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Sie sagen, Sie seyen für die Republik, möchten aber nicht der Majorität Gewalt angethan sehen, und Sie würden jedem Versuche, durch Gewalt eine politische Ansicht durchzusetzen, entgegeutreten. Wir danken Ihnen bestens — bemühen Sie sich ja nicht — wenn von Gewalt die Rede ist, so sind die starken und zahlreichen Arme der Majorität da; Sie müssen diese Majorität für sehr schwach oder sehr feig t alten, wenn Sie glauben, daß sie sich durch Gewalt werde eine Staatsform aufdringen lassen.
Was würde man aber wohl in Frankreich oder England zu einem Candidaten sagen, der erklärte: „ich bin zwar für die und die Ansicht; wenn ich aber sehe, daß die Majorität dagegen ist, so werde ich sie fallen lassen." Das Gelindeste, was man ihm authäte, wäre wohl Das, daß man ihn von der Bühne zischte.
Ich sprach vorher vom Gewissen. Erlauben Sic mir Sie zu fragen, ob Sie auch ein Gewissen haben. Sie werden mir diese Frage nicht übel nehmen, denn wie man allgemein und von glaubwürdigen Leuten hört, haben Sie ein Buch geschrieben, worin Sie das Daseyn Gottes, die Unsterblichkeit und die menschliche Seele läugnen. Sollte ich hierin falsch berichtet seyn, so bitte ich Sie um Widerlegung. Bin ich aber recht berichtet, haben Sie mithin nach Ihrer eigenen Ansicht keine Seele, so wird mir wohl die Frage verzeihlich seyn, ob Sie ein Gewissen haben.
Sie sehen also, daß es vorläufig noch seine großen Bedenken Hal, Ihnen unsere Stimme zu geben.
Ein Ob er Hesse.
21.
In der gestrigen Nummer des jüngsten Tags, wird es als ein Manöver der Rückschrittsparthei ausgeschrieen, daß freie constitutionelle Männer den Minister H. Gagern als Candidat zur constitui- rendcn Versammlung in Frankfurt in Vorschlag brachten. Ein solcher Vorwurf ist so ungereimt, daß er in der That keiner Erwiederung bedarf, und würde gewiß eine Entgegnung nicht erfolgt sein, wenn nicht der fragliche Artikel in schmähenden Worten die Frage gestellt hätte, ob wohl Gagern durch Annahme der etwa auf ihn fallenden Wahl das Volk betrügen werde!!
Betrachten wir die Verheißungen, welche unser Erbgroßherzog durch daö Edict vom 6. März dem Volke gab, so werden wir finden, daß diese Verheißungen, soweit sie unser engeres Vaterland betreffen, wenn auch zum kleinen Theile, schon zur Wahrheit wurden, daß andere wiederum ein nationales Interesse für ganz Deutschland haben und nur durch die Beschlüsse der in Frankfurt zusain- mentreienden constituirenden Versammlung verwirklicht werden können. Ist cs aber nicht Pflicht des
Mannes, unter dessen Mitwirkung die Verheißungen des Edicts vom 6. März dargeboten wurden, daß er selbst thätig den Bau fördern helfe, dessen Vollendung die volle Verwirklichung der von ihm garantirten Versprechungen möglich macht, muß nicht gerade er sich doppelt berufen fühlen mitzuwirken, wo es sich um Deutschlands Größe, Einheit und Freiheit handelt?
Daß der edle Gagern eine unendliche Arbeitslast übernimmt, kann 'Niemand leugnen, der nicht auf kindische Weise schon jetzt Mißtrauen gegen die vollständige Erfüllung der Mission dieses VolkS- ministers säen will, — allein Gagern iit auch der Mann, der Ungewöhnliches, Außerordentliches zu leisten befähigt ist; und wenn er sich bereit erklärt eine auf ihn fallende Wahl anzunehmen, so soll Niemand daran zweifeln, daß er das auf ihn gesetzte Vertrauen rechtfertigen und die Forderung der nationalen Interessen Deutschlands neben den spcciellen unseres engeren Vaterlandes möglich machen wird.
Gießen den 27. April 1818.
22.
Offene Fragen an Herrn Professor Vogt. Erste Frage.
Ist es wahr — wie cs munkelt — daß Sie mit Herwegs) bisher in Korrespondenz standen? Ist es nicht wahr, so ergeht die Bille an Sie, durch offene und unumwundene Verneinung aufJhr Ehrenwort das Gemunkel niederzuschlagen. Denn bei aller gutmülhigen Leichtgläubigkeit an künftige goldene Tage will man denn doch von einem Herweg!) für die „Heckerci" bei uns nichts wissen.
Zweite Frage.
Wie gefällt Ihnen das brave und treue Benehmen unserer Hessen im Kampfe gegen die Aufrührer, die aus der Schweiz herüberkamen? Nicht wahr, es verdient in ganz Deutschland den Beifall, der sich im Hessenlande aller Orlen darüber ausspricht? Sagen Sie uns doch, ob auch Sie diesen Beifall theilen? Sprechen Sie es schwarz auf weiß aus, zu Ermuthigung^ Ihrer Freunde — zur Beruhigung der Zweifler. Za, die gefährlichsten Feinde der allgemeinen Freiheit find diejenigen, welche alö