M 7.
Beilage.
Auch in -em Aeitensturm -ie Frede.
Novelle aus dem Frühjahre 1848.
(Fortsetzung)
Heinrich schlug die Augen nieder, bald aber sammelte er sich und blickte dem Frager keck in das Gesicht:
u „Es ist so, Herr Amtmann, wie ich angegeben habe."
„Ihre Aussagen," versetzte der Amtmann, „tragen zu sehr den Stempel der Unwahrscheinlichkeit, als daß ich dieses Ihnen noch Vorhalten sollte. Sie würden besser thun, wenn Sie die Wahrheit redeten und dadurch der Gnade sich würdig machten/'
„Ich verlange keine Gnade," entgegnete der Verhaftete und seine Augen funkelten in giftigem Spott, „ich fordere nur mein Recht. Hätte der Baion von Dannberg mir dieses nicht früher vorenthalten, so wäre ich weder hinaus in die Wälder und Schluchten gerathen, noch stände ich jetzt vor Ihnen als Angeschulvigter."
Amtmann Kronhelm warf einen bedauernden Blick auf den also Redenden, darauf zuckte er die Achsel und wendete sich zu dem Schreiber:
„Schließen Sie das Protokoll und sorgen Sie für die Vorlage der Arten."
Weller nickte, schrieb und legte dann die couvertirten Acten bei Seite. Der Amtmann aber verließ unterdessen, nachdem er die Brille bei Seite gelegt hatte, seinen Platz und trat aus den Schranken ,Iu Heinrich, dem er mit freundlicher Miene die Hand aus die Schulter legte:
„Sie waren früherhin, gleich mir, in des Herrn Barons Diensten und unser damaliges Verhälrniß war gewiß ein freundschaftliches. Ich häkle gewünscht, Ihnen nützlich sein zu können."
„Das stehl ganz in Ihrer Hand," sprach rasch der Angeklagte und sein lauerndes Auge heftete sich fest auf den Redenden.
„Nicht also," entgegnete dieser und wehrte mit der Hand, „ich weiche nicht von meiner Pflicht."
Heinrich klemmte die Lippen zwischen die Zähne und betrachtete den Alten mit sarcastischem Blicke.
„Diese Antwort hätte ich mir denken können. — Als mich der' Herr Baron plötzlich seiner Dienste entließ und hülflos in die Welt hinaus jagte, bat ich Sie um Ihre Vermittlung. Erinnern Sie sich noch »er Antwort, die Sic mir damals gaben?"
„Dieselbe trte- jetzt," entgegnete Kronhelm unbefangen. „Aber," setzte er mit würdigem Ernste hinzu, „Sie hatten als verpflichteter Privatsecretair wichtige Documente auf Die Seile gebracht, die ich nur mit Mühe wieder herbeischaffen konnte; Sie hatten Des Herrn Barons Vertrauen, Der Sie als Waise erziehen unD unterrichten ließ und der fest auf Ihre Treue baute, auf das schmählichste getäuscht; konnte er weniger thun, als Sie Ihrer Dienste entlassen, da er zu einer peinlichen Anklage gegen Sie berechtigt gewesen wäre?"
„Wegen unbedeutender, elender Papiere!" rief Heinrich und warf Den Kopf mit Verachtung in die Höhe.
„Elender Papiere?" wiederholte Der Amtmann und heftete staunend und zurücktretend den Blick auf den Verhafteten, „und Sie wissen, daß der Besitz der ganzen Herrschaft Louisenruh davon abhängt?"
Heinrich wurde verwirrt und schwieg, nahm sich indessen nach .kurzer Weile zusammen und entgegnete mit mühsam errungener Fassung:
I „Das wußte ich nicht. — Man hatte untersuchen und mir
mein Recht sprechen sollen. Es würde dann vielleicht aus den Beweggründen sich ergeben haben —"
„Beweggründe!" siel der Amtmann ein, „O, reden Sie! — Es könnte doch vielleicht —"
„Jetzt nicht mehr!" erwiederte Heinrich mit Heftigkeit indem sein funkelndes Auge in einer Mischung von Zorn, Haß und Gift zur Zimmerdecke hinaufflammte. „Auch hier erschallt der Zeiten- | ruf: „z u spät!"—Ich gehöre nun einmal zum giftigen Gewürm 1 und kann gegen verletzenDe Fußtritte nur mit scharfem Zahne beißen!" Mit bitterem Hohne auf allen seinen Zügen wendete er sich um und ging gegen Die Thüre. Dort nahm ihn Der eingetretene j GertchtsDiener in Empfang, dann hörte man int Vorzimmer Geklirre ! von Ketten, hierauf schwere Tritte Bewaffneter und Dann — ward es stille.
(Fortsetzung folgt.)
Was giebt es Neues?
— Am 26. August wurden auf der Bahnstrecke, im Lindner- Markwald , zwischen Gießen und Großenlindcn, einem Bahnwärter, welcher sich im trunkenen ZustanD quer über die Schienen gelegt hatte, mit dem 9'/? - Ubr - Zuge die Beine abgefahren. Er starb in Folge dessen nach 4 Stunden.
— Am 26. August wurde in Frankfurt ein Mann, welcher falsche l Banknoten verfertigt hatte, verhaftet.
— In Kurheffen wird Die ZunftorDnung, wie sie vor 1831 bestand, wieder eingeführt. Ein Verbot des Ministeriums, wornach alle bis jetzt noch nickt zünftigen Meister, bevor sie sich nicht in die Zunft haben aufnehmen lassen, keine Gesellen und Lehrlinge halten dürfen, soll schon erschienen sein.
— In Magdeburg hat dieser Tage ein Postsecretär, wegen Veruntreuung an Der Posikasse, dadurch, daß er sich in Die Elbe stürzte, seinem Leben ein Ende gemacht.
— Der commandirende General des Garde - Eorps, General- Lieutenant von Prittwitz hat von Sr. Majestät dem Kaiser von Rußland einen kostbaren Ehrendezen mit golDenem Griff und Beschlag und mit fol enter Inschrift erhalten : „Dem Führer der preußischen Garden in Den Jahren 1848, 1849, 1850, 1851 und 1852 zum Andenken von seinem ihn verehrenden Nikolaus."
— Genfer Witz. Als am Sonntag den 15. August zu Genf ein Landwehrbataillon in Schlachtlinie in den Schanzgräben stand und sein Oberst auf einem Schimmel im Galopp Die Fronte entlang ritt, steckte ein Possenreißer von Den Jägern sein Käppi auf sein Bajonnel und schrie : „Es lebe der Kaiser!" Seit dieser Zeit soll man in Genf oieß Bataillon die kaiserliche Garde nennen.
— In Magdeburg ist das Nervenfieber in hohem Grade und die Cholera ausgebrochen und fordern täglich Opfer.
— In Der Schweiz wurDe am 23. August zwischen Zürich und Bern unD zwischen Zofingen unD Basel Die Telegraphenlinie zerstört.
— In Hamburg fanDen in voriger Woche fast jeDen Tag Brände Statt. Am 24. August brach in Der Deichstraße Nr. 4 auf einem BoDen, wo 300 Ballen Baumwolle aufgehäuft lagen, Feuer aus.
— In Plymouth kamen Dieser Tage bei einem Dort ausgebrochenen BranDe eine Mutter mit ihren zwei Kindern in den Flammen um.
— In Irland soll nach allen Berichten die Kartoffelerndte sehr günstig und Die Krankheit derselben gänzlich verschwunden sein.


