91

unmöglich gewordenen Besseren willen das mögliche Gute verwerfen? Sollen wir nicht wäh­len, weil das Wahlgesetz nicht alle Wünsche befriedigt, wahrend doch bei dem Grundsatz die Stimmen nicht bloö zu zahlen, sondern auch zu wägen, die herrlichsten Staaten des Alter- thums blühend geworden sind? Sollen wir das Wegwerfen der Waffen für ein Mittel zum Sieg halten und thatlos einen neuen Anstoß von Außen erwarten, der uns dann nur zu neuen Täuschungen wecken würde? Oder wollen wir einstehen für unser Recht und Schritt für Schritt das Vaterland, die Freiheit erobern, wie alle großen Völker gethan? Dazu ist hier ein Anfang vorhanden, halten wir ihn fest und führen wir ihn weiter, und die Anzie­hungskraft des einmal gewonnenen Mittelpunktes wird bald noch stärker aus die jetzt Zurück- bleibenden wirken, als einst der Zollverein. Bringen wir ein Opfer für's Ganze, damit wir endlich ein Volk werden und als Bundesstaat in die Reihe der stiinmsührenden Nationen eintreten! Durch die Einheit werden wir zur Freiheit kommen. Wollt Ihr dagegen ein fortwährendes Mißtrauen, klne beständige Unterwühlung der sittlichen und materiellen Ver­hältnisse, wollt Ihr endlich die Schrecken einer blutigen Revolution, deren Gräuel das Volk verwildern, allen Wohlstand vernichten und eine Militärgewaltsherrschast wie die Napoleons hcrbcisühren würden; — nun so enthaltet Euch der Wahl in das deutsche Volkshaus, lernt durch Schaden klug werden und laßt die Roth Euch beten lehren. Wir aber sagen: Fern sei es, daß es einst bei der Nachwelt von uns heiße: die Hessischen Bürger haben mit dein römischgesinnten Psaffenthum und dem Souveränitätödünkel einiger Fürstenhöse das friedliche Einigungswerk verworfen.

Gießen im Februar 1850.

Gustav Baur, Professor. Bonhard, Pfarrer. E. Bücking, Assessor. Dr. Buff, Professor. Moriz Carrier«, Professor. Clemm, Canzleirath. Dr. Dieffenbach. Dr. Dietz. Hermann Dietz. Diery, Advocat. vr. Eckstein. Dr. Engelbach. G. Fulda. Hallwachs, RegierungS- secrelär. Karl Ernst Emil Hoffmann. Hoffmann, Postsecretär. vr. Jaup. Knapp, Professor. Hermann Kopp, Professor. Dr. Karl von Krug. Leichtweiß. I. von Liebig, Professor. Mohr, Postsecretär. Georg Noll. Advocat Pfannmüller II. Schön, Postmeister. S chuster. G. Spruck. Thorwart'. A. Bölcker, Hofgerichtsrath. Wortmann, HofgerichtSraih.

Wir gehn von der Ueberzeugung aus, daß der Verfassungsentwurf vom 26. Mai als­bald und ohne weitere Verhandlungen anzunehmen und dann aus verfassungsmäßigem Weg im Einzelnen, wo es nöthig wird, sortzubilden sei, m d daß sogleich zur Vollsührung der Gesetze geschritten werde, die er für das Wohl des Ganzen in Aussicht stellt. Dazu bedür­fen wir kundiger und freisinniger Männer und in Ucbereinstimmung mit den laut geworde­nen Wünschen der Nachbarorte, namentlich der Bezirke Lich, Gladenbach, Battenberg, Bie­denkopf und Vöhl, wie mit deut Centralwahlverein in Darmstadt haben wir Herrn Hofgerichtsrath August Wicker zu Giessen zu unserem Candidaten vorgeschlagen. Wer unfern Sinnes ist, ernenne Wahlmänner, die ihm ihre Stimmen geben.

Im Namen des Vereins für die Wahl Völcker's nach Erfurt.

Der Ausschuß:

Dr. Engelbach, Präsident. Schön, Schriftführer. I. v. Liebig. Dr. Eckstein. Leichtweiß. C. Bücking. Georg Noll.

181) DaS neue Preisverzeickmiß frischer, achter in- und ausländischer

Garten-, Feld-, Gras-, Mmnen- and Holz-Samen, eines Sortimentes der prächtigsten und neuesten Georginen ic , die in der Samenhandlung von Sam. Lor. Ziemann in Quedlinburg zu haben sind,' ist jetzt ausgegeben und wird von der Erpe- dition des Anzeigeblatts für die Stadl und den Regierungsbezirk Gießen, in Gießen gratis verabreicht. Dieselbe ist auch erbötig, danach gemachte Bestellungen zu besorgen.