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„Spotten Sie nur, Sie gebietender Herr," versetzte der Danieder- liegende mit einem giftigen Blicke. „Es ist ja so wohlfeil, den Gesunkenen noch vollends in den Staub zu treten; es ist ja so leicht, den Unglücklichen mit Spott auch noch zu begeifern!"
Der Angeredete fuhr zornig auf und griff nach dem Waid- meffer, die Jägerburschen aber fielen ihm in den Arm, während Btrtrams Einauge Plötzlich in wildem Jrrwischfeucr leuchtete.
(Fortsetzung folgt).
Was giebt es Neues?
— Am 12. Juli, Mittags 12 Uhr, fand auf dem Lindenplatz dahier ein Liebes-Turnier in einem durch den Zudrang einer großen Menschenmenge gebildeten Circus Statt. In demselben trat auf : ein Liebespaar, und führte unter beständigen Acclamationen der Zuschauer „des Lebens Licht- und Schattenseite", oder „wie es eben ist und wie es sein sollte" und Einiges über die menschlichen Erzeugnisse— und deren pflichtmäßige Erhaltung vor.
Nachher: mit besonderer Bravour, die Mutter der Geliebte und die beiden Geliebten mit Wiederholungen der vorigen Scenen und einigen neuen Abwechselungen auf dem Gebiete der allgemeinen Holzung. Die ganze Vorstellung endigte mit den durchdrungensten schmerzlichsten Gefühlen und unter Thränenströmen.
— Von Basel schreibt man vom 10. Juli: Der Vorabend dcS fünften eidg. Sängerfestes ist da, die Stadt prangt im Festschmuck, alle Straßen find mit Kränzen, Blumengewinden und Ehrenbogen geschmückt. Auf dem Petersplatze steht die Festhütte, die schönste welche bis jetzt in der Schweiz gebaut worden ist. Gestern Morgen reiste die eidg. Sängerfahne von Luzern ab, Kadetten, Tambouren, Blechmusik, Wimpel und Sträuße tragende Knaben und eine früh aufgeweckte Bevölkerung begleitete sie. Auf ihrem Zuge nach Basel schlossen sich zahlreiche Sängerchöre an. Heute gegen Abend wurde sie im Sommerkafino beim St. Jakobsdcnkmal empfangen und bei ihrer Ankunft in Basel mit 22 Kanonenschüssen salutirt. Von allen Straßen zogen jubelnde Sängerschaaren in die hoch bewegte Stadt. Im Sravlkasino wurden die Quartierbillets ansgetheilt. Die Stadt wimmelt von Fremden und morgen dürfte schwerlich in irgend einem Gasthofe Platz gefunden werden. Die reichen Baseler Familien scheinen sich nicht am Feste bethciligen zu wollen; wenigstens hört man klagen, daß sie auf das Land gezogen sind, und trotzdem, daß Mangel an Wohnungen ist, ihre geräumigen Häuser doch nicht dem Qiiartiercomike zur Verfügung gestellt haben.
— In Berlin sollen sich titelt Personen haben blenden lassen, ihre rothen oder grauen Haare durch eine angepriesene Tinctur zu färben und sollen sie dabei an eines jener metallischen Mittel ge- ralhen sein, welches höchst gefährlich ist und sich nicht allein durch äußere Einflüsse leicht zersetzt, sondern die Haare auch grün und blau färbt. Das Berliner Publikum soll sich an den Dort herumgehenden Grün- und Blauköpfen sehr ergötzen.
— Am 30. Juni soll in London die Tochter des mediatisirten Radscha v. Kurz, Prinzessin Gourumma, aus der brahmanischen Religion zum Christenthum übergetreten, durch den Erzbischof von Canterbury getauft worden und die Königin Victoria Pathe gewesen sein.
