355
Dun
Arbeit und Eigenthum.
(Fortsetzung.)
Weiter muß auch ein Jeder über das Erworbene verfügen können. Nur dadurch und durch die Vererbung des Vermögens auf die Kinoer wird das Eigenthum vollständig und ein fortdauernder mächtiger Antrieb zur Arbeit. Die guten Eltern arbeiten für ihre Kinder eifriger, als für sich selbst. Uebrigens wäre, wenn einmal Eigenthum besteht, selbst wenn die Vererbung abgeschafft wäre, niemals zu verhindern, daß die Eltern noch bei Lebzeiten nicht zu Gunsten ihrer Kinder über ihr Vermögen verfügen, und nur schlechte Eltern würden, gerade wie jetzt schon, für ihre Kinder nicht sorgen. Wenn die Vererbung aufhörte, würden gerade die tüchtigsten Väter, welche in kurzer Zeit viel erwerben, am frühesten aufhören zu arbeiten; und aus Furcht, durck Erbschaft reiche Kinder unthätig zu sehen, würde man sich verführen lassen, die Väter zur Un- thätigkeit zu verdammen. DaS vollständige Besitzrecht ist der einzige Trieb für den Menschen zur Arbeit; damit aber dieser Trieb nicht erlahme, hat die Gesellschaft das Eigenthum erblich gemacht, auf daß ein Jeder, indem er durch seine Arbeit sein und seiner Familie Wohl fördere, unablässig für das Glück der Menschheit thätig sei. Söhne reicher Familien verrichten geistige Arbeit und geben die Kräfte ab und die Antriebe zur Förderung von Knust und Wissenschaft. Der Reichthum des Handelshauses Medici brachte das goldene Zeitalter nach Toscana. Indem von den Neichen neue und vollkommene Fabrikate verlangt und theuer bezahlt werden, müssen die älteren unvollkommnercn Producte immer wohlfeiler werden, der Art, daß z. V. Kleiderstoffe, die vor Jahren nur von Reichen gekauft werden konnten, heute zu niederen Preisen den Aerm- sten zugänglich sind.
Um den Armen zu helfen, sucht man die gleichen mit Abgaben zu belasten, will man die hohen Staats- stellen aufheben, alle möglichst nieder setzen und macht so das Elend wachsen und verschlimmert im Verhält- niß, als der Ueberstuß Einzelner abnimmt und der Verbrauch von Lurusgegenständen weniger wird, durch diese falschen Anordnungen die Lage der Armen. Die Verhältnisse der Industrie sind so ungünstig , der Gewinn für die Unternehmer ist im Durchschnitte so gering, daß im Allgemeinen zuletzt nur der Arbeiter, der einen sicheren Taglohn Hal, und der Consument, der wohlfeil einkauft, gewonnen haben wird. Und dann noch wird der reiche Jndnstrielle ja nicht dadurch reich, daß er seine Umgebung arm macht, sondern im Ge- gentheil, diese zehrt von seinem Reichthum, und wenn er nicht durch seine Unternehmungen und Arbeiten den
t e s.
allgemeinen Wohlstand vermehrt und den Leuten Verdienst gegeben hätte, würden sicherlich die Armen noch ärmer sein. Uebrigens sind die Begriffe über den Reichthum sehr verkehrt; in Frankreich gibt's höchstens 300 wirklich reiche Familien, würde man diesen das Vermögen wegnehmen, so könnte daraus nicht einmal die Hälfte der Staatsausgaben eines Jahres bestritten werden. Auf Alle vertheilt würde dieser Reichthum völlig verschwinden.11
Ich gestehe eS offen, ja halte es für Pflicht zu sagen, daß ich sowohl mit dem System der Communisten wie auch der Socialisten mich nicht für einverstanden erklären kann. Ersteres halte ich für die him- melschreicndstc Thorhcit und Ungerechtigkeit; letzteres für schwierig ausführbar und unheilbringend für die ganze Gesellschaft. Und das ifi'8 ja was wir wollen, daß die ganze Gesellschaft nach Maaßgabe ihrer Würde und Fähigkeiten sich des Segens der Arbeit erfreue. Der Communismus läßt kein Eigenthum zu: Alles gehört Allen; der Communist wirkt für die Gesellschaft. Darum muß seine Liebe zur Gesellschaft ebenso groß sein wie seine Selbstverläugnung und Ausopferung. Wo aber laßt ihr die Trägen und Müssiggänger ? laßt ihr die vielleicht aus übergroßer Duldung und Menschenliebe als warnende Erempel und abschreckende Beispiele unter euch wohnen? — Sparsamkeit wäre keine Tugend und Spekulation ein Unding; denn >oas gewönne die Gesellschaft dabei?
Dem sogenannten Socialismns habe ich angehangen; Forschung und Erfahrung haben mich eines Anderen belehrt. Ob meine Resultate und Meinungen die richtigsten sind, lasse ich Andere bcurtheilen.
Durch Association und durch Entwerthung des Geldes ic. suchen die Socialisten auf Umwegen zur Gleichstellung der Menschen zu gelangen. Hierbei hat man aber so sehr vergessen, oder gar nicht bedacht in wie weit jene Associationen möglich und anwendbar sind. Unmöglich ist eine Association zu denken bei den Geschäften, die lediglich auf Geist und Genie und weniger auf Geschicklichkeit beruhen, und könnte nur im Allgemeinen bei den unteren Klassen der Arbeiter anwendbar sein. Für die höheren will man Gesetze schaffen?
Und hat man nicht selbst Bestimmungen gefunden, allen Arbeitern gleicher Geschäfte gleichen Lohn zu geben? wo bleibt da das Streben nach Vervollkommnung, wo bleibt die Concurrenz? Es ist ein naturgemäßes Gesetz, daß der Mensch erwerbe, daß er spcculire; ohne diese naturgemäße Organisation hätten wir nicht die für den Verkehr so wichtigen ErsindilN- gen: Eisenbahnen, Maschienen u. s. w. (oder seid ihr etwa von dem Wahn befangen, die Maschinen seien


