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getäuscht, wenn ich Dich erwartete. Freilich kaum mehr in dieser letzten Minute des Jahres," fuhr er, ihn umarmend, fort, „aber seit Wochen und Tagen schon, denn ich wußte, Du mußtest kommen, um das Erbe Deines sparsamen vortrefflichen Oheims in Empfang zu nehmen. Da Du nun immer ein Freund der Romantik warst, so glaubte ich bestimmt Du würdest den Splresterabend nicht versäumen, und ich bereitete die Bowle, ich stellte die Gläser hin, füllte sie und erwartete Dich mit Geduld und Ungeduld, endlich meine eigenen Träumereien verspottend und auf meine Hand allein zechenv und Dir zürnend, bis ich sehe, daß meine Prophetengabe mich dennoch nicht betrogen hat."
Aurel war unangenehm betroffen von dieser Art des Empfanges, den er nicht erwartet hatte. Er sah den Mann an, der so zu ihm redete und konnte nicht zweifeln, es war Eduard, der Sohn des Präsidenten, aber er hatte sich nicht zu seinem Vortheile verändert. Eine ernste Geschäftsmiene hatte sich seinem jugendlichen Gesichte ausgeprägt, sein Haar war dünn geworden, sein kalter Spott über den Traum der Freundschaft, den er vor drei Jahren noch träumen konnte, zeigte deutlich, daß die Begeisterung der Jugend sich von ihm abgestreift hatte.
„Du hast Dich nicht getäuscht," sagte Aurel, „ich bin Tag und Nacht gereist, um noch vor Mitternacht bei Dir zu sein oder bei Euch," fügte er mit erhöhter Stimme hinzu, „denn ich glaubte nicht Dich allein zu finden. Wo ist Richard?"
„Richard!" rief der Sohn des Präsidenten, „davon nachher. Erst setze Dich, nimm Dein Glas und laß uns trinken auf Dein neues Glück. Du wirst beneidet von der ganzen Welt. Dein Onkel hat für Dich gespart und gegeizt, Du wirst ein großes Vermögen finden. Ich habe Gelegenheit gehabt, in meiner amtlichen Stellung etwas über den Nachlaß zu hören, der vielleicht selbst Deine Erwartungen übertrifft und ich rathe Dir nun dies Glück zu benutzen und Dein Leben in bester Weise zu genießen. Du wirst doch auf keinen Fall den Schacher des alten Mannes fortsetzen wollen. Zieh in die Hauptstadt, weit weg von diesem einseitigen Handelsplätze und laß uns dort unsere Freundschaft erneuern. Ich sowohl wie meine Familie werden Dich gern bei uns sehen."
„Deine Familie?" fragte Aurel. „Dein Vater ist also dort?"
„Mein Vater?!" antwortete Eduard verwundert. „Weißt Du denn nicht, daß mein Vater seit länger als einem Jahre Deinem Onkel in die ewige Heimath vorangcgangen ist?"
„Ich weiß nichts," erwiederte Aurel, bewegt von dieser Nachricht. „Darum also ist dies Haus so öde und dunkel."
„Man hat Dir, wie es scheint, gar keine Mit. theilungen über uns gemacht," kuhr Eduard fort, „und ich selbst, gedrängt von Geschäften, verwirrt von traurigen Erlebnissen und froh, mich ihrer nicht erinnern zu dürfen, habe es unterlassen. Mein Vater ist todt, ich bin als Ministerialrath in der Hauptstadt angestellt. Daß du mich hier findest ist halb und halb Sache des Zufalls. Ich kam um meine Mutter und Schwester bei ihrer Uebersiedelung in mein Haus zu begleiten, alle nöthlge Einleitungen über den Verkauf unseres Elgenthums zu treffen, den Transport der Sachen und was weiter Frauen schwer fällt, zu bewirken , sonst hättest Du ein leeres Liest getroffen. Morgen reisen wir oder übermorgen, denn ich möchte wohl, Dir zur Liebe, noch einen Tag bleiben und Johanna wird sich auch freuen Dich wiederzusehen."
„Deine Schwester?" sagte Aurel zögernd. „Ich bin erschrocken über Deine Mittheilungen. Sie ist hier — allein — bei Deiner Mutter und Richard? Er ist nicht in ihrer Nähe? Nicht mit ihr vermählt?"
(Forts, folgt.)
Gemeinnütziges.
Erbsen- und Bohnenkeime als Gemüse und Salat
speisen die Chinesen, besonders Wenn die grünen Gemüse selten sind. Die Zubereitung ist folgende: Die trocknen Hülsenfrüchte läßt man 4 Stunden lang in einer Schüssel mit Waffer liegen und bedeckt sie dann mit Stroh, in zwei Tagen erreichen die Keime derselben eine Länge von l'/2 Zoll; worauf man sie von den Trümmern der Samenkerne befreit und in Walser kocht und dann als Salat oder mit Fleischbrühe anmacht.
Druck und Verlag der G. D. Brühl'scheu Buch- und Steindcuckerei.


