Beilage zu .M 44. des Anzeigeblattcs.

1027) Gießen.

Mittlerweilige Bemerkung eines nngehört Verdammten.

Donnerstag den 31. Mai entwickelte sich auf Kosten meines Namens und meiner Person in hie­siger Stadt ein Geklatsch, das wie eine Hydra, je weiter eS ging, envuchs, und dessen Größe unv Umfang der es bergende Niederträchtigkeit mir bis zur Stunde noch nicht einmal ganz bekannt ist., So viel ist aber gewiß, daß man sich hat bemüßigt gefunden, mir die schnödesten Lügen nachzusagen.

Die Grundlagen, worauf sich wohl das ganze Gewäsch basirt, umfassen zwei auf einander fol­genden Tagen mit ganz verschiedenen Personen, ^ch begnüge mich vorerst brevi mana Thatsachen anzu- neben, muß es aber jedem überlassen nach Gefallen zu urtheilen, auch ohne mich gehört zu haben, nach­sichtig oder unnachsichtig oder ercendrisch nach Art der Waschweiber, es der Zeit überlassend, was die bringen wird und dann hosse ich sost einem Publikum einen Aufschluß werden, daß es nicht ferner im Dunklen phantasiren heißt und es keine Gespenster mehr siehet., wo keine sind.

Den 3. Pfingstfeiertag war ich m Gesell,chast von zwei Bürger und der des Hrn. Cüminalrichter Klingelhöffer im Gasthaus zum Rappen. Mit Aus­nahme des Hrn. Plock und dessen Kellner befand sich sonst Niemand mehr im Zimmer. Auch preußi­sches Militär war nicht vorhanden. Ich machte in dieser Gesellschaft im-Laufe der Unterhaltung eine Bemerkung, sowie es für mich gerade das Thema mit sich brachte. Herr Klingelhöffer, der sich wohl verdient machen will, griff diese auf und zwingt mick jetzt später einen Thalbestand zu ver­öffentlichen und den Gerichtsacten zu überliefern, der besser gar nicht erörtert worden wäre. Da ich das Amt eines Denuncianten verschmähe, so mutz jetzt Herr Klingelhöffer es schon unternehmen, dieses in dieser Sache zu übernehmen. Meine Aus­sage wiederholte ich heute Herrn Kliit- gelhöffer brieflich schwarz auf weiß. Ich werde mich vor Gericht stellen, das Resultat werde veröffentlicht, aber meine Ansichten und namentliche Wahrheiten werde ich nicht den Launen Anderer unterordnen.

Den nächsten Tag darauf gegen Abend war ich in der Wirthschaft des Herrn Königs am Wallthor und in Gesellschaft von Bekannten und namentlich dreier preußischen Militärs, recht artiger, freund­licher und gebildeter Leute. Habe ich in Gesellschaft dieser auch nur ein Wort gesprochen, was die Ehre Gießens Einwohner und Bürger oder Bürgergar­

disten verletzt, so trete die tückische giftige Schlange von Kerl hinter ihrer Larve hervor und nenne sei­nen Namen, damit ich ihm sagen und beweisen kann, daß er ein nichtswürdiger Schurke ist.

Arm in Arm führte ich allerdings einen Lieutnant bis zum Einhorn, und hierüber werde ich doch wohl dem mir so wohlwollenden (?) Gießner Publikum keine Rechenschaft zu geben haben? Es war ein sehr gebildetes Militär, in dessen Gesellschaft es mir ausnehmend gefallen hat.

Dies zur vorläufigen Nachricht denen, die nichts weniger als gebildet, Leute durch niederträchtige Lügen zu verunglimpfen suchen, deren Ansichten und Character sie noch gar nicht einmal kennen und wahrscheinlich auch nicht kennen lernen werden, da man sich nur in solchen Kreisen bewegt, wo man nicht Gefahr läuft, aufs Geradewohl die Ehre an- getastet zu sehen."

Gießen den 2. Juni 1849.

L. Jungk, Mechanikus.

1030) Gießen.

Anzeige.

Zur vorläufigen Rechtfertigung meiner Person wegen mir nachgesagte Lügen, untenstehende Beschei- nigung.

Die mir Seitens hiesiger Bürgergardlsten am 31. Mai wiederfahrne schmähliche Behandlung, habe ich dem Burgerobrist bereits angezeigt und werde den Verlauf der Sache später veröffentlichen.

H e e r z Uhrmacher.

(Abschrift.)

Auf Verlangen wird dem hiesigen Bürger und Uhrmacher G. C. T. Herz bescheinigt, daß ich ihn am 29. Mai l. I. Abends 6*/4 Uhr in Gesellschaft des Hrn. Mechanikus Junk und eines hiesigen Ge­meinderaths im Gasthaus zum Rappen traf. In Gegenwart der Genannten und des Herrn Gasthalters Block äußerte Hr. Jung, daß hiesige Bürger­gardisten ausgesprochen, sie wollten die bei ihnen ein quartirten preußischen Soldaten vergiften. Ich ver­langte nun wiederholt von Herrn Jung, mir Namen zu nennen, er that dieses aber nicht und nannte end­lich mehrere hiesige Einwohner, welche ich nur fragen möge. Ich lehnte dieses ab und bestand darauf, daß er die Namen der Zeugen und desjenigen der jene Aeußrung gethan, mir ausschreiben möge. Ich wolle dieses nur zu dem Zwecke, um fofoh eine Anzeige bei dem Obrist Schön zu machen und machte den Vorschlag, es möge mich Jemand von den Anwesen-