Ausgabe 
23.1.1850
 
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Walter etwas zu besorgen haben möchten, und alS wir darüber beruhigt und unsere Erfrischungen ver­zehrt waren, nahmen wir »och einmal unsere Reise­taschen auf, sagten der freundliche Matrone ein bon soir und setzten unfern Weg fort. In wenig Minuten traten wir in die düstern Laubgänge des Waldes La Pcrche. '

Wir hatten, ehe wir diese Pilgerfahrt unternahmen, unS verabredet, die Gastfreundschaft der Brüderschaft von La Trappe als Pilgrime in Anspruch zu nehmen und wo möglich vor dem Thore des KlosterS diesem Namen entsprechend, wegmüde und schwach zu er­scheinen, so wie erst in der von allen erfahrenen Ge­schichtsschreibern des Abendteuerlichen festgesetzten grauen Stunde des Abends daselbst einzutreffen, und bisher war Alles nach unserm Wunsch geschehen. Die Mü­digkeit namentlich war wirklich vorhanden, und sie zu vergessen, stimmten wir manches Lied, manche Ballade Alt-Cngland's an.

Doch lange brauchten wir zu künstlichen Mitteln die Gedanken davon abzuwenden, unsere Zuflucht nicht zu nehmen, denn die Windungen des Weges, die kaum zwischen den Blättern zu erkennen und mit jedem Schritte von andern Steigen durchschnitten waren, riefen unsere Aufmerksamkeit in dem Maaße auf, daß wir jeden Gedanken an unsere Ermüdung vergaßen.

Treffend hat man diese GegendLa Trappe" ge- genannt, denn das Labyrinth der Wege, die in jeder Richtung den Wald durchschneiden, ist so verschlungen, daß der Fremde ein großer Freund des Abenteuer­lichen sein muß, der ohne einen kundigen Führer diese labyrinthischen Gänge betrittt. Aber das Kloster nicht ohne einen Führer zu erreichen, würde unserer Reise die Hälfte ihres romantischen Reizes genommen haben, und hätte Pilgrimen nicht geziemt. Schon eine Stunde rathlosen Umherirrens in de» düstern Waldgründen jedoch war hinreichend, die romantischen Schwärme­reien zu zerstreuen und die Besorgnis;, die Nachtauf dem knorrigen Aste einer alten Eiche oder in classi- scher Redeweisesub tegmine fagi zubringen zu müssen, ließ uns unsere Kühnheit bitter bereuen. Furcht und Unruhe wuchsen mit der zunehmenden Dunkelheit des Abends; doch wanderte» wir fort, bis der plötzliche Ton einer Glocke in nicht bedeutender Entfernung und in der Richtung, die wir genommen hatten, so wie der Schimmer von Licht, der durch das Gebüsch, in das wir gerathen waren, von Zeit zu Zeit sichtbar wurde uns zeigte, daß wir uns dem Ziele unserer Wallfahrt näherten. In einer Viertel­stunde brachte uns ein lebhafter Schritt Angesichts des alten Hauses, ermattet und in jeder Hinsicht des Na­mens eines Pilgers würdig. Wir ließen uns auf zwei Steinen nieder, welche vor dem äußern Thore standen, überlegten, wie wir uns ferner benehmen wollten, und schritten dann an das Thor, um Einlaß zu begehren. Anfangs ertönte wohl die Glocke hell und lang, doch starben ihre Klänge unbeachtet hin; abermals wurde der Glockenring gezogen und der ruhige Schlummer der Nacht gestört das Echo erklang aus dem Forste, der das Haus umgab und starb in leisen Schwingungen dahin, und siehe! jetzt regte sich der Ton von herankommenden Schritten.

Benedicite! Was wollen Sie?" fragte eine dünne Stimme unter einer Haarmütze, die aus dem kleinen Fensterchen hervorschaute, das langsam geöffnet, uns die Gestalt eines Gärtners zeigte.

Charite!Charite ! war unsere schwache Antwort.

