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Dun
Neujahr 18LS.
Horch, Mitternacht verhallt vom hohen Dome;
Ein altes Jahr verschwimmt im Zeitenstrome, Ein altes Jahr, das immer neu wird sein.
Ein Jahr, deß Lenz uns Himmelsblüten brachte, Um deren Flor die Morgenröthe lachte
Und auf die Au mit wundergoldnem Schein.
Doch wo, so frag ich, ist's all' hingekommen, Was unsrer freien Seele, konnte frommen:
Die Blütenpracht, der Frühlingssonnenblick?
Die Blüten hat der Sturmwind abgerissen, Und hinter nebeloichten Finsternissen
Zieht weinend sich das Morgenroth zurück. —
Ja, Sturmwind war's, der durch die Ebne sauste, Der eichensplitternd durch die Wälder brauste
Im alten Jahr — Gott sei Vas Leid geklagt! — Der Donner war's, der seine Blitze sandte In manches Herz, das heiß für Freiheit brannte, Dem Volk und Gott im Himmel sei's geklagt!
O, ewig wird es eine Narbe brennen
Und ewig wird die Weltgeschichte nennen
Die Heldennamen dieser neuen Zeit!
Manch wackre Blüte ist zu Staub geworden, Dock konnte man das Irdische nur morden
Die Gottheit lebet bis in Ewigkeit!
Und immerfort ein Ringen und ein Treiben
Von Volk und Volk — und wer wird Sieger bleiben?
Das schreibt das neue Jahr vielleicht mit Blut.
Denn großes Unheil foderl große Sühne
Und die nur schweigt, wenn unterm Rasengrüne
Der wackre Kämpfer auf dem Blachfelv ruht.
So komm denn, neues Jahr, im Morgenrothe,
Geleite, ob zum Leben oder Tode,
Uns Allesammt mit deinem Zauberschein.
Und muß es sein, muß deutsches Blut noch rinnen, Wohlan, doch möge Frieden dann gewinnen, Das deutsche Volk, und frei und glücklich sein!
F. Hüne.
(Die Räuber des Herzogs von Ossuna.) Alerander Dumas beschreibt seine so viel besprochene spanische Reise und erzählt varin unter anderm auch die nachstehende Aneevote: Der Herzog von Osiuna ist Einer der großen Herren, deren es in unserer Zeit nicht viele mehr giebt, dreizehn oder vierzehn Mal Grand von Spanien, in Besitz von mehr Orden als seine Brust tragen kann, und der Vertreter der drei
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großen Lerma, Venevente und Jnfantado, die sämmt- lich mit ihm erlöschen, da er keine Kinder hat. Sein Einkommen ist unermeßlich und man behauptet, erkenne den eigentlichen Betrag desselben gar nicht. Er besitzt in den Niederlanden Schlösser, die schöner sind, als die des Königs, in Spanien Burgen und Festen; in denen er sich mit seinen Dienstleuten ein Jahr lang gegen die spanische Armee Vertheidigen könnte; er besitzt ferner Ebenen, Wälder, ganze Bergketten und in dielen — Räuber. Er ist aber nicht etwa Hauptmann einer Räuberbande, sondern die Räuber sind eben — seine Räuber. Als die Räuberbanden in Spanien vernichtet wurden, flüchtete sich eine Schaar in die Wälder von Alamine. Diese gehören dem Herzoge, und nachdem dessen Leute lange mit den Räubern scharmützelt hatten, wurde ein Waffenstillstand abgeschlossen, nach welchem die Räuber gelobten, keinen Verwandten des Herzogs auszuplündern, die Leute des Ossuna's dagegen sich verbindlich machten, die Räuber in deren Industrie nicht weiter zu stören. Der Vertrag wurde gegenseitig gewissenhaft gehalten. Im vorigen Jahre nun überfielen die Räuber des Herzogs von Ossuna den Wagen der schönen Marquise von E., die natürlich ohnmächtig wurde, und nahmen ihr alles Geld und allen Schmuck, doch mit völliger Artigkeit, ab. In Madrid klagte die Marquise über diesen Unfall gegen den Herzog, der sie zuerst fragte, ob sie den Räubern nicht gesagt habe, daß sie seine Cousine seq. Die Marquise entgegnete, sie habe nichts sagen können, da sie ohnmächtig geworden sey, und der Herzog entließ sie mit den Worten, daß sie von ihm hören würde. Nach neun Tagen wurde sie ersucht, sich in den Palast Ossuna's zu bemühen. Hier erwartete sie der Herzog mit einem Fremden, und führte sie an einen Tisch, auf dem ein Sack mit Gelv nebst vielen Schmucksachen lag. „Wie viel Geld hatten sie in Ihrem Wagen?" fragte er. — „Vier tausend Realen." — Das Geld wurde hingezählt, und es fehlte nichts daran, wie auch unter dem Schmucke nicht ein mal eine goldene Nadel vermißt wurde. „Wie aber haben Sie Ließ alles so schnell wieder erlangt?" fragte die Marquise. — „Durch den Herrn da," antwortete der Herzog; er ist der Hauptmann der Räuber, die Sie anhielten. Ich beschwerte mich bei ihm und sagte ihm, daß sie meine Cousine wären. Er bedauert sehr, daß Sie ihm das nicht sogleich gesagt, weil er Sie in diesem Falle nicht nur nicht angehalten, sondern Ihnen sogar eine Bedeckung mitgegeben haben würde und bittet um Ihre Verzeihung." Der Räuberhauptmann vcrbeugie sich galant, die Marquise verzieh und wollte ihm die Schmucksachen überlassen, aber er versicherte,


