Ausgabe 
25.1.1851
 
Einzelbild herunterladen

62

schrecklichen Gerüchte ermähnen, die in Betreff der Indianer sich verbreitet haben; ich will den Unsinn nicht weiter widerlegen, weil es eigentlich zu lächer­licher Unsinn ist und wir hier in Betreff der In­dianer ebenso sicher leben, wie Du in Deinem Hause und unter den Deinen. Die Indianer haben erstens keine Malice gegen die Deutschen; sie fürchten zweitens gar sehr, etwas zu thun, wenn sie auch gern möchten, denn sie würden gewaltig gezüchtigt werden. Woher jene unsinnigen Gerüchte sich tn Deutschland verbreitet haben, weiß ich nicht anders zu erklären, als daß sie eben von faulen nichtsnutzigen Leuten ausgehen, oder von Landspeculanten , welche, um ihr anderswo gele­genes Land anzubringen, die Augen der Auswanderer verleimen.

Doch! mein lieber Freund! Du bist kein Hand­werker und kein Kaufmann, du bist nicht arm und nicht reich; du willst aber und das hast du mir so oft geschrieben fleißig arbeiten und von der Scholle, die du dir zu erwerben gedenkst, dich und die Deinen ernähren, und daher ist es dein besonderer Wunsch, noch über den Landbau ein Genaueres zu hören. Eine Farme anzulegen, ist da am leichtesten, wo gutes Prairienland (das ist offenes unbewaldetes Grasland) nebst Wald und gutem Wasser sich finden; denn in jenes wird der Pflug ohne alle sonstige Vor­bereitung, etwa das Abbrennen des Grases ausgenom­men, eingesetzt und eingehegt mit der dir bekannten Einhegung aus gespaltenen 8 10 Fuß langen Holzscheiten, Riegel genannt, welche im Zickzack, einer um den andern aufeinandergelegt werden und die so­genannte Fence bilden; schöner, aber auch kostspieliger, ist es mit stehenden eingegrabenen Riegeln. Wenn dein Feld gepflügt ist, machst du dein einfaches Block­haus, Hürde oder Stenn für das Rindvieh u. s. w.

Ich sagte, auf Prairienland ist die Anlage am leichtesten, ja es ist unbedingt nothwendig, im Süden und im Südosten der Wohnung offenes Prairienland zu haben; denn von dort her spielen im Sommer die kühlenden angenehmen Winde, welche die Hitze des Sommers erträglich machen, und die zugleich, vom Golf herströmend, einen besonderen Vorzug unserem Lande geben, da anderswo, während die Hitze ebenso groß ist, nicht die Luft durch solch kühlenden Wind (Seebriezc) erträglich gemacht wird. Abgesehen hier­von ist cs freilich auch zweckmäßig, etwas Waldland, Flußniederung, sogenanntes Bottomland zu besitzen, da die Fruchtbarkeit desselben unerschöpflich ist. Auf einer Farm, auf diese Art angelegt, werden stets die Bewohner gesund und daher auch frisch zu Arbeiten sein; und daß man auf Farmen, b. h. vom Land- bau hier leben kann, das sehen wir hier überall, wenn Mir nur in der nächsten Nachbarschaft umherblicken Mollen. Die meisten dieser Anbauer haben nur 1015 Acker in Arbeit und ziehen hinlänglich für ihren Bedarf und zum Verkauf gegen Colonialwaaren -c. Es ist wahrlich überraschend und erfreulich, wenn man die Gegend vergleicht, wie sie jetzt ist und wie sie war vor vier Jahren, damals nur Gras und Wald,

jetzt Farm an Farm, Feld an Feld in einer Reihe fort; z. B. an dem Wege von Neubraunfels nach San-Antonio siehst Du eine unausgesetzte Reihe von Feldern. Während wir hier im ersten und zweiten Jahre für die große Masse der Stadtbewohner noch Zufuhr bedurften, so verkaufen wir jetzt von hieraus beträchtlich nach Außen.

(Schluß folgt.)

E r i n n e r u n g e n.

Als der Jugend frohe Sonnen Strahlten noch in meine Welt, Und mir noch von ihren Wonnen Hoch die junge Brust geschwellt; Als im bunten Farbenkleide Lachte mich das Leben an, Und ein hehrer Engel streute Blumen still auf meine Bahn;

Als beglückt am frühen Morgen Ich noch Blüthenkränze wand, Und geschlummert ohne Sorgen An des Hellen Baches Rand; Und im Rieseln seiner Quelle Manchen Zauber ich belauscht, Seine flücht'ge Silberwelle Mir melodisch hingerauscht;

Ach, da zogen meine Tage Wie ein süßer Traum vorbei, Ohne Schmerz und ohne Klage, Unter Lust und Tändelei!

Doch, als in des Lebens Schwüle Gram zu meinem Herzen drang, Ach, da flohen all' die Spiele Hin mit ihrem Zauberklang.

Denn nur einmal darf erwärmen, Darf der Sterbliche erglüh'n In der Jugend Götterarmen, Dann ins wilde Leben zieh'»!

Nimmer kehrt die Göttin wieder, Kaum genaht, sie schon entflieht, Schnell verhallen ihre Lieder, Und gar bald ihr Lenz verblüht.

Glücklich! wem sie ihre Blüthen Ohne Dornen froh gereicht, Glücklich! wem in Lust hienieden Sich die Himmlische gezeigt! Doch Erinnerung bleibt dem Herzen; Ihren sanften Rosenschein Webt sie in die herben Schmerzen, Lass', o Herz, dein Klagen sein!

Theodor L o o S.

Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Steindruckerei.