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Beilage

Auch in dem Aeitenfturm die Fiebe.

Novelle aus dem Frühjahre 1848.

(Fortsetzung )

4. Nächtliche Erscheinung.

In Bem Gefängnißgewölbe von Schloß Dannberg, dessen ein­ziges vergittertes Fensterchen nach dem, in die Felsen gehauene», Graben zu ging, schimmerte von der Steindecke eine aufgehängte Leuchte und erhellte mit zweifelhaftem Scheine den beschränkten, unterirdischen Raum

Auf einem nothdürftigen Lager ruhte der gefangene Henrich und stützte, den Ellenbogen auf das Knie gelehnt, den Kopf in die hohle Hand.

Tausend Pläne und Ansichten, Meinungen und Entschlüsse, kühne Begriffe und verwegene Speculationen trieben sich, wie Ge­witterwolken von Winden über Felsenriffe gepeitscht, in seinem Ge­hirne umher. Er fühlte sich angeregt, gehoben, wieder gestürzt und willenlos hin und her geschleudert. Er empfand die Eindrücke, aber er vermochte nicht, dieselben zu sichten und zu ordnen, noch weniger aber sie zu beherrschen.

Bon einander überstürzenden, unklaren Empfindungen gemar­tert, sprang er jetzt aut und trat an das enge Fensterchen, durch das er hinaus in die kalte, vom Nebel umflorten Mond schwach erhellte, Winternacht starrte.

Hat er", begann er jetzt dumpf brütend, indem er die Hand an das Eisengitter krallte,aus der verborgenen Walveseinsamkeit mich gezogen und willenlos in sein Schloß gebracht, so ist es auch jetzt seine verdammte Schuldigkeit mich auf dem Wege aufrecht zu erhalten, den er wandeln mich nicht allein lehrte nein, den zu gehen er mich vielmehr gezwungen hat. Warum ließ er mich nicht in meiner Köhlerhütte? Mit beschränkten Kenntnissen verzehrte ich dort mein kärgliches Mahl, zufrieden mit meinen Ver­hältnissen und unbekannt mit der Welt politischen Händeln. So aber muß er ans einer Jagd Gefallen an dem muntern Knaben finden, er reißt ihn aus den Armen der, jetzt längst entschlafenen, Eitern, lernt ihn höhere Bedürfnisse, geistigeres Leben kennen und nun der Mann die Frucht genießen will, die man dem Knaben vorgegaukelt, läßt man das schöne Traumbild ihm verschwinden und stößt ihn unbarmherzig hinaus in die Wildniß, die einst ihn ge­boren ! Was ich gethan, war Nothwehr! Wirf den Men­schen in's schäumende Wasser und, um sich zu retten, reißt er den andern hinab in die Fluth wer kann ihn des Mordes bezüch- tigen? Aber die Welt und ihre Gesetze denken anders, darum muß sie geändert werden diese Welt und vernichtet diese den Armen höh­nenden Gesetze! Zwar werden sie sich wehren. Aber nimm ein Beispiel daran, armer, gedrückter, mißhandelter Mensch, und ge­brauche, gleich ihnen, die dir ebenfalls verliehenen Kräfte des Geistes und die Spann- und Schnellkraft deines Armes!"

Mit entschlossenen Blicken schritt Henrich einigemal in dem Gewölbe hin und her, dann trat er wiederum zum Fenster und heftete den Blick voll heißer Sehnsucht auf die leicht bewegten Gipfel der schwarzen Tannen.

Die Zeit ist um und aus dem fernen Dorfe im Thalgrunde ! tönte schon des Wächters Horn den Ruf der Mitternacht. Hat sein Zettel nicht gelogen, so ist der Augenblick nahe, wo ich Rechnung werde tragen können all' den Unbilden, die mir von grausamer Herren Hand geworden sind."

Er lauschte nach der stillen Gegend, die ein leiser frostiger

I Wind surrend durchstrich und langsamer dünkte ihm die Zeit ihreit ! Flug zu durcheilen. Da zeigte sich seinem ängstlich suchenden Blicke i ein leichter dunkler Punkt unter den Fichten und wie der Mond ! jetzt klareres Licht über die Berge sendet, so unterscheidet fein heißes \ Ange eine Gestalt, die in verschwommenen Umrissen winkt und Zeichen gibt.

Er kommt! Es naht die Hülfe!" jubelte er leise.Es schwebt mit florumspannten Dämonsflügeln heran die Rache, die Vergeltung!"

Und sein Auge funkelte und die Brust schwellte hoffendes Un­gestüm. Aber wie er mit mächtigem Verlangen hinaussah in die umschleierte Nacht, da blitzten ans den Felsen jenseits des Grabens Flammen auf und Schüsse knallten durch die schweigende Gegend. Hallo und Geschrei folgte dem donnernden Wiederhalle und gespen- sterhaft huschten schwarze Gestalten an den Föhren vorüber und glitten unheimlich hinab in's Thal. Dann ward es wieder stille und der eisige Wind strich mit seinem eintönigen Summen über die schwankenden Wipfel.

Mit aufgerissenen Augen hatte er in das Helldunkel geschaut, mit angestrengtem Ohre gehorcht und wie die Gegend in theilnahm- losem Schweigen jetzt verharrte, so warf er sich mißmuthig auf sein hartes Lager.

Verloren! Alles verloren!"

(Fortsetzung folgt.)

Was giebt es Neues?

DiePrenß. Wehr;." macht darauf aufmerksam, wie trotz den Versicherungen tiefen Friedens gegenwärtig in Frankreich nicht unbedeutende Rüstungen, besonders Armirnng der Festungen, vor sich gehen; ebenso bei der Cavallerie.

DieKasseler Zeitung" vom 13. d. Mts. enthält das Aus­schreiben des Finanzministeriums, die Aufnahme eines Anlehens von einer und einer halben Million Thalern betreffend

Die Todtenbunds - Untersuchung in Bremen ist nunmehr ge­schlossen.

DieAugsb. Abdztg." bezeichnet Hof als den muihmaßlichen Ort, wo die Besprechung der Darmstädter Verbündeten in der Zoll­vereinsangelegenheit stattfinden soll.

Vorige Woche hat man die ganz zerstochene Leiche eines Dampfschiffkellners unterhalb Eöln aus dem Rhein gezogen. Er soll mit Matrosen Streit gehabt, so zugerichtet und ins Wasser geworfen worden fein.

Letzter Tage, Abends, wurde in Eöln ein junges Mädchen von einem jungen Burschen verfolgt und als sie ihn abgewiesen, mit einem Messerstich tractirt, der gefährlich lein soll.

Aus Spalt wird geschrieben, daß in diesem Jahre der Hopfen um 14 Tage früher reif geworden ist. Qualität ausgezeichnet, Quantität wie voriges Jahr.

In Gera erschoß sich jüngst ein allgemein geachteter Lieutenant.

Aus einer Statistik der englischen Assisen deS Monats Juli und August geht hervor, daß in dieser Zeit sünfundzwanzig Kindes­mörderinnen vor Gericht gestanden. In den meisten Fällen wurden sie freigesprochen.

Der Ausbruch des Aetna währt fort und richtet vielen Scha­den an. In sämmtlichen Kirchen der Insel werden deßhalb Buß­gebete veranstaltet.