihre sonst bleichen Wangen mit sanftem Jnearnat und funkelten der ve>führerischen Einsamkeit mit dem heiß ersehnten Gegenstände die schwarzen Augen ein sehnsuchtsvolles, lieblich strahlendes Feuer.

Mußte man nun noch zugestehen, daß ihre mit feiner Koket­terie geordnete Toilette nirgend überladen war und doch in Reich- thum ein schönes Ebenmaaß der Formen verrieth; so wird Marn- stein Nachsicht finden, wenn er seiner holdfreundlichen Wirthin eine I mehr als gewöhnliche Aufmerksamkeit widmete.

(Fortsetzung folgt). !

Was giebt es Neues?

Hier wurde neulich eine Diebsbande entdeckt und bei, zolcher ' eine Masse Gestohlenes aufgefunden. Der Hehler und Genossenschaft ist verhaftet. Man vermuihet, daß die saubere Clique direct oder ! indireet ihre Hände bei den Diebstählen in der letzten Zeit hier und in der Umgegend mir im Spiel gehabt hat.

Zur selben Zeit hob die thätige Polizei zu Frankfurt euren auf der Friedbergergasse wohnendem Falschmünzer auf, dessen Passion es war, Guldenscheine anzufertigen.

Auf der Chaussee zwischen Bornheim unb Seckbach ist am 24. d. Mts., Abends, ein Viehhändler von zwei Kerlen angepackt und seiner gefüllten Geldkatze beraubt worden.

Der Gauner, welcher in Darmstadt die Ordensdiebstähle u. s. w. beging, und am 24. Nvv. in Frankfurt a. M. verhaftet