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Beilage
Auch in dem Keitensturm die Liebe.
Novelle aus dem Frühjahre 1848.
(Fortsetzung) |
Der Alle ward roth im Gesichte und sendete einen zornigen Blick zu dem lebhaft Redenden, dann sprach er mit Heftigkeit: _ ।
„Auch Sie hat der Neueruugssturm in seinen Kreisel gefaßt und in das tolle Treiben des wilden Heeres mit hineingerissen! — Es ist mir leid; denn ich — ich bleibe bei dem Alten, welches unfern Vorfahren und deren Schutzbefohlenen Glück und Segen und ruhige Tage bereitet hat. Das ganze weite, rings um mein Schloß gelegene Land war meiner Vorfahren Eigenthum. Wenn sie erlaubten, daß einzelne Häusler sich dort anbauten gegen eine ge- . wisse jährliche kleine Abgabe an Erträgnissen des Landes, so waren sie hierzu von Gott und Rechtswegen befugt und wenn ich dann ihr Recht ererbt unv dieses übe, wer will Gewalt, Druck, Belästigung und wie die beliebten, von übergelahrten Herren erfundenen Titel alle heißen mögen, es nennen?"
„Vor dem Richterstuhle der Menschen/' sprach Marnstein, „werden Sie diesen Prozeß nickt verlieren. Allein ich appellire , an eine höhere Instanz und diese wohnt — in Ihrer eignen B r u st."
Dannberg fuhr betreten zurück, faßte sich aber bald und entgegnete mit festem Tone: \
„Ich will hierüber nicht weiter mit Ihnen streiten. — Was aber den gefangenen Wilddieb anbelangt, so bleibt dieser verhaftet und das Gerickt wird sein Unheil fällen. Nur durch Furcht, nicht durch Liebe halten Sie die Ordnung aufrecht. Wollte ich alle Forst- und Jagdfrevler mit Güte bessern, so würde, bis es gelänge — wenn es überhaupt möglich wäre — mein ganzer Wald umgehauen und mein Wildstanv zerstört sein."
„Ich kann nur rathen," versetzte Marnstein mit ernster, warnender Rede, „und habe nichts zu befehlen."
„Ick nehme es schon auf mich," sprach der Alte mit zuversichtlichem Tone, „aber Ihnen, Herr Baron," setzte er dann mit bedeutungsvollem Kopfnicken hinzu, „möchte ich denn doch auch einen Rath ertheilen."
Der Angeredete trat einen Schritt näher und gab, die Hand gesenkt und deren Fläche gegen den Alten gerichlet, durch bescheivene Mienen zn erkennen, daß er zur Anhörung des Ratbes bereit sei. Dannberg spreizt- hierauf die Beine, legte die Hände wiederum auf den Rücken und besah Marnstein von unten bis oben, dann versetzte er gewichtig und mit Nachdruck:
„Sie lieben meine Tochter und das Mädchen ist Ihnen nicht abholt. — Wollen Sie eine Vereinigung erzielen, so verfolgen Sie nicht weiter den Weg, den Sie betreten haben. Ihre eingeschlagene Richtung ist nicht die unsere und muß Sie von uns entfernen!"
„Herr Baron —" stammelte Marnstein und Eiseskälte rieselte ihm durch alle Glieder.
„Kein Wort der Erwiederung. — Sie wissen, was Sie wissen sollen, bemessen Sie danach Ihre Schritte."
Er ging festen Trittes aus dem Zimmer und ließ den jungen Mann in starrem Erstaunen zurück.
3. Gerichtsverhandlungen.
In der Amts- und Gerichtsstube des Schlosses Dannberg saß der alte Amtmann Kronhelm und neben ihm der ebenfalls bejahrte Amtsschreiber Weller. Vor den Gerichtsschranken befand sich, auf einem hölzernen Stuhle sitzend, ein junger Mann von etwa vier
und zwanzig Jahren mit schwarzem dichten Haar und Bart. ^>aS Antlitz bleick, schaute das dunkle Auge glühend und lebendig unter langen Wimpern durch richte und buschige Augenbraunen keck und verwegen hervor. Es war ver als Wilddieb und wegen Beihülfe zu einem Mordattentate angeklagte und verhaftete Heinrich.
