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Beilage
Auch in -em Aeitenfturm die Liebe.
'Jiotede au8 sein Frühjahre 1848.
(Fortsetzung )
„Sie kommen von der Jagd zurück," rief Thekla freudig aus, „und scheinen reiche Beule gemacht zu haben; denn die Taschen der Jägerburschen sind gefüllt."
„Auch etwas Großes haben sie erlegt," fügte Eusebia hinzu, „denn siehe nur, dort tragen sie es auf einer Bahre."
Thekla erblich bei dem letzten Worte und ihre Augen suchten in dem Getümmel des Hoies nach dem Baler, llmsonst waren jedoch die ängstlich umhergejagten Blicke; denn nirgends wollte der Ersehnte sich zeigen. ' lnu u-nfig -nd r.ipi!*
Da trugen die Jäger ihr Gesiechte durch das Lhor, setzten dasselbe nieder und zogen das darüber geworfene Tuch auf die Seile.
„Allmächliger Goll!" rief jetzt Thekla voller Entsetzen aus und stürzte nach dem Ausgange, wohin ihr Eusebia und Marnstein erschreckt solgten. Wie sie jedoch nach der Thüre griff, öffnete sich dieselbe und es trat in die Stube, zwar mit ernstem Antlitze, aber doch mit freundlichem Gruße — der Vater.
Heftig fiel ihm das Mädchen um den Hals und preßte ihn krampfhafi in die Arme.
„Lieber Himmel, was ist denn geschehen?" fragte der Euige- tretene, indem er ebenfalls voll Schreck und unter Staunen umher- blickte.
„Nichts," entgegnete Eusebia mit unbefangenem Tone, „wemg- stens so gut, wie Nichts. — Ein Jrrthum."
„Die Liebe für den Vater," fiel Marnstein beschwichtigend ein, „ließ sie das Schrecklichste befürchten."
„Ach, ich verstehe", entgegnete der Vater und herzliches Wohlwollen leuchtete aus seinen Augen. „Der Himmel hat mich jedoch bewahrt und nur die Frevler der gerechten Strafe überliefert."
Von allen Seiten wurde nun der Angekommene — den wir als den Baron Dannberg sofort erkennen — mit Fragen bestürmt und einfach, ohne Schmuck und rednerischen Prunk, erzählte derselbe das unser» Lesern bereits bekannt- Abenteuer mit den Wildschützen.
Tante Eusebia srohlvckte und nickte ihren Beifall, Thekla schauderte und hob das Auge mit Wchmuth zu dem Himmel, der Baron Marnstein aber schaute dem Erzählenden in ernster Miene in das Gesicht und — schwieg.
Befremdet erwiedcrte der alle Dannberg diesen Blick auf gleiche Weise, dann runzelte er die Stirne und fragte mit markirtem Tone:
„Nun und Sie, lieber Baron, was würden Sie an meiner Stelle mit dem ergriffenen Wilddiebe jetzt anfangen?"
Marnstein verharrte noch eine Weile im Schweigen, dann entgegnete er mit eintöniger, aber bestimmter Sprache:
„Er hat den Lohn seines Vergehens hinweg und so würde ich ihn heilen lassen und ihm — die Freiheit schenken."
Dannberg betrachtete den Redenden, legte die Hände auf den Rücken und ging einmal in der Stube schweigend hin und her, während Theklas Blicke unter Hoffen, die Eusebiens unter Befürchten, ihm folgM.
In der Absicht, den Vorschlag Marnsteins mit zarten Worten zu unterstützen, wollte Thekla dem Vater jetzt schüchtern nahen, als sich dieser mit freundlicher Miene gegen die Frauen wendete.
„Der Bote aus der Residenz ist mit mir angekommen. Neue I Zeitschrift- und Modejournale mit vortrefflichen colorirten Bildern. Beseht einmal die getroffene Auswahl und laßt mich Eure Meinung
। hören."
Ohne die. Antwort abzuwarten, drängte er Beide nach der Tbüre und Eusebia entfernte sich unter Danksagen für des Bruders Galanterie, während Thekla mit dem Ausdrucke der tiefsten Be- ' kümmerniß in ihren lieblichen Zügen derselben folgte.
Unter der Thüre sendete sie noch einen flehenden Blick zu Marnstein, welchen dieser mit einem ernsten, aber tröstenden Nicken beantwortete. . .
Der alte Dannberg und Marnstein waren jetzt allein. ■Huf- merksam betrachtete Jener nochmals Diesen, dann fragte er wieder-
„Also, was Sie vorhin sagten, wäre wirklich Ihre reiflich überlegte Meinung? . .
„Sie ist es und ich habe dieselbe — was ich tn der jetzigen Zeit besonders räthlich erachte — gegen Sie offen und ohne Hehl flU g Ein ^Anflug von Gereiztheit strich über des Alten Miene, die derselbe jedoch zu bemeistern suchte.
„Ich weiß, worauf Sie hiüdeutcn. Die von jugendlichen Brauseköpfen angestifteten und von leichtsinnigen und in ihren Verhältnissen zerrütteten Menschen geschürten Mißstimmungen und Unzufriedenheiten der Landleute gegen Zehnien, Jagd, Holznutzungen, Patrimonialgerichtsbarkeit, Pfarrer, Schulze, Schulmeister und we-ß der liebe Himmel gegen was noch all mehr, diese ganz aus der Luft gegriffenen Beschwerden soll ich alle berücksichtigen und bei meinen Rechien jedem beliebigen Uebertreter der Gesetze durch Du Finger sehen2 — Aber, lieber Baron, daraus wird, so lange wenigstens ich, Sebaldus von Dannkron, Erb- und Gerichtsherr auf Dannberg bin — Nichts."
(Fortsetzung folgt.)
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Was giebt es Neues?
— Zwischen der holländischen und der belgischen Regierung sind alle Vorkehrungen zur Verbindung beider Länder durch eine Eilen- bahn getroffen Man wird also bald von Morgens früh bis zum Abend den Weg von Brüffel nach Amsterdam machen, wie auch nach Gießen, Frankfurt, Mainz, nach Straßburg, nach Paris und "°—^All°n Berechnungen der Aerzte entgegen kommt uns (schreibt man aus Berlin) die Cholera immer näher. „Von Kasisch, wo unter 12000 Einwohnern 1800 starben, hat »c sich schon bis Bose«, und es heißt, auch nach Danzig verbreitet. Traurige Nach- richiei, das. ^«es am 31. Juli zu Speper von Stapel
gelassenen,'nach Holland bestimmten, zum Erstenmal- eines dort neu erbauten Seeschiffes aus dem Schiffsbauplatz- dHelbst, zur Aufnahme Sr. Majestät.des Königs von Bayern und Gemahlin und Sr. König!. Hoheit des Großherzogs von Hessen und Gemahlin, errichtete Estrade brach gerade, wie sich die hohen H-rrlchaften daraus befanden, unter denselben zusammen.
__ Nach höherer Anordnung vom 31. Juli haben die Burgergarden in Kurheffen ihre Armatur rc. gegen Quittung tn's Zeug- h-»a -kiz-stiefern.... l