— In Franken hat in den Thälern die Erndte der Winterfrucht allenthalben begonnen und liefert gegenüber den im Frühjahre -laut gewordenen Befürchtungen über den dünnen Stand namentlich beim Korn ein sehr erfreuliches Resultat. Korn gibt eine gute Mittelerndte, die Körner sind voll und dünnschalig, dasjenige, welches gewogen wurde, wiegt per Scheffel 25 Pfund mehr, als das vorjährige, was gewiß von Belang ist. Weizen gibt eine ।
volle Erndte, die Gerste ist goldgelb, ohne Flecken, dünn von Hülse und schwer, wie sie der Brauer haben will, dabei trockneten bei dem gegenwärtigen heißen Weiler (wir haben häufig noch um 4 Uhr Mittags 28" R. im Schatten) die Körner rasch. Hafer ist bei uns noch zurück, er verlangt Regen, daher vorjährige Frucht über 10 ft. bezahlt wird. Futterkräuter beginnen bei der anhaltenden Trockne nachzulassen, doch ersetzt hier die ergiebige Wiesenmähe einen allenfallstgen Ausfall. Ebenso geht der Lein nicht recht in die Höhe. Recht erfreuliche Hoffnungen für unsere Häcker bietet der Stand der Weinberge dar, die Blürhe ging ungestört vorüber und verbreitete jenen feinen aromatischen Geruch, den der Kundige stets für ein bedeutungsvolles Anzeichen auf einen guten Herbst annimmt. Die Weinpreise sind in solcher Aussicht auch wieder zurückgegangen, wie auch vieles Bier unserer Brauer, das anfängt die Sünden seiner Fabrikanten zu verkünden, d. h. um einen Hierlands gebräuchlichen Ausdruck anzuführen, „es zickt." Von Kartoffelkrankheit hat sich bis jetzt noch keine Spur gezeigt, man hat zwar alle möglichen Vorsichtsmaßregeln beim Aussuchen und Stecken der Saatkarioffeln gebraucht, diese auch so spät als möglich eingelegt, ob aber damid dem Erscheinen der Schrecken erregenden Krankheit genugsam vorgebeugt ist, wird sich Anfangs August zeigen, wo die Krankheit in den Stauden zuerst sich bis jetzt zeigte. Die Getreidepreise sinken jetzt rasch; Weizen, der noch vor 14 Tagen 21 fl. galt, kostet jetzk 17 ft. und Korn 15 fl. Man glaubt, daß letzteres nach dem Ausdrusch tut Durchschnitt auf 11 —12 fl. für den baverischen Scheffel sich stellen wird.
— Der „Schw. Merk." berichtet aus dem badischen Kinzigthal, wie zwei Fruchthändler, um die Aussicht zu trüben, Kartoffelfelder mit Vitriolöl besprengt hätten, damit das Kraut die Symtome der Kartoffelkrankheit zei.,e. Da man zu so schlechten Mitteln greift, so muß es wirklich mit dem Stand der Kartoffeln und Früchte gut aussehen.
— Die Abreise deS Grafen v. Chambord von Frohsdorf nach Wiesbaden soll zu Ende d. M. erfolgen.
— Ein Trupp bewaffneter Montegriner aus Zugga soll die Panduren des Kandilucks von Trebijen überfallen und drei derselben gekövft unv drei derselben schwer verwundet haben. Von den Montegrinern soll nur ein Individuum leicht verwundet worden sein.
— Ein Herr Dr. de Saire will durch Einimpfung die Lungenseuche beim Vieh verhüten. Das preuß. Staatsministerium hat im Hinblicke auf die eminente Wichtigkeit der fraglichen Entdeckung Behufs der Prüfung eine Commission ernannt. Sollte, wie kaum gezweifelt wird, das Ergebniß ein günstiges fein, so ist der Gewinn für die Ackerbau- und Viehzuchttreibenden ein unermeßlicher. Auch die franz. Regierung hat die Sache in die Hand genommen und den Generalinspector der Thierarzneischulen und Schäfereien Frankreichs nach Deutschland geschickt, um den Sitzungen der oben erwähnten Commission beizuwohnen. Den Erfolg werden wir mil- theilen.
— Um den zu Straßburg erwarteten vielen Fremden Nachtlager bieten zu können, wird die Frucht- und die gedeckte Halle in s. g. Caravanserails nmgeschaffen. Am Rhein wird eine Tribüne gebaut, von welcher 4000 Personen die Evolutionen der Pontoniers mit ansehen können.
— Vom 19.— 22. Juni fand in Newyork ein großes deutsches Gesangsfest statt, das allen Theilnehmern zur Ehre gereichte. Die amerikanischen Zeitungen sind voll des Lobes. Es bewegte sich streng in den Grenzen eines Sängerfestes.
— Bei Königsberg wurde gegen eine Dame die Klage aus Meineid erhoben, weil sie bei einer beschwornen Frage ihr Alter ans Eitelkeit um 12 Jahre zu niedrig angab.
Druck und Verlag der G. D Brühl'schen Buch- und Steindruckeret.


