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Dun
Drei Freunde.
Novelle
von
Theodor Mügge.
(Fortsetzung.)
Richard gab sich fortwährend das Ansehen als verlache er den Knaben, mit dem Sara ihr Spiel treibe; er scheute sich der stolzen Frau, die ihn ganz beherrschte, Mißtrauen zu zeigen, denn er mußte fürchten lächer- lich zu werden oder vielleicht erst den bo;en Gent wirklich herauf zu beschwören, der als Schattenspiel sein Auge blendete. — Doch während er sich embtl- dete, cs könne nichts anderes sein als eine Laune Saras, fanden die beiden Gelegenheit sich zu verständigen. Zuweilen wohl war es Aurel als müsse er entfliehen, als sei diese Frau das Unglück, das sich an seine Fersen hefte. Aber die Leidenschaft duldet keine Philo;o- phic und wenn sie davor erschrickt, ist sie entweder auf dem Punkte zu gehorchen oder sie hat nie die Höhe erreicht, wo sie als Wahnsinn in allen Adern brennt und kein anderes Leben duldet als pch allein.
Bis dahin war Aurel nicht gelangt. Er war zu kalt, characterlos schwankend, nicht muthig und nicht kalt genug, oder, wie die Menschen sagen, weder so schlecht noch so gut, um über Gewissenszweifel und Gedankensorgen erhaben zu sein. — In seinen Mantel gewickelt ging er in der Dämmerung aus dem Garten bald fortgenssen von seinen stürmisch aufgeregten Empfindungen, bald wieder verzagt und erschreckt von Vorwürfen und ängstlichen Bedenken. — Sara hatte ihm Vorschläge gemacht, die ihn in qualvolle Zweifel versetzten. Sie hatte mit Ruhe und ihrer männlichen Bestimmtheit ihm erklärt, Richard aufzugeben um mit ihm zu gehen wohin er wolle. „Gehen wir nach Italien" hatte ste gesagt, „in die Schweiz, wohin Du willst, ich folge Dir. Du bist frei, ich bin es auch, wir werden am Fuße der Gletscher oder am Fuße des Vesuv's einen Ort finden, wo wir die menschlichen Narrheiten und Nichtswürdigkeiten verspotten und uns lieben können, wie es uns gefällt."
„Aber, Richard," fiel Aurel flüsternd ein. „Was wird aus ihm?,,
„Was aus ihm werden kann," erwiderte Sara, „Würmerspeise, Staub, eine Leiche im schlimmsten Falle oder im besten, ich weiß nicht wie ich sagen sott. Sorge nicht," fuhr sie fort, als sic den schreckenden Eindruck bemerkte, den ihre Worte auf Aurel machten, „ich bin überzeugt dazu hat er den Muth nicht. Wir haben ost davon gesprochen, ob es nicht vorzuziehen
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sei, aus einem Dasein, dessen Noth uns anekelt, uns in das große Nichts zu retten, wenn die Bürde etwa allzuwiderwärtig würde, und ich habe bemerkt, daß er ein Poltron ist, dcr viel ertragen kann, ehe er seine Fahne um den Leib wickelt und sich ins Meer stürzt. Glaube mir, er hängt am Leben wie ein Wurm, man müßte ihn gewaltsam zertreten, sonst bleibt er oben und wird vielleicht noch einmal ein guter Christ. Bedenke also meinen Vorschlag, dann laß mich handeln."
„Entfliehen mit ihr nach Italien oder in irgend ein Land," murmelte Aurel, „es klingt schön, cs reizt, aber auf wie lange?" — Er fühlte ein banges schauderndes Gefühl in seinem Herzen und mit dumpfer Stimme sagte er: „Immer mit dieser Frau leben, immer mit ihr verbunden sein, losgerissen von allen Banden im Vaterlande, verachtet, vielleicht beschimpft — und Richard — ich fürchte ihn nicht — aber Johanna ! — Kann ich ste vergessen? — O nein. — Vergessen, und doch, ich muß!"
In diesem Augenblicke rüttelte eine Hand an seinem Arme und eine Stimme nannte seinen Namen. Er schrack zusammen und blickte scheu umher. Es war einer der Herren aus der Gesellschaft im Gartenhause, der lachend fragte, was er so einsam und trübselig hier treibe?
„Sie," sagte er dann, als Aurel ein Paar gleichgültige Antworten gegeben hatte, „Sie sollten wie Antonius aussehen, als er Egypten und die Kleopatra erobert, hatte."
„Wie soll ich das verstehen?" fragte Aurel zerstreut.
„Nun wahrhaftig," rief der Herr lachend, „glauben Sie denn wirklich, daß Gott uns alle mit derselben Blindheit geschlagen hat, die dicht genug um die Augen dieses unglücklichen Richard liegt."
Aurel schwieg unv der andere fuhr fort: „Uebri- gcns ist mein Gleichniß mit der Kleopatra ein sehr schlecht gewähltes, wenn man bedenkt, daß diese eman> cipirte Königin, nachdem Cäsar und manche andere sie besessen, erst auf den Antonius überging, den dieser kostbare Besitz gänzlich ruinirte und zuletzt den Tod brachte. Jndeß," fuhr er langsamer und nachdrücklich fort, „ein kluger Mann kann, wie man behauptet, aus allem Nutzen ziehen, somit ist auch an diesem Gleichniß nichts verloren."
„Aber was ist damit gewonnen?" erwiederte Aurel. „Ich verstehe was Sie meinen. Cs liegt eine Anklage, eine harte Beschuldigung in Ihren Worten; beweisen Sie mir, daß sie begründet ist."
(For tsetzung folgt.)
Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Steindruckerei.


