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Wenn jeher Einzelne von Euch her Sache ruhig zufieht, und sich daraus beschränkt, über die schlechten Zeitläufte klagend, auf Besserung zu hoffen, so mögte dieser nur dazu dienen, um Euch mit der Zeit die Ueberzeugung zu verschaffen, daß es so nicht länger fortgehn könne, und daß durchaus etwas geschehen müsse, um Eure Lage auf eine dauerhafte Weise zu verbessern. Selbst die Vermögenderen unter Euch, die, sobald noch keine Roth vor Augen sehend, noch eine geraume Zeit, wenn ich mich .so ausdrücken darf, von ihrem alten Fette zehren können, müssen sehnlich eine Verbesserung herbei wünschen: denn auch sie werden, wenn sie es noch nicht sind, doch endlich müde wer­den, ihr Vermögen immer kleiner werden zu sehn; sie so gut wie die Nichtvermögenden von Euch haben Kinder, und jeder gute Vater ist für deren Zukunft besorgt.

Warum aber, meine Freunde, wollt Ihr warten, bis Euch die äußerste Noth dazu treibt, zur Verbesse­rung Eurer Lage zu schreiten? Fangt bet Zeiten damit an, und Ihr werdet die Noth, die jetzt noch vor Euren Thüren lauert, den Eintritt in Eure Häuser streitig machen, ja sie ganz davon verscheuchen.

Aber, wie schon angedeutet, einzeln und getrennt, Jeder sich selbst Überlassen, vermöget Ihr Nichts, wäh­rend Ihr, auf zweckmäßige Weise verbunden, dasjenige ausführen könnt, was (Sud; bis jetzt noch unmöglich scheint. Ich erlaube mir daher, Euch folgende Vor­schläge zu machen:

Was ich schon im Jahre 1847, in Nr.. 83 und 84 des hiesigen Anzeigeblattes von der Errichtung einer Industrie- oder gemeinschaftlichen Verkausshalle, und wie eine solche eingerichtet werden müsse, ferner über eine Dorschuß-Kaffe zu Euch gesprochen, hat auch nun noch seine Anwendung; aber dieses allein durste jetzt nicht mehr ausreichend fein. Vor Allem ihnt es Noth, daß Ihr zuvörderst zusammentretet, und Euch zu einer einzigen Gesellschaft vereinigt. Die Vcrmö- qenven unter Euch dürfen, und zwar"in Ihrem eigenen Interesse, nicht zurückbleiben; Ihr Alle, reich oder arm, müßt zusammenhalten, und eine einzige Gesellschaft bilden.

Ihr werdet sodann, unter einer zu wählenden ge­eigneten Firma, ein Geschäft errichten, bestehend aus den verschiedenartigen Erzeugnissen Eures Gewerbfleißes, die jeder einzelne Handwerker nach seinen besten Kräf­ten und Vermögen liefert, so daß Jhw jeden Augenblick, wo es (Sud, an sonstiger Arbeit fehlt, zur Production irgend eines Gegenstandes für das gemeinsame Fabrtt- geschäft benutzen könnt, und da Ihr, wenn Ihr seht, daß es Euch Nutzen bringt, recht gern dafür arbeiten . werdet, so werdet Ihr Euch Mühe geben, recht viel dahin zu liefern.

Jeder Handwerker muß indeß nur einen gang­baren Artikel wählen, den er fabricirt, und nur hieran sich halten. Auf diese Art wird er in kurzer Zett eine solche Fertigkeit darin erlangen, und so viele Vor­theile kennen lernen, daß er ihn nicht nur billigst,

sondern auch meisterhaft Herstellen kann. Mit den so gewonnenen Gegenständen werdet Ihr bald mit den Fabriken Deutschlands concurriren können; denn sind deren Erzeugnisse etwas anderes, als auf ähnliche Weise gewonnene Producte?

Mit dem Verkaufe dieser Gegenstände werdet Ihr einen geschickten hiesigen Kaufmann, der mit Gewand- heil, Erfahrung, auch Willenseifer und strenge.Recht­lichkeit verbindet, beauftragen, der denselben hoffentlich gegen eine bestimmte Provision übernehmen wird; der­selbe wird auch für die billigste Herbeischaffnng der erforderlichen rohen Prodnete, deren Ihr zur Fabrikation benöthigt seid, und die er ans den ersten Quellen be­zieht, besorgt sein, um sie an einen jeden Einzelnen von Euch zu den Einkaufspreisen, vielleicht ebenfalls gegen eine billige Provision, je nach Bedarf abzugeben,

Jedes halbe Jahr wird dieser Verkaufsübernehmer mit den sabricirten Waareu die Frankfurter Messe be­ziehen, und in der Zwischenzeit, soviel wie möglich sich bemühen, denselben noch außerdem auswärtigen Absatz zu verschaffen, und sich dafür Kundschaft zu erwerben, während der hiesige Platzverkauf Euch ebenfalls zu Nutze kommen wird.

Dieses sind vor der Hand die Grundideen; gefällt Euch dieser Vorschlag, und seid ihr zur Ausführung desselben geneigt, so wird er sich verwirklichen, wenn Ihr zusammentretet und Euch vereinigt. Eine solche Association muß segenbringend für Euch sein, und Eure Noth wird sodann ein Ende haben.

Was die fernem Punkte betrifft, die für ein sol­ches Unternehmen zu den Grundbedingungen gehören, so gibt es in hiesiger Stadt viele einsichtsrolle Män­ner, die sich für daS allgemeine Wohl intereffircn. Zieht sie mit zu Rathe, hört ihre Ansichten, und saßt einen Entschluß, wie er Euch am Ersprießlichsten düi.kt.

Hiermit will ich schließen. Es ist jetzt an Euch zu handeln, und den Beweis zu liefern, daß eS Euch Ernst ist, Eure Zustände zu verbessern. _

Gemeinnütziges.

Nordamerikanische Blätter geben nach offi­ziellen Zusammenstellungen eine Ueberstcht der euro­päischen Einwanderung nach Neuyork in den letzten beiden Jahren. Während dieselbe im 3«fre 1848 sich auf 189,176 Köpfe belief, betrug sie Ult Jahre 1849 schon am 6. Dec. 230,433, also bereits eine Mehrzahl von 41,357, die bis zum Ende des Monats sich ohne Zweifel bis auf wenigstens 43,000 steigern wird. Rechnet man hinzu die Einwanderungen von Europa und China in andere amerikanische Hasen und besonders nach Californien, so kann man die Zu­nahme der Bevölkerung der Vereinigten Staaten un Jahre 1849 mit Sicherheit auf 400,000 Köpft an­schlagen.

Druck und Verlag der G. D. Brtthl'schen Buch- und Steindruckerei.