592
größerer Freundlichkeit sich zu Aurel wendete und fast allein mit ihm sprach. — Ihre Augen leuchteten und schienen fragend die seinen zu suchen, ihr zartes Gesicht belebte sich und die gewöhnliche Ruhe ihres Wesens verschwand unter der sichtlichen Erregung ihrer Gefühle. Der Baron an der andern Seite stand sehr verstimmt vom Tische auf. Er so wenig wie Eduard konnten das spöttische Lächeln mißdeuten, das aus manchen hübschen Gesichtern ihm halb bedauernd, halb tröstend entgegentrat. — Der Regierungsralh warf einen finstern Blick auf Aurel und einen zweiten noch ärgern auf eine der schönen Spötterinnen, die hinter ihm ziemlich vernehmlich sagte: „Sie hat sich so deutlich erklärt, daß wer Augen hat zum Sehen umnöglich zweifeln kann. — Das Gold in der Tasche ist ihr lieber als das auf dem Rocke und zwanzig Tausend Thaler Renten besser, wie zwanzig Ahnen in Bleisärgen. — Wenn ich der Baron wäre, ginge ich in der Stille davon und schämte mich im Dunkeln."
So urtheilten viele, aber sie wußten nicht, daß Aurel, der nach ihrer Meinung einen vollständigen Sieg errungen hatte, sich mit aller List hütete ihn zu benutzen. — Johannas fragenden Blicken setzte er ein lächelndes Verneinen entgegen, er hütete sich ihre Winke zu beachten, die ihn aufforderten seine Zeit zu benutzen und als sie in einigen beziehungsvollen lauten Worten fragte, ob er neue und inierressante Bekanntschaften gemacht habe, erwiederte er eben so laut, daß er allerdings so glücklich gewesen, doch sei was er erfahren und erlebt bis jetzt viel zu flüchtig von ihm erworben, um ein Urtheil darüber fällen zu können.
Das Fräulein von Corbin blickte ihn lächelnd, doch so durchdringend an, als wollte sie in seiner Seele lesen, dann nickte sie ihm schalkhaft zu und sagte: „Sie gehören zu den vorsichtigen Leuten, Herr Dahlberg, die sich vom Scheine nicht blenden lassen. Das ist doppelt lobenswerth von einem so jungen Herrn, der das Sprüchwort zu Schanden macht, daß Weisheit nur das Erbtheil des Alters sei."
Als die Gesellschaft sich zerstreute und ein Theil sich empfahl, venutzte Aurel die günstige Gelegenheit sich ebenfalls davon zu machen. — Die Damen hatten sich zurückgezogen, er brauchte daher nur dem Regie- rungsrathe Lebewohl zu sagen, der einen Versuch machte ihn zurückzuhalten.
„Willst Du uns schon verlassen?" fragte er.
„Meine Mutter und Johanna werden Dich vermissen." „Leider kann ich nicht bleiben," erwiederte Dahlberg. „Schade," sagte Eduard, „so geht heute alles davon. Plettenberg ist auch fort, Du hast ihm seine Laune genommen . ."
„Ich?" rief Aurel, „Gott bewahre, was muthest Du mir zu!"
„Still," erwiederte der Freund, indem er den Fin- ger drohend aufhob, aber doch nicht böse schien, „sei
ganz still, so will ich auch schweigen, oder mit dem alten Homer sprechen: „Gegen die waltenden Götter ist menschliches Zürnen vergebens!" Er drückte ihm die Hand und Aurel eilte auf die Straße und athmete draußen so freudig auf, als sei er einer großen Noth entgangen. — Ein Druck lag auf ihm, von welchem er sich erlöst fühlte.
„O, sie ist schön," rief er endlich aus, „sie ist gut und welch ein Bild edler Sirte und Weiblichkeit, welch ein Contrast zu der Frau, die aller Schranken spottet! Und dennoch liegt etwas zwischen uns, was ich nicht fortnehmen kann, ein fremdes starres Etwas, was mich unheimlich zurückstößt, während eine unwiderstehliche Hand mich vertraulich zu Sara führt, gegen meinen Willen."
Er ging mit heftigen Schritten durch die Straßen in denen eö dunkel zu werden begann und plötzlich stand er an der Gartenpforte. „Was will ich hier?" fragte er sich selbst und hielt den Schlüssel zögernd fest, aber ein solches Selbstverhör des Verstandes hat noch nie gefruchtet, wo die Empfindungen alle Bedenklichkeiten der Wächter des Gewissens in den Schlaf gesungen haben. Nach kurzer Unentschlossenheit öffnete er die Thüre, eilte durch die Gänge und als er von einer Dienerin hörte, Sara sei allein int Treibhause, waren seine letzten Zweifel Übertäubt.
Leise durchwanderte er das blühende und duftende Reich eines künstlichen Frühlings und von dem Schimmer eines sanften Lichtes geleitet, trat er in die kleine Rotunde in der Mitte des Gewächshauses, wo Orangen, Mprthen und Tropenbäume, vermischt mit Blumen und seltsamen Schlingpflanzen eine grüne und farbige Wand um die tiefe Nische spannten. Hier stand eüt großes dunkelrothes Sopha. Auf dem Tische brannte die Siumbralampe mit mattem Glanze, ein Buch lag aufgefchlagen vor ihr, aber Aurels Blicke flogen darüber hin auf die Kiffen des Ruhebettes, wo dunkelblonde Locken flüssig wogend über den Sammet zu rollen schienen und mit hochklopfenden Pulsen betrachtete er die schöne Schläferin, deren üppige Formen sich vom dunklen Grunde malerisch ablösten. — Aurel stand wie gebannt mit brennenden Augen vor diesem Bilde. — Das Gewand von silbergrauer Seide floß an Saras Leib in schweren Falten nieder, der Shawl welcher Hals und Brust umhüllt hatte, war int Schlaff abgefallen, ihre weißen Arme waren frei von aller Hülle und dienten dem Kopfe zur Stütze, der, seitwärts gebeugt, das ruhige stolze Gesicht, das Lächeln der Lippen und die kühne Stirn int vollen Lichte zeigte. Und alles war so still in dieser grünen Einsamkeit. Kein Ton, kein Hauch, kein Rauschen eines Blattes, oder das Flüstern einer Blume. Nichts war zu hören, nicht einmal die langen leichten Athemzüge der Schlafenden , deren Leben allein das leise Schwellen und Sinken ihrer Brust anzeigte. (Forts, folgt.)
Druck und Verlag der G. D. Brühl'scheu Buch- und Sleindruckerei.
St
.1°. si
Erscheint Postauffchlag
in B, 8 UD
Die! dern eine lichen Reck daher, mi
§ 1. oder über! statt findet die Zustell und anger nison ausi
Die die Besorg Die selben selb §. 2 digkeit, dj dies in str
Die die in der
Die mandostell nach Vorj rnündlichei 31. Deeei §. 3 Garnison diese Beh Cvmmanb


