115
287) Gießen. Ich wünsche einen Knaben von 13 Jahren zu Ende des Monats März l. I. einem Landgeistlichcn in Pflege zu geben, welcher im Stande ist, demselben höheren Unterricht zu er- tl,eilen, und seine Erziehung unter strenger Beaus- flchtigung zu leiten. Anmeldungen und Bedingungen bitte ich binnen 10 Tagen an mich gelangen zu lassen.
Gießen den 20. Februar 1850.
Küchler.
281) Gießen.
Geschwister Müller
empfehlen ihre Strohhutwascherci auf englische Art, wodurch bekanntlich die Hüte sehr schön werden und die neueste Faeon erhalten. Zur Besorgung erbietet sich 3> H- Fuhr.
275) Laubach. Es wird hiermit zur allge- meinen Kcnntniß gebracht, daß es der Unterzeichneten überlassen ist, das seither aus hiesigem Holzhof gegen gleich baare Zahlung verabfolgte Scheidholz ä 5 fl. pr. Stecken, von heute an zu demselben Preise gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft, eine Zahlungsfrist bis Michaeli d. I. zu gestatten.
Es werden die Großh. Hrn. Bürgermeister ersucht, dieses im Interesse ihrer Ortsangehörigen in ihren Gemeinden bekannt machen zu lassen.
Laubach den 18. Febr. 1850.
Die Verwaltung.
Triebert.
254) Gießen.
Ein Regenschirm, von grünem Seidenzeug, mit Stiel und gebogenem Griff von leichtem gelbem Holz, wird seit einiger Zeit vermißt, und der Besitzer desselben gebeten, ihn an die Erpedition dieses Blattes abzugeben.
292) Gießen.
Sonnabend den 23. Februar, 7 Uhr Abends, im Prinzen Carl, Vocal- u. Instrumentalconcert gegeben von Dilettanten, zum Besten einer bedrängten Familie, wozu ergebenft einlaben mehrere Kärger und Kürgerinnen dieser Stadt
Programm:
l.
Ouvertüre, 4händig, für's Clavier, von Rossini. Duett für 2 Sopran, aus „Sargin", von Paer. Männer-Chor aus „die weiße Dame", v. Boildieu. Clavier-Solo von Liszt.
Baß-Arie aus „das unterbrochene Opferfest" von Winter.
II.
Männer-Chor, „Die Kapelle", von Kreutzer. Lied für Tenor, von Mangold.
Violin-Solo von Beriot.
Terzett aus „Fidelio" von Beethoven. Chor, Sängermarsch von A b t.
EintrittSbillete sind bei Hrn. Buchhändler Ricker und Abends an der Kaffe zu 18 kr. zu haben.
278) Gießen.
Nachricht für Auswanderer.
Am 1. und 15. eines jeden Monats werden durch die Herrn Lüdering & Co. Schiffsrheder und Consuln in Bremen, schöne große dreimastige Schiffe erster Clasfe nach allen amerikanischen Seehäfen er- pedirt und nimmt der unterzeichnete auch für dieses Jahr Anmeldungen von Auswanderern an und verspricht die billigste Beförderung. Kinder unter 10 Jahren zahlen 10 fl. weniger als Erwachsene, Säuglinge sind ganz frei. In den Preisen sind Verköstigung und amerikanisches Armengeld mitbegriffen, was bei der Route über Mainz nicht der Fall ist, da hier die Personen sich selbst verköstigen müssen.
Fr. Wissig.
Die öffentlichen Gerichtsverhandlungen und die Gießerinnen.
Das hiesige Anzeigeblatt ist, wie es in der Bibel von der Zunge heißt, „ein kleines Ding, aber es kann Großes verrichten", wenn wir es benutzen, um Versöhnung, Friede und Ordnung zu stiften; wenn wir dagegen Hetzereien und Krähwinkeleien, die Ausflüsse eines obscuren Philisterthums, eifrigst brandmarken und denjenigen den Stachel der Satyre eindrücken, welche
mit eraltirten Narrheiten die Welt reformiren wollen, ehe sie das politische ABC gelernt und erst einmal ihr eigenes Hauswesen geordnet haben. Ein solches Wochenblatt ist ein scharfes Züchtigungs- und Besserungsmittel, wir werden es benutzen, nicht zum Zorne, sondern zur Aufklärung.
Wohlan ! beginnen wir nach den Gesetzen der Galanterie mit den öffentlichen Fehlern eines Thei- les des schöneren und zarteren hiesigen Geschlechts.


