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HimSfeld, Zecher v. Wolfenrod, Diehl v. Achenbach u. Wolf v. Oberhalle.
im Stern: Hrn. Handelst. Schäfer v. KaiserSlauten, Klein v. WellerSweile u. Brühgel v. Winterberg. Frl. Preis v. Cöln u. Höfer v. Cassel. Fr. Klein, Semmler u. Pfeif v. Pirmasens. Hr. Hardwig, Gerb. v. Göttingen. Hrn. Oecon. Walter v. Speier u. Holzheimer v. Fried- dertshausen.
In den Privathäusern.
Bei Hrn. Vetzberger: Fr. Mann v. Weidenhausen. — Bei Hrn. Steuer,inn. Wendel: Fr Lauer v. Biedenkopf. — Bei Hrn. Prof. Dr. Heper: Fr. Strack v. Grünberg. — Bei Hrn. Kfm. Hossmann: Fr. Hennemann u. Fabrp v. Berstadt.
Für die Abgebrannten in Rüddingshausen ist ferner bei uns eingcgangcn: von Herrn Stud. med. v. St G. 1 fl. Die Expedition.
Zur Unterhaltung und Belehrung.
Tartarifche Justiz.
(Thatsächliche Wahrheit, mitgetheilt von einem Reisenden.) 1.
Segheb Mobelam wurde im Jahr 1832 zum Chan der Karakalpas ausgerufeu; er folgte seinem Vater, der eben gestorben war. Die ganze Horde hatte sich in den Umgebungen der Stadt Khiwa, ihrer Hauptstadt versammelt; sie feierte durch rohe Feste das Er- eigniß, welches den jungen Anführer mit der Würde eines Chans bekleidete. Die ganze Ebene, welche sich zwischen den schwarzen Bergen und den Steppen von Jsim ausbreitet, bedeckt ein einziges, großes, gemeines Saufgelage. Während aber die Unterthanen des jungen Chans auf diese Weise ihren künftigen Herscher zu ehren glaubten und sich voll Stutenmilch tranken, saß dieser traurig und verlassen in seiner Wohnung und weinte bittere Thränen; denn es war ja der Tod seines Vaters, der die Veranlassung zu seiner Erlangung der höchsten Macht war, und die Freudenbezeugungen und die Feste, welche seine Erhebung feierten, fanden auf der Asche des Todten statt, dessen Andenken sie ihm zu entweihen schienen.
Segheb besaß eine zarte und glühend begeisterte Seele; die Erinnerung an seinen Vater blieb stets in seinem Gedächtnisse und weder die Zeit, dieser gewöhnliche Tröster der heftigsten Schmerzen, noch die Zerstreuungen, in welche die mütterliche Zärtlichkeit ihn zu stürzen suchte, konnten ihn seinem Kummer entreißen. Ueberall hin begleitete ihn eine düstere Traurigkeit und man verzweifelte bereits, die Bläffe von seiner Stirne verschwinden und die Strahlen der Freude wieder darauf glänzen zu sehen. Ja, man betrauerte bereits stillschweigend seinen frühzeitigen Tod, welchen diese trübselige Melancholie vorher zu verkünden schien.
Eines Tages, als er in seine gewöhnlichen düsteren Betrachtungen versenkt, sich von den jungen, adeligen Karakalpas, die ihn zu einer Jagd mitgenommen, entfernt hatte, fand er plötzlich, daß er sich verirrt und von der Nacht überrascht worden, ohne daß es ihm möglich gewesen wäre, den rechten Weg wieder zu finden. In einiger Entfernung erblickte er indessen eine ärmliche Hütte, in die er einzutreten und um Gastfreundschaft für die Nacht zu bitten sich genöthigt sah.
„Willkommen," sagte zu ihm der Tartar, welcher ihn nicht erkannte; „ich bin arm, aber was ich habe, gehört Euch. Naharinn," wandte er sich an seine junge
Tochter, „setze diesem Reisenden etwas vor, daß er wieder zu Kräften komme; er wird erschöpft von der Reise sein."
Das junge Mädchen folgte der Anweisung ihres Vaters, und in kurzer Zeit stand warme Stutenmilch und gebratenes Ziegenfietsch auf dem Tische.
Die Mahlzeit begann. Naharinn schob ihren Schleier zurück, um Theil daran zu nehmen. Da wurde der junge Anführer so entzückt von den feurigen Strahlen ihrer Blicke und der seinen, zauberhaften Schönheit ihres Antlitzes, daß er sie lange mit Neugierde betrachtete, die endlich in Liebe überging.
Die traurige Erinnerung an den Tod seines Vaters verschwand vor diesem frischen und anmuthigen Bilde des jugendlichen Mädchens, auf deren Lippen ein freundliches, ruhiges Lächeln schwebte; sein düsteres und melancholisch ernstes Antlitz klärte sich nach und nach auf und wurde endlich strahlend vor Freude.
Nach geendigter Mahlzeit stand er auf und sagte zu dem jungen Mädchen, nachdem er sich überzeugt, daß das Herz derselben noch keine Regung von Liebe empfunden:
„Willst du, schönes Mädchen, das Leben eines Chans theilen, so würde er bei dir Glück und Freude wieder finden, und sein Volk, das ihn liebt und das seine düstere Melancholie betrübt, dich dafür segnen!"
„Fremdling!" antwortete das junge Mädchen er- röthend, „wenn ich durch meine Liebe unser» Anführer von dem Nebel, das ihn verzehrt, heilen, und dadurch meinem Volke nützlich werden könnte, würde ich mich stolz und glücklich fühlen."
„Nun," fuhr der junge Mann fort, indem er das junge Mädchen an seine Brust drückte, „sei stolz und glücklich, denn ich bin der Chan. Ich liebe dich und sühle, daß ich durch dich mein Leben erhalten werde, das mir schon zu entfliehen drohte."
Nach einer im reinsten Genüsse und im Gefühle glühender Liebe durchbrachten Nacht, ließ Segheb am andern Morgen Naharinn's Mutter zu sich rufen; er übergab ihr seine» Ring »nv empfahl ihr, so bald als möglich ihre Wohnung zu verlassen, und sich nebst ihrem Gemahl und ihrer Tochter im Hasnadar zu Khiwa einzufinden.
Er gab hierauf der schönen Naharinn einen Kuß voll Feuer und lenkte seine Schritte der Hauptstadt seines Chanats zu.
(Fortsetzung folgt.)
Druck und Verlag der G. D, Brühl'schen Buch- und Steindruckerei,


