Ausgabe 
9.1.1849
 
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Speculant in einer entfernten Provinz erkauft hatte, war ihm diese Entfernung sichtlich erwünscht. Er zerstörte damit zugleich die Meinung, daß auch er der schönen Tochter des Präsidenten seine Huldigung dar­bringe, obwohl manche schärfer blickenve Leute über­zeugt waren, er gehe mit geheimer Verzweiflung, weil er einsehe, daß Richard der Sieg nicht streitig zu ma­chen sei. Aber er war der Freund Richards und bis zum letzten Tage auch der Freund der Familie Corbin. Er beschwor den Freundschaftsbund in dieser Mitter­nachtsstunde mit Begeisterung und nur als er seinem Nachbar die Hand drückte und lächelnd sagte:Nichts soll uns trennen, keine Verleumdung, keine Selbst­sucht, weder Eitelkeit, noch die Liebe eines Weibes", hätte man glauben können, daß er einen Gedanken verfolge und verbanne, der in einer geheimen Falte seines Herzens geruht hatte.

Richard erwiderte den Druck, dann aber warf er die Hand seines Freundes zurück und um seine Lippen zuckte ein verächtlicher Spott.Die Liebe eines Wei­bes", rief er, soll am allerwenigsten von allem unsere Freundschaft jemals erkalten können. Was ist diese Liebe anvers als ein flüchtiger Rausch der Sinne, den ein Mann nie zur Herrschaft über sich gelangen läßt!"

Und dennoch", fiel Eduard ein,hat Weiberliebe mehr Bündnisse gelöst, Herzen getrennt und Unglück herbeigeführt, als irgend eine andere Leidenschaft".

Bei Schwachköpfen", sagte Richard,bei Men­schen , die ihres Lebens Heil an den Liebesblick eines Weibes knüpften".

Du verachtest die Liebe also?" fragte Aurel.

Ich verachte sie nicht", erwiederte Richard,meine Jugend, meine Glieder, mein Blut würden mich Lügen strafen. Ich nehme die Frauen, wie sie sind, als eine heitere Zugabe unseres Lebens, als einen Sommer- nachtstraum, der uns mit jeinen Zaubereien umgaukelt und der vorübergeht wie alle Träume, die man nicht festhalten kann und nicht festhalten soll."

Du willst, wie ich merke, die Blumen pflücken und mit ihnen spielen," sagte Aurel,aber Du hast nicht Lust, ihr Verblühen abzuwarten."

Suchst Du Methaphern," versetzte Richard lachend meinetwegen; aber Du könntest einfacher sein und wie Julius Amme mich fragen, ob meine Liebe tugend­haft gesinnte Vermählung heische, ob nicht, und ich würde Dir antworten: es haben sinnlos Weise und Narren die Ehe als das Grab der Liebe erklärt, ich frage nichts darnach. Liebt mich ein Weib und ver­langt sie durchaus die Ehe, in Gottes Namen, sie soll

mich haben. Aber sie verlange nicht auch von mir die bescheidenen Tugenden eines guten Tropfs, die die Häuslichkeit, die Anhänglichkeit und was man sonst Treue oder Pflichten nennt."

"(Fortsetzung folgt.)

An ekdote.

In der sächsischen Schweiz befindet sich eine Felsen- Grotte der Kuhstall genannt. Diese Grotte wird von vielen Fremden besucht. Cs liegt hort ein Buch auf, worin jeder Besuchende seinen Namen zeichnet ; auch sind gar manche liebliche Svrüchlein darin zu lesen, wie in einem Stammbuch. Unter Anderen ward folgendes Sprüchlein voü einem Studenten hineinge­schrieben :

Ich hab' ihn gesehen, ich hab' ihn gesehen,

Ich habe den göttlichen Kuhstall gesehen.

Ein anderer Student schrieb darunter:

Ich hab es gelesen, ich hab es gelesen

Zm Kuhstall ist ein Ochs' gewesen.

Gemeinnütziges.

Mittel gegen die Ackerschnecken.

Braeourt hat über die Zerstörung der Ackerschnecken vielfache Versuche angestellt und ist zu dem Resultate gelangt, daß eine schwache Auflösung von Potasche oder Lauge, welche schon zur Reiuiguug der Wäsche gedient hat, hinlänglich verdünnt und mit etwas ge­löschtem Kalk vermischt, den Zweck viel leichter errei­chen läßt, als gepulverter Aetzkalk allein, denn dieser löscht sich bald und verliert dann seine Wirkung auf die Schnecken. Auch befreien sich die mit Kalk bepu­derten Schnecken leicht von dem Kalk, indem sie Schleim absondern und dann den Kalk auf dem Boden ab- streife».

Milch lange Zeit gut und frisch zu erhalten.

Zu Torall, in der Nähe von Stafford, hat man auf dem Gute des Grafen Talbot ein chemisches Ver­fahren entdeckt, welches, auf Milch während des Mel­kens angewendet, dieselbe auf unbegrenzte Zeit gut und frisch erhalten soll. Auf dem genannten Gute werden täglich 700 Kühe nach der neuen Methode, gemolken, deren Wichtigkeit aus der Hand liegt. Das Verfahren auf welches bereits ein Patent genommen ist, soll die Verwandlung der Milch in Rahm und Butter durch­aus nicht erschweren.

Druck und Verlag der G. D. Brühl'scheu Buch- und Steindruckerei.