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ten wäre und er bildete sich ein, daß er dann ein glücklicheres Loos gezogen haben würve. Was nutzte es ihn» jetzt reich unv frei zu sein? Was half es ihm, wenn er die Frau, welche er geliebt, jetzt an der Sei e ihres Gatten ein freudenloses, Leben führen sah, und wenn ne glücklich war, dann um so sdlimmer. Er fühlte sich unfähig ein Zeuge dieses Glucks zu sein unv doch war er evel genui, ihr es zu wünschen, ja er würve kein Opfer gescheut haben, wenn Opfer schöneres Glück begrünven konnten.
Lange ging er in seinem Zimmer auf und ab, ohne sich einen Entschluß abzurmgen. @r_ wagte es nicht die Leute im Haufe nach dem Prifttventen zu fragen und Erkundigungen einzuziehen, denn er sürch- tele sich vor den Aniworten, welche zu hören er gewiß war. Der Präsident gab feit langen Zeilen am letzten Tage des Jahres einen Ball, jo war es ohne Zweifel auch dies Mal und Aurel sah vor seinen Augen das Fest, welchem er so oft selbst bcigewohnt hatte. Er sah die Tänzer , sah seine Freunde, sie waren sämmtlich gekommen, und er durfte Hinblicken, wohin er wollte, er fand bekannte Gestalten, die ihn fragend, verwundert, erfreut oder mißbilligend und spöttisch anblickten. —
Dann erinnerte er stck, daß drei Jahre vergangen waren, ohne daß sich einer dieser Menschen um ihn gekümmert hatte und ein bitteres Gefühl ver Verlast-n- heit füllte sein- Brust. Haß stieg brennend darin auf, als seine lebhaft erregte Phantasie ihm das Bild eines Mannes aufzauberte, der ihm am wehesten gethan hatte. Richard war immer ein Gegenstand der wechselndsten Gefühle für ihn gewesen. Bald bewunderte er seine ritterlichen, kühnen und edlen Eigenschaften, seinen Muth, seinen stolzen Sinn, seinen beweglichen empfänglichen Geist, bald wieder stießen ihn die anmaßenden absprechenven Formen, die Heftigkeit dieses Charakters unv die Zügellosigkeit seiner Behauptungen znrück. — Aurel empfand zuweilen einen eben so heftigen Widerwillen vor ihm, wie er ihn zu anderen Zeiten mit warmer Hing bung liebte, und selbst als eifersüchtige Schmerzen sein Herz zerrissen, war dieses Wiverspiel der Gefühle nur heftiger dadurch geworden. Haß und Liebe wuchsen unter den Dornen, die ihm |eü» fruchtloses Hoffen brachten unv eben so oft, wie er das Herz seines Nebenbuhlers mit Freuden durchbohrt hätte, stand er still und vemüihig an dessen Seite und reichte ihm mit zärtlichen Freundschaftsblicken die Hand, fest überzeugt, daß dieser schöne, großmüthige, nut so vielen Vorzügen begabte Mensch weit ivürdiger sei geliebt zu werven. — Und in dieser Stunde voll Erinnerungen trat Plötzlich Rickarv vor ihn. Er sah seine hohe Gestalt, die alle «nieten überragte. Das glänzend dunkle Haar umschattete sein scharfgeschnittenes Gesicht, mit großen seurigen Augen sah er ihn starr
und drohend an. Ein kurzer U-berwurk von dunklem Zeuge, in weichen er den Körper gewickelt hatte, hing auf seinen Schultern, sein Hut mit breiten Krempen saß auf feinem Kopfe der sieb darunter halb versteckte, so stanv er eine Minute, dann streckte er die Hand aus unv klopfte leise auf Aurels Schultern. Es ist Zeit, Aurel, was zögern wir? sagte er mit seiner tiefen melodischen Stimme, die dem Träumenven sowohl bekannt wat. Aurel öffnete die Augen bestürzt und nachvenkenv, dann riß er vle Uhr aus der Tasche, es war eine Viertelstunde vor Mitternacht.
(Forts, folgt.)
Gemeinnütziges.
Woher heißt Januar und Februar der große und kleine Hornung? Die alten Deutschen feierten in diesen Monaten große Feste und leerten dabei fleißig die Hörner der Auerochsen, welche ihnen statt der Becher dienten. Die Feste, zu denen sie mittelst det Hörner zusammengerufen wurden, begannen den 4 Januar und währten bis 31. desselben. Im Februar waren nur vier Tage.
Bewährtes Mittel gegen das rothe Wasser des Rindviehs.
Es werden 4 Loth Schwefelbalsam mit 2 Loth Terpentinöl und '/2 Loth Ziegelsteinöl gemischt, und von dieser Mischung dem kranken Viche, und zwar einem einjährigen Rinde 50, einem zweijährigen 60, einem noch älteren 70, einer Kuh 80 und einem Ochsen 90 Tropfen auf einem Stück Roggenbrot» von der Größe eines Hühnereies eingegeben. Nach dem Eingeben lasse man das Vieh zwei Stunden fasten, gebe dann etwas Heu oder sonstiges trockenes Futter unv demnächst Saufen. Wird das Blutharnen zeitig entdeckt, so darf man die obige Gabe nur zwei Mal, Morgens unv Abenvs, reichen; ist ter Blutabgang jedoch schon von vuukler Farbe, so muß man das Mittel täglich drei Mal anwenden.
(Ein gesen det.)
185) Kleinlinden. Ich erkläre denjenigen, welcher mich in Nr. 9 des Gießner Anzeigeblatlö mit einem Schimpfnamen (Ludwig Kratz) benannt, für ein schlechtes Subjeet und einen Lügner obendrein , indem er mich in Gesellschaft eines Seckel« Goldschmidls den ick nicht kenne, den Verein von Leihgestern besuchen läßt.
L. Reuschling II.
Druck und Verlag der G. D. Brühl'scheu Buch« und Steindruckerei.


