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D n n
Dver Freund e.
Novelle
von
Theodor Mngge.
(Fortsetzung.)
Die schöne Tochter des Präsidenten empfing ihren nachlässigen Verehrer mit stolzen zürnenden Blicken, aber Richard wußte diese bald zu verscheuchen. Nach einigen Minuten sah Aurel, der mit seinem Freunde Eduard in ihrer Nähe geblieben war, in Johannas Augen eine zärtliche Vergebung glänzen; an Richards Arme trat sie in die Reihe der Tänzer und beide schwebten lächelnd und beglückt bei ihnen vorüber.
„Ich glaube," sagte er zu seinem Nachbar, „Richard hat in diesem Augenblick vergessen, was er uns mit so vielem Pathos zum Besten gab."
„Wer wird ihm glauben?" erwiederte Eduard.
„Er gefällt sich in Rodomontaden, ein Verächter der Ehe zu sein; doch ehe dies Jahr inS Land geht, wird er den Ring am Finger haben."
„Aber wird er mit dem Ringe auch bekehrt werden?" fragte Aurel.
„Dafür muß die sorgen, welche seine Bekehrung übernehmen wird. Doch ich denke, sie ist ganz dazu geschaffen."
Er wendete sich zu Aurel, faßte dessen Arm und ging mit ihm den Saal hinunter, während seine Augen das tanzende Paar verfolgten. — „Du erräthst, Aurel, wen ich meine?" fuhr er fort.
„Deine Schwester," sagte dieser.
„Höre, lieber Aurel," rief Eduard, ihm die Hand drückend, „wahrhaftig ich hätte sie Dir lieber gegönnt als ihm, aber Du mußt Dich trösten. Das Schicksal in Gestalt eines Mädchenwillens hat es anders beschlossen und wenn ich alles recht bedenke, muß ich sagen, Johanna paßt besser für ihn, wie sie Dich beglückt haben würde."
„Ich zweifle nicht daran," erwiederte der junge Mann, „und Niemand kann aufrichtiger beider Glück wünschen als ich."
„Das weiß ich," sagte sein Freund. „Du bist zu verständig und gut, um die Verhältnisse nicht richtig zu würdigen, und ein zu edler Charakter, um Dein Schicksal nicht mit Würde zu tragen."
„In der That," versetzte Aurel lächelnd, „Du hältst mein Geschick für härter und mich für besser, als wir
t e s.
beide sind. — Deine Schwester ist zu schön und liebenswürdig, um mich gleichgültig zu lassen. Ich habe ihr meine Huldigung dargebracht, so gut wie Richard und mancher andere, aber ich habe früh genug bemerkt, wer vou uns bevorzugt wurde und meine Neigungen zu beherrschen gewußt. — Was Du mir jetzt mittheilst, ist für mich weder neu noch erschreckend. Es erregt keinen Schmerz in mir, beim ich habe mich längst mit den Empfindlichkeiten verletzter Eigenliebe abgefunden."
„Nun um so besser," rief Eduard, ein wenig ungläubig, aber mit Herzlichkeit, „so darf ich nicht fürchten, Dir wehe zu thun uhd kann um so vertraulicher mit Dir sprechen. — Johanna liebt Richard bis zur Thorheit, die ich ihr nie zugetraut hätte. Sie ist, wie Du weißt, ein verzogenes launenhaftes Püppchen, voller Caprieen, aber voll Geist, Talent, Lebendigkeit und Lebenssrische. — Solch ein Weib muß Richard haben. — Er ist in seiner Art dasselbe, ebenso beweglich, so heftig angeregt, so voller Widersprüche."
(Forts, folgt.)
Gemeinnütziges.
Anbau guter Kocherbscn.
Um die Cultur der gewöhnlichen Felderbsen in der Art zu heben, daß sie vorzüglich zu Kocherbsen geeignet werden, nimmt man auf einen rostocker Schfl. Erbsen 1 Pf. gestoßenen Salpeter, 2 Eimer fließendes Wasser und */4 Pf. Pott-Oel. Die Erbsen schüttet man 12 Stunden vor dem Säen in diese flüssige Masse. Sie haben nach Verlauf dieser Zeit sämmt- liche Flüssigkeit an sich gezogen und sind sehr weich geworden. In diesem qualvollen Zustande säet man sie etwas später als nicht behandelte Erbsen auf nicht zu niedriges Land. Die von solcher Saat geernteten Erbsen brechen sehr leicht, kochen gut, sind frei von jedem Beigeschmack und weniger wurmstichig.
Untrügliches Mittel zur Vertreibung der Ratten.
Man nehme einige Stückchen von der Wurzel der Hundszunge Cyno glossaea officinale und lege sie in die Gänge der Natten, man wird in einigen Tagen Wunder sehen wie sich diese Gäste entfernt haben.
Druck und Verlag der G. D- Brühl'scheu Buch- und Steindruckerei.


