M 3.
Beilage.
Auch in -em Aeitenfturm die Liebe.
Novelle aus cem Frühjahre 1848.
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(Fortjetzung )
„Muth, meine Thekla!" flüsterte dieser. „Ich weiß, Sie lieben mich, aber auch nicht weniger den Vater und ich bin mit diesem nicht eines Sinnes; dieses , sowie die Unmöglichkeit ausgleichend einschreiten zu können, bedrängt Ihr Herz. Doch diesen Knoten wird die Zeit lösen — "
„Over ihn' gewaltsam zerhauen", setzt Thekla schaudernd hinzu.
„Schon wieder Schreckgestalten", entgegnete freundlich ter Baron. „Der Winter liegt ausgebreilet im Thale, wird nicht auch bald der Frühling kommen? Muth, wiederhole ich, meine Theure. Lassen Sie unS hoffen und die Blumen des Lenzes werden auch uns wieder blühen! — "
Ein furchtbarer Aceord des an der Seite stehenden Flügels fiel hier ein, dann perlten klare Läufe die Tasten auf und ab und ein Triller präparirte den donnernden Schluß der Cadenze.
Die auS dem traulichen Geflüster Aufgeschreckten blickten nach dem Instrumente, über dessen ausgeschlageuem Notenpult eine Dame in dunkelbraun sammtuem, geschmackvollem Gewand, mit schwarzen Socken und feurigen, entschlossenen Augen hervorsab. Die, obgleich nicht mehr jugendlichen, doch immer noch in lebhafter Anmuth spielenden Züge derselben nahmen den Ausdruck der Mißbilligung an und sie schüttelte, während ihre schön geformten Hände paustrten, wie unwillkürlich den Kopf. Dann aber, als ob sie jetzt die Erinnerung wieder fände, begann sie austs neue mit leicht hingleitenden Fingern über die Claviatur zu stürmen, bis endlich eine klare, schmelzende Melodie dein Tongewühle entstieg. Variirend verfolgte i sie eine Weile dieses Thema, süß melancholisch das Auge senkend, > dann aber schloß sie plötzlich mit einer Dissonanz daS Spiel nnd stand rasch vorn Flügel auf.
Der Baron und Thekla hatten den wunderbaren Tönen zuge- i hört und wollten die Vortragende beloben. Diese aber gebot mit ■ der Hand Stillschweigen und schritt einigemal in großer Bewegung durch das 3immer, worauf sie in schneller Fassung stehen blieb.
Ein Blick voll leidenschaftlicher Erregtheit warf sie auf Thekla, j den diese schweigend hinnahm, dann ward ihr Auge freundlicher und blieb mit sichtlichem Wohlgefallen auf dem jungen Manne haften.
„Aber Herr Baron von Marnstein, ich hätte doch von ihrer sonstigen Liebenswürdigkeit erwartet, daß Ihr schöner Tenor unserer musikalischen Unterhaltung die wahre Weihe ertheilen würde?" ließ sich die Tante vernehmen.
„Entschuldigen Sie, Gnädige," war des Befragten artige Erwiederung, „daß ich im Gespräche mit Fräulen Nichte meine angenehme Pflicht auf Augenblicke vernachläßigen konnte."
Mit die>en Worten nahm der junge Mann das Fräulein an der Hand und führte sie zum Flügel. Hier verbeugte er sich und feinem Beispiele folgte die Begleiterin, dann Deutete er auf den verlassenen Sitz vor dem Pianoforte und äusserte scherzend:
„Wir sind zu Befehle und wenn nun das gnädige Fräulein, Tante Eusebia —“
Die Genannte, durch die artige Folgsamkeit geschmeichelt, hatte sich bereits niedergelassen, bei den letzten Worten fuhr jedoch ein unwilliger Blick derselben im raschen Fluge auf den Redenden, daß dieser mit einem bedeutungsvollen Seitenblicke auf Thekla plötzlich verstummte.
„Tante Eusebia und immer Tante Eustbia!" wiederholte sie im vorwurfsvollen Tone. „Bin ich denn nicht mehr ihre Freundin? — Haben Sie denn die glücklichen Abende des Maimondes schon vergessen, an welchen Sie mir ewige Freundschaft gelobten?"
Marnstein geriet!) in einige Verwirrung als ihm jedoch Tbekla hinter dem Rücken der Tante bedeutsam mit den Augen winkte, ergriff er die Hand der Redenden und drückte sie an seine Lippen.
Ein freundlicher Blick und ein verstohlener Händedruck waren die Antwort, wonächst Eusebia in Die Tasten griff und, wie es schien, die Einleitung zu einem Terzette begann.
Kaum waren jedoch einige Takte verklungen, als auf dem Schloßhofe Lärm entstand, Hunde bellten, das Federvieh schnatterte und bald darauf Männerstimmen vernehmlich wurden.
(Fortsetzung folgt.)
Was giebt es Neues?
— Das Rheinische Sextett aus Worms, was sich hier schon einigemal produeirte, hatten wir das Vergnügen zu hören. Durch seine gute Musik erwarb es sich viele Anhänger und Freunde. Nicht minder hat sich das Starkenburger Doppel-Quartett auS Darmstadt, welches sich zum Erstenmale in unserer Stadt hat hören lassen, durch seine auSgewählten und gut eingeübten Musikstücke das Lob und den Beifall des Publikums allgemein erworben. Wir sehen deßhalb einem baldigen Wiederkehren desselben entgegnen.
— Kürzlich übernachtete eine fremde Weibsperson in einem hiesigen Privathause und logirte sich, nachdem sie sich etwas elegant umgekleidet hatte und ihr dies so ein gutes Ansehen verlieh , in ein hiesiges Gasthaus und gab dort vor: mit dem Frühzug nach Kassel abreisen zu wollen. Als man ihr Morgens den Abgang der Omnibusse nach Dem Bahnhofe melDete, gab sie vor: Daß sie ihre Sachen noch nicht georDnet habe und deßhalb erst mit dem folgenden Zuge abreisen wolle. Bei der Abreise übergibt sie vor Dem Zimmer Dem Kellner Die Reisetasche rc. zur Besorgung in Den Omnibus unD so schließt sie mittlerweile die Zimmerthüre ab und nimmt den Schlüssel, anstatt solchen im Wirths- jimmer abzugeben, bei sich. Wie sehr erstaunte aber die Dienerschaft, als diese das Zimmer öffnete und gewahrte, daß die vermeinte elegante Dame die Betten abgezogen rc. und alles bei sich gesteckt und sick damit auf und davon gemacht hatte — und nichts weniger als eine wahre Gaunerin gewesen sei. Die Polizei setzte ihr nach und ertappte sie in dem nahen Orte Wieseck bei Gießen, dieselbe ist bereits in Gewahrsam, wo sie ihren verdienten Lohn erwartet.
— Dem König Ludwig soll ein Pfälzer Bauer einen prächtigen Strauß Feldblumen mit Den Worten überreicht haben: „Vivat Der König! So wie Die wilDe Blume schön sinn, so sinn auch Die Pfälzer gewachsen, aber eS sinn aach Dischteln Darunner; gewwe Se acht!"
— Bei Dem Einzug L. Napoleons in Paris will man den Ruf: „es lebe Die Republik!" „es lebe Der Präsident!" „es lebe Napoleon!" gehört haben. In verschiedenen Kreisen in Paris erklärt man Den ersten Rus als einen u nnn'tgen Protest gegen daS Bestehende??? — Den zweiten als feiuDfelig — Den Dritten als der gegenwärtigen Lage, zum Kaiserthume am passendsten. —


