Ausgabe 
15.5.1849
 
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seinen gleiten ließ und die Freude in seinem Gestchte einem trüben beleidigten Ernste wich, bemerkte sie die Veränderung so wenig, wie sein Schweigen und Zu­rückweichen.

So verging eine martervolle Pause, die für Au­rel unerträglich wurde und welche er doch nicht zu un­terbrechen wagte. Endlich erhob er sich und diese Be­wegung erst schien Johanna seine Gegenwart ittg Ge- dächtniß zurückzurufen. Sie legte die Hand auf seinen Arm und sagte lächelnd:Nun, wie ich es treibe, wissen Sie und welche Abendteuer ich täglich bestehe, werden Sie selbst hören und sehen. Doch wie steht es mit Ihnen, mein Freund und was beginnt Ihre ge- hcimnißvolle Unbekannte? Ich müßte mich täuschen, oder Sie haben heute schon eine Nachricht von ihr er­halten."

Sie besitzen ein glückliches Ahnungsvermögen, erwiederte Aurel,denn ich habe wirklich heute Abend kurz vorher ehe ich zu Ihnen kam, abermals ein Billet empfangen."

Man wünscht Sie zu sehen, zu sprechen, Sie ken­nen zu lernen," rief das Fräulein sich lebhaft aufrich­tend, während ihre schöne Stirn sich röthete und ihr Gesicht einen Ausdruck empfing, der eine hohe Theil- nahme ausdrückte.

So ist es," sagte Aurel.Man wünscht mir Glück zu meiner Ankunft und bittet mich dem Führer zu folgen der sich bei mir einfinden werde."

O, er wird kommen," rief Johanna und ihre Au­gen strahlten,er wird kommen und sein Versprechen lösen."

Aurel preßte die Zähne zusammen und schüttelte finster den Kopf. Nie so sehr wie in diesem Augen­blicke war ihm Richards Andenken verhaßt. Ein alter Verdacht stieg neu in seiner Seele auf und seine arg­wöhnischen Blicke durchirrten Johannas Gesicht, das vor Hoffnung und Verlangen glänzte. Er wußte, daß sie Richerd meinte, daß sie an Richard dachte und diese Gewißheit füllte ihn mit Schmerz und Wuth. Ich," sagte er mit Heftigkeit,ich will nie weder mit ihm reden, noch mit seiner Vertrauten in Berührung gerathen."

«Sie sollen, Sie müssen!" rief Johanna mit der­selben leidenschaftlichen Bewegung ,ich befehle es Ih­nen, ich will es so und ich mahne Sie an beschwo­rene Treue, Aurel. Ja, wenn irgend ein Gefühl der Freundschaft, ein Zug Ihres Herzens, Sie an mich bindet, so gehen Sie wohin er sie führt. Thun Sie was er will, lernen Sie seine Geheimnisse kennen, und dann, dann wollen wir beide überlegen, was wei­ter geschehen darf, daß er das Elend empfinde, was mich quält."

O, Johanna," rief Dahlberg,welchen Blick lassen Sie mich jetzt in Ihr Inneres thun! Sie leiden, Sie find unglücklich, und alles das noch immer um den Mann, der nur Ihre Verachtung verdient."

Kann ich es ändern?" sagte sie hastig.Wissen Sie ein Mittel, einen Trank, einen Meister, der Hilfe verschafft? O, Thorheit, es sitzt so tief wie kein Senkblei reicht. Aber was wollen Sie? Ich lese da in Ihren Augen etwas, was rote Schmerz und Vor­wurf aussieht; warum können Sie mir zürnen, mein lieber Freund? Sie hassen diesen Elenden, nicht wahr Aurel? Nun gut, ich hasse ihn aus tiefster Seele und mitten in meiner Brust brennt eine Stelle wie Höllenfeuer, ich weiß keinen andern Namen dafür. Aber sie giebt mir Leben, reißt mich fort, treibt mick an, beschäftigt meine Tage, meine Nächte, mein ganzes Denken, meine Gebete und meine Träume, und wun­derbar, ich glaube an eine Zukunft, ich hoffe wieder, wie Sie sagen." Langsam hob sie die Augen zu ihm auf und mit einem unbeschreiblichen, sanften, bit­tenden Blicke fuhr sie fort:doch alle diese Hoffnungen stützen sich auf Sie, Aurel, auf Ihre treue edle Freund­schaft. Ich habe Niemanden auf dieser Welt, der mir beistände und dem ich vertrauen möchte, als Sie; wenn Sie mich verlassen, bleibt mir nichts übrig als der Tod."

Was soll ich thun, was kann ich thun, theuerste Johanna?" rief Aurel in großer Aufregung.

Thun Sie, was Ihr Herz Ihnen heißt," erwiederte sie.Sie kennen mich jetzt, Aurel, Sie wissen was ich will und wenn wir am Ziele sind, dann sie neigte sich zu ihm und ein langer glänzender Blick flog über ihn hin dann fordern Sie Ihren Lohn."

In diesem Augenblicke trat Gesellschaft ein und während des ganzen Abends war Johanna die liebens­würdige und unbefangene Dame von gutem Tone, welche geistvoll anzuregen wußte und die Huldigungen lächelnd in Empfang nahm, welche ihr von Allen ge­bracht wurden. Sie schien eS zu vermeiden Aurel in irgend einer Art zu bevorzugen und als nach eini­gen Stunden wirklich der Baron Plettenberg erschien, war der galante Cavalier bald ganz und gar mit dem Fräulein von Corbin beschäftigt. Manche der An­wesenden lächelten sich bedeutungsvoll zu und Aurel empfand den heftigsten Unmuth. Er begriff nicht, wie Johanna die Reihen seiner platten Scherze und die ge­schniegelten und so trostlos inhaltsleeren Worte ertragen konnte, mit denen er verschwenderisch umging. Alles war Form, alles eingelernt, nichts Natur, und heimlich zürnend und doch lachend ging Aurel endlich von dan­nen, denn er war ganz überzeugt, daß ein solcher Ne­benbuhler ihm nicht gefährlich werden könnte.

(Fortsetzung folgt.)

Gießen. Am 14. d. M. ist eine trächtige Hühnerhündin, weiß, mit braunem Behang, entlaufen. T)er jetzige Besitzer wird gebeten, solche gegen Belohnung in der Erpcd. d. Bltts. abznliefern.

Druck und Verlag der G. D. Brühl'scheu Buch- und Steindruckerei.