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Beilage.
Auch in dem Keitensturm die Liebe.
Novell- aus ccm Frühjahre 1848.
(Fortsetzung )
Der Baron ward nach und nach ruhiger, dann blickte er den Verwundeten gefaßt und mit Verachtung an und wendete sich zu den Jägerburschen:
,,^>ank Euch, daß Ihr mich vor einem übereilten Schritte zurückgehalten habt. — Ich ließ ihm Unterricht ertheilen und gab ihm Kost und Lohn. Nicht genug, daß er sich alles dessen unwürdig j gemacht und mir mit Undank vergolten hat, so hätte ich auch noch durch eine allzurasche That mich selbst und — mein gute? Kind — Nein, nein, ihr Freunde, ihr habt sehr wobl gethan! — Fort jetzt mit dem Wilddiebe zum Gericht und dann in den Kerker."
Er nahm die Flinte in den Arm und eilte flüchtigen FußeS durch die Thalschlucht nach dem Wege, der am Abhange in den Wald hinein sich mündet. Bertram aber bedeutete seine Gehülfen und diese fertigten schnell aus abgehauenen Zweigen eine Bahre, auf welcher sie den Verwundeten nach dein Wege trugen, den der Baron so eben eingeschlagen hatte.
2. Tante E u s e b i a.
In einer Stube des Schlosses Dannberg, die mit rothem Seidendamast austapeziert und mit alterthümlichen Meubeln bestellt war stand an dem hohen Fenster eine jugendliche Frauengestalt und spähte durch die großen Spiegelscheiben über entlaubte Bäume hinab in das winterlich öde Thal.
Das einfach gescheidelte, mit schönen blonden Flechten geschmückte Haupt sinnig schüttelnd, schlug dieselbe jetzt die dunkeln, blauen Augen, als wenn ihr Inneres von leisem Schmerze berührt wäre, zum Himmel auf.
„Es scheint Sie etwas unangenehm zu bewegen, mein gnädiges Fräulein?" sprach ein schöner, junger Mann, von schlankem Wüchse und braun gelocktem Haare und Bart, der etwas zurück in ! ihrer Nähe stand, indem er die schwarzen Augen voll Gluth und > innerem Leben auf die Angeredete theilnehmend heftete.
Diese wendete den Blick zu dem Sprechenden und schaute i demselben mit einem gewissen süßmelancholischen Ausdrucke eine kleine j Weile in die fragenden Augen, dann entgegnete sie mit bedenk- ! licher Miene:
„Wir hätten Sie, Herr Baron, nicht hier zurückhalten sollen | Der Vater und Bertram mit den Jägerburschen allein auf der Jagd, ist in den jetzigen Zeiten wirklich nicht ohne Gefahr."
„Sie malen sich die Sache zu trübe aus," versetzte der junge Mann unter Lächeln. „Wer sollte ihm denn etwas zu leide thun?"
„Sie fragen noch," entgegnete das Fräulein wie mit leisem Verweise, „und kennen eben sowohl die Heftigkeit des Vaters und jenes alten Jägers, als die jetzige Ungebunveicheit unserer Bauern und deren offene Verhöhnung alles Gesetzlichen und Bestehenden?"
„Sie denken zu schlimm von unserem Landvolke," entschuldigte fein und bescheiden der junge Baron. „Ich habe mich auf meinen Gütern nicht darüber zu beklagen."
„Mein Vater ist doch so gerecht und gut," sprach hierauf die Jungfrau, indem eine Thräne in das dunkle Auge ihr sich zu stehlen schien, „und er will aller Orten gewiß nur das Beste!"
„Das muß sein Feind ihm bezeugen," siel der junge Mann feurig ein. „Aber eben darum, weil er nur daS Gesetz, waS
Menschen schreiben, nicht das, waS Gott in eines Jedweden Brust mit Demantschrift geprägt, anerkennen will, hat er mit seiner Zeit gebrochen und deßhalb stürmt jetzt gegen ihn diese, von ihm ab gestoßene Zeit."
„Ach, Moritz!" seufzte verstohlen das Fräulein und reichte dem jungen Manne, jedoch so, daß eS in der Stube nicht bemerkt werden konnte, die Hand.
(Fortsetzung folgt.)
Was giebt es Neues?
— Am 21. Juli stürzte ein Theil und am 23. Juli ein weiterer Theil des hiesigen, längere Zeit notdürftig gestützten, academischen Treibhauses ein. Es wurden dabei werthvolle Gewächse nicht allein nicht unbedeutend beschädigt, sondern es gingen sogar manche ganz zu Grunde. Auch hätte es bald ein Menschenleben gekostet, indem daS des Univ.-GärtnerS dabei in großer Gefahr schwebte.
— Am 20. Juli wurde einem hiesigen Einwohner, welcher eine Jagdflinte trug, am Eck der Hintergaffe von einem hier stationirten Geusdarmen ein Waffenpaß abgefordert.
— In Heidelberg sind in Folge der unerträglichen Hitze in voriger Woche ein Student und ein Fremder geistesverwirrt geworden.
— Die Bürgergarde Homburgs ist durch landgräfliche Verordnung aufgelöst worden.
— Dr. Guido GörreS in München ist am 14. d. Mts. einer langwierigen Krankheit erlegen.
— In Zornheim, zwischen Mainz und Alzei, hat sich das Unglück ereignet, daß Schweine, in ein offenstehendeS Zimmer gedrungen , ein kleines in der Wiege liegendes Kind halb auffraßen. Gräßliche Nachlässigkeit von Eltern!
— Der kurhessische Landtag wurde am 16. d. Mts. mit einer Anrede des Kurfürsten vom Throne eröffnet. Der Eid auf die neue Verfassung wurde den Abgeordneten erlassen.
— Professor Henle in Heidelberg hat einen Ruf nach Göttingen erhalten und angenommen.
— In Merrhausen, Sand und Breitenbach haben in der Nacht vom 19. Juli Wolkenbrüche großen Schaden, besonders an Brücken, Dämmen und Gebäuden verursacht. Die Fulda war bei Cassel 5 Fuß gestiegen und führte am 20. d. Mts. viel Futterwerk und Flachs mit sich. Bei Wolfshagen ertrank eine ganze Heerde Schaafe.
— Der Prinz-Präsident ist am Sonntage um halb 1 Uhr in Straßburg angekommen. 101 Kanonenschüsse, das Geläute aller Glocken, der donnernde Ruf: Es lebe LouiS Napoleon! empfingen ihn. Die Feierlichkeit der Loconiotiven-Einsegnung ic. ging ruhig von statten.
— Auch Preußische Oberoffiziere haben sich nach Nancy begeben, um den Prinz-Präsidenten im Namen S. Maj. des Königs zu begrüßen.
— Der Fremdenandrang bei den Festlichkeiten in Straßburg ist enorm. Fenster, von wo die Ceremonien beobachtet werden können sind zu Preisen, wie sie kaum zu Kaiserkrönungszeiten in Frankfurt bezahlt wurden, vermiethet. In Gasthäusern ist kein Unterkommen zu finden. Wagen und dgl. find gar nicht mehr zu haben.
— Am 19. Juli, 7 Uhr Morgens, ließ der Prinz-Präsident die in Straßburg garnisonirenden Truppen auf der Robertsau die Revüe passiren. Er trug hierbei die Generallieutenants-Uniform und wurde bei seinem Erscheinen mit dem Ruf: „Vive Napoleon!“