Nun, nun!" erwiderte der Fremde im Patois deS Landes,es ist zu spät für Euch, eingelassen zu wer­den , aber niemals zu spät zum Erbarmen," und er reichte uns die Hand, um uns in die Pförtnerwohnung zu führen. Hier befreite er unS dienstfertig von un­seren Reisetaschen und bat uns Platz zu nehmen. Darauf wurde ein kleines Verhör angestellt, über den Ort, wo wir herkämen, die Art wie und weshalb wir reisten, was wir in der Kürze und befriedigend beantworteten und zur Bestätigung unsere Pässe vor­zeigten ; doch nach einem vergeblichen Versuch, sieBrill' auf der Nase" undbeim düstern Schein der Lampe" zu lesen, gab sie unser freundlicher Frager mit den Worten zurück:Cest bien, cest bien, messieurs! und fügte sogleich die Frage hinzu:Avez vous faim ? beantwortete sie aber auch fast gleichzeitig mit den Wor­ten :Pardon messieurs ! und seinem Verschwinden auS dem kleinen Gemache selbst. Bald kehrtd der alte Thürhüter zurück, begleitet von einem kleinen, magern zwitterartig aussehenden Individuum, halb Mönch, halb Laie, und einem dienenden Burschen von ganz wohl­genährtem Aussehen, in venen wir nach ihrer Kleidung und Haltung Niemand anders erkannte», als den Koch und seinen Diener. (Forts, folgt.)

Gemeinnütziges.

Anzahl der B a u m w o l l e n sp i n n e r e i e n.

Nach dem neuesten statistisch-national-Skonomischen Beiblatte zurHamburger Börsenhalle" beträgt die Gesammtzahl der auf der ganzen Erde bei der Bau ur- wollen spinnerei verwendeten Spindeln die Summe von 28,985,000. Beinahe zwei Drittheile hiervon, nämlich 17'/a Millionen Spindeln, kommen allein auf Großbritannien, wovon wieder auf England 15,554,619 »uf Schottland 1,709,878, und auf Irland 215,503, Spindeln fallen. Großbritannien zunächst steht Frank­reich mit 4,300,000. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika (wo die erste Spinnerei erst 1824 an­gelegt wurde,) zählen 2 'Z2 Millionen, Oestreich 1'/, Millionen, der deutsche Zollverein 815,000, Rußland 700,000, die Schwei; 650,000, Belgien 420,000, Spanien 300,000 und Italien ebenfalls 300,000 Spindeln. Im deutschen Zollverein hat Sachsen die größte Spindelzahl, nämlich 541,868, Preußen 170,433 die übrigen Staaten zusammen 102,699. Die preu­ßische Baumwollenspinnerei concenirirt sich in Schlesien, Westphalen und in der Rheinprovinz. Von de» 152 Maschinenspinnereien mit 5883 Arbeitern, die der preußische Staat am Schlüsse des Jahres 1846 hatte, befinden sich in Schlesien 11 mit 35,524 Spindeln und 1749 Arbeitern, (worunter 3 größere Anstalten mit 30,892 Spindeln und 1441 Arbeitern.) 3» Ost- und Westpreußen und in Posen gibt cS gar keine Spinnereien; in Pommern, Brandenburg und der Provinz Sachsen im Ganzen blos ^sieben mit 5980 Spindeln. In Frankreich findet sich fast die Hälfte sämmtlicher Baumwollenspinnereien in der Um­gegend von Rouen, nämlich 292 Etablissements mit 1,890,000 Spindeln; Elsaß hat 88 Spinnereien mit 1,115,000 Spindeln; das Departement du Nord (Lille, Douai und Cambrai) 550,000 Spindeln. Für 1000 Spindeln sind durchschnittlich 14 Arbeiter er­forderlich, sodaß also mehr als 60,000 Arbeiter bei diesem Industriezweige beschäftigt sind.

Druck und Verlag der G. D. Brühl'sche» Buch- und Steindruckerei.