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Beilage.

Auch in bem Aeitenjlurm die Liebe.

Novelle auS dem Frühjahre. 1848.

(Fortsetzung)

Amtmann Kronhelm stand wie versteinert und sein alter Actuarius falzte vor lauter Berwuntcrung ganz zwecklos Papiere und warf mit denr Ellenbogen die Streusandbüchse um.

Herr Amtmann," begann endlich der Letztere mit bescheidenem Kopfsenken,ich erlaube mir, eine Bemerkung Ihnen mitzutheilen. Zch glaube, der Jnquistt ist verliebt."

Kronhelm lächette:

Worauf gründet sich Ihre Vermuthung?"

Er macht Verse. Unter seinen Papieren habe ich etwelche gefunden."

Wohl möglich, daß er Verse macht" versetzte der Amtmann

gleichgültig,denn er war immer so ein Phantast. Was soll aber

dieses Derliebtsetn hier ausmachen?"

Der Actuarius blickie scheu in der Amtsstube umher und als

er sich fest überzeugt hatte, daß er und der Herr Amtmann auch

wirklich ganz allein seien, hielt er die Hand vor den Mund und stüsterte geheimnißvoll:

Wenn Sie erst wüßten, in wen er verliebt ist!"

Neugierig rückte der Amtmann näher und hielt fein Ohr nach dem Vot sichtigen.

Er ist in das gnädige Fräulein verliebt," flüsterte dieser und duckte den Kopf in die Schultern.

Der Amtmann fuhr betreten zurück und drohte warnend mit dem Finger; der Actuarius aber lächelte pfiffig und gcschwichtig:

Sie sind des Handels einig und es geht zwischen Beiden schon Du und Du."

Der alte Schreiber brachte aus den Acten ein Papier zum Vorschein und zeigte es dem Amtmanne:

Sehen Sie die Ucberschrift: Thekla? Nun höre» Sie!

Wo ich fei und wo mich hingewendet, Als mein flücht'ger Schatten Dir entschwebt? Hab' ich nicht beschlossen und geendet, Hab' ich nicht geliebet und gelebt?

Und daS meinen Sie, hätte er selbst gedichtet?" fragte Kronhelm.

Es ist von fei n er Hand geschrieben," erwiederte der Actuarius und bekräftigte seine Meinung durch einen bedeutungsvollen Wink mit der Hand.

Schon gut," lächelte jetzt der Amtmann;vorerst aber behal­ten Sic Ihre Wahrnehmung für sich. Es ist dieselbe ein Acten- geheimniß und ich verpflichte Sie speciell auf Verschwiegenheit."

Der Actuarius legte die Hand auf die Brust und verbeugte sich in pflichtschuldigster Ergebenheit, dann nahm er feine Acten unter den Arm und verließ unter höflichen Grüßen das Amtszimmer.

Kronhelm fah dem Abgegangenen lächelnd nach.

Auf diese Art schweigt er. Andern Theiles hätte er seine Vermuthungen doch nichc aufgegeben und dem gnädigen Fräulein vielleicht ein unangenehmes Gcwäscke angerichtet. Unser guter Schiller mag sich einmal gefallen lassen, daß bei Hrn. Weller der Angeklagte feine Stelle vertritt. Der Dichter wird wahrscheinlich an seinem Ruhme hierdurch nichts cinbüßen."

Der Amtmann ging nun zu seinem Sitz zurück und wollte eben zur Arbeit sich niederlassen, als nach leisem Anklopfen die Thüre langsam aufging und Fräulein Thekla den Kopf vorsichtig in das Zimmer steckte.

Sic sind allein, Herr Amtmann?"

Wie Sie sehen, gnädiges Fräulein."

Darf man Sie auf einige Minuten stören?"

Wird mir eine Ehre sein."

Das Fräulein sprang in die Stube und der alte Amtmann holte einen Stuhl.

Darf ich bitten?"

Wenn Sic erlauben? Aber Herr Amtmann, vorerst geloben Sic Verschwiegenheit. Was ich Ihnen zu vertrauen habe, ist delicater Natur.

(Fortsetzung folgt.)

Was giebt es Neues?

- Am 3. September traf mit dem 11-Uhr-Zuge Se. Königl. Hoheit der Großherzog von Hessen und bei Rhein, nebst hohem Gefolge, von Darmstadt kommend dahier ein und nahm imGasthof zum Einhorn" ähr Absteigguartier und Abends 6 Uhr langten mit einem Ertrazug Ihre K. K. Hoheiten der Thronfolger von Rußland nebst Gemahlin und Gefolge dahier an. Se. Königl. Hoheit der Großherzog von Hessen rc. empfing Ihre K. K. Hoheiten den Thron» folger von Rußland und Gemahlin auf hiesigem Bahnhofe unter liebevoller herzlichster Begrüßung; Sie verweilten mit freundlicher Unterhaltung aller Umgebenden auf hiesigem Bahnhofe eine halbe Stunde und setzten sodann mit diesem Ertrazuge die Reise nach Darmstadt fort.

Für jeden aufrichtigen, redlichen Deutschen und Vaterlauds- freunb, der es mit dem allgemeinen Interesse, sowie in handelspolitischer und gewerblicher Beziehung wohlmeint, muß es erfreulich fein zu vernehmen, daß Preußen endlich einmal frei, offen und entschlossen her- vorgetreten ist und am 30. August eine Erklärung abgegeben hat, welcher Hannover , Braunschweig, Oldenburg und die Thüringischen Staaten sich angeschlossen haben : an dem Grundsätze der Reconsti- ; tuirung des Zollvereins festhalten zu wollen und nicht gewilligt fein, bevor dieser rccoustituirt worden, mit Oesterreich über einen Handelsvertrag in Unterhandlung zu treten. Wenn es wahr ist, so hat die preußische weise Regierung sich ein unbestrittenes großes Ver­dienst um das große allgemeine, commerziclle Interesse und des deutschen Volkes Wohl erworben.

Die preußische Regierung läßt sich den Weinbau am Rheine sehr angelegen sein, denn es wurden im Jahre 1851 durch ihre Unterstützung über 47000 edle Reben gekauft und an atme Winzer vertheilt.

Nachrichten aus Berlin zu Folge hatten Sc. k. Hoheit der Prinz von Preußen bei einem Manöver bei Krekow das Unglück vom Pferde geworfen zu werden. Sogleich eilten Aerzte nach Stettin, welche aber die Folgen als nicht bcsorgnißcrregend erklären.

Wegen des erlittenen großen Hagelschavens wurde den Steuer- pflichtigen der Stadt Bockenheim die Grund- und Gewerbesteuer für die Monate October, November und December nachgelassen.

Louis Napoleon ist fortwährend leidend. Er hat sich einer Waffercur unterzogen.

| i Meister Pez im zoologischen Garten in Berlin, der erst neulich an der Serviette mit den Kirschen beinahe erstickt wäre, ist nun doch als Opfer seiner Naschhaftigkeit gefallen. Ein Knabe ließ seine Mütze in den Zwinger fallen, an deren Schirm der arme Bär i verendete.