Ausgabe 
20.7.1850
 
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Tätigkeit. Die Comits's benehmen sich mit einander; am Besten mündlich, aber zugleich auch durch Schrift und Druck. Die erste praktische Frage wird sein: Welchen Abgeordneten man in die zweite Kammer wählen wolle? Aber räthlich ist's auch, nicht zu spät an den Abgeordneten für die erste Kammer zu denken.

Der nächste Landtag wird sehr wichtig werden. Theils dnrch die Gegenstände, die auf ihm zur Berathung kommen, theils dnrch die Bedeutung der Zeit, in die er fällt, theils durch die sich entgegen­gesetzten Meinungen, die voraussichtlich auf ihm zusammenstoßen. Aber je wichtiger der Landtag, desto wünschenswerther auch, daß die constitutionelle Parthei mit Nachdruck dort vertreten werde.

Ja Mitbürger! keine Verstimmung, keine Unzufriedenheit, keine Mnthlosigkcit soll uns davon abhalten, bei den Wahlen unsere Schuldigkeit zu thun. Auch nicht, daß die deutschen Angelegenheiten bis jetzt keine den Wünschen des Vaterlandsfreundes genügende Entfaltung gefunden haben. AlleMugs, als wir vor noch nicht drei Monäten nach Erfurt wählten, waren die Aussichten günstiger. Sie ver­sprachen einen Bundesstaat, mit Kraft nach Außen, mit Wahrung der Rechte, welche Fürsten und Völkern zustehen, und sichernd die im März 1848 errungenen Freiheiten. Diese Aussicht ist nun in die Ferne gerückt. Welche Gestaltung aber auch die Macht der Umstände unserem deutschen Vaterlande geben wird, wir bleiben fest überzeugt, 'daß nur eine solche Friede, Ruhe und Wohlstand zur Reife bringen, Ordnung, und Gesetz dauernd befestigen wird, welche dem Gedanken der deutschen Einheit ernstlich seine Anwendung sichert, ebensosehr der Reaction als der Revolution die Stirne bietet und den Anforderungen der Zeit wie sie sich gemäßigt aber entschieden darlegen, mit Aufrichtigkeit Rechnung trägt. Und in diesem sinne wollen wir auch unsere landständischen Abgeordneten wählen!

Also, Mitbürger, baldigst ans Werk mit den Vorbereitungen zur Wahl! Und dann, wann die Zeit gekommen ist, wählt! Wählt aber nicht allein selbst, sondern treibt auch eure gleichgesinnten Freunde, Bekannte und Verwandte zum Wählen an! Nur so thun wir unsere staatsbürgerliche Pflicht!

Darmstadt, den 28. Juni 1850.

Eine Versammlung Eonstitutioneller.

Zn deren Auftrag:

Die Vorsitzenden des vaterländischen und des konstitutionell-monarchischen Vereins.

K. Buchner. Kraus.