Der Amtmann schüttelte bedenklich den weißen Kops und firirte, über die auf die Nase weit herabgezogene Brille hinweg sehend, den Angeklagten mit einem Blicke, aus welchem Unglaube und leiser Aerger zu erkennen war.
„Sic bleiben also dabei", begann er endlich mit warnender Stimme, „daß der flüchtige Wilddieb Sie zur Theilnahme an seinem verbrecherischen Werke gezwungen habe und daß Ihnen derselbe im klebrigen ganz unbekannt sei?
(Fortsetzung folgt.)
Was giebt es Neues?
— In Gießen erhielt ohnlängst ein arineS Dienstmädchen von ihrem Liebhaber (ein Schuhmachergeselle) ein Paar neue Schuhe zum Geschenk und geht mit diesem nach Heuchelheim zur Kirchweihe. Mittlerweile dort angekommen, tanzt unv spricht es mit einem andern Burschen. Der Liebhaber, aus Argwohn oder Eifersucht, zieht darauf seiner Liebsten einen von den ihr geschenkten Schuhen zur Strafe aus, so daß es sich augenblicklich einen anderen Schuh leihen muß. Darauf verläßt es den Tanzplatz unv geht augenblicklich in die Lahn und ertränkt sich.
— Betrachten wir uns alles Geschichtliche in der Welt, von frühesten bis zu -den neuesten Zeiten, so finvcn wir gar zu oft, daß Humanilät, freundliche Gesittung und Fortschritte rc. in ihrem ersten Aufleben durch Diejenigen ersticken, die unter verschleierter Maske der Frömmelei und in Schaafspelz vermummt, sich das Ansehen geben, als sorgten sie aus Vaterlandsliebe für das geistige und materielle Wohl und Glück der Völker. Sie vermögen dabei aber nicht einmal ihre politischen Fäden zu verbergen, an Venen ;te ziehen und weben? Dies beweis'! gerade eben wieder der über die handelspolitische Frage sich verbreitende Artikel der in Köln erscheinenden „Deutschen Volkshalle," deren Schlußworte also lauten: „Für materielle Zwecke ist dieses Blatt nicht gegrünvet. Alle Zollverträge der Welt sind ihr Kleinigkeiten im Vergleich mit einer einzigen Regicrungsmaßregel, durch welche die Freiheit des katbol. Glaubens beeinträchtigt wird. Eine einzige kirchliche Anstalt liegt uns mehr am Herzen, als alle Fabriken der Monarchie; und wir sind auch überzeugt, daß die Macht Preußens in Deutschland viel weniger von der Zolllinie abhängt, als von der Jesuitenlinie. Man wird es erfahren." O,'Du glückliches Volk, rufe jetzt aus: Es ruhen alle Werke! Es ruhen alle Arbeiten! Es ruhet aller Hanvel! Oeffne nur Deine Arme unv empfange Du die Dich beglückenden Jesuiten. Dann Volk, nur dann fällt Manna für Dich vom Himmel! und Du brauchst nicht mehr zu sorgen für den andern Morgen. Auch sind Dir alle Deine Sünden, die Du heute thust, ja morgen vielleicht um 3 fr. wieder vergeben.^
Wir wollen hierbei jedoch nicht zürnen irgend einer Konfession und noch weit weniger Religionshaß predigen, sondern wir wollen nur dahin wirken, daß nicht auch moralische Kräfte zum Dienste schnöder knechtender Prinzipien im Volke mißbraucht und auf gleisnerische Weise verführt werden. Der Mensch hat zwar nicht die Kraft, das Loos der Völker zu bestimmen, sondern daS Verhängniß! — Ebensowenig glauben wir, daß ein vernünftiger Mensch, sei er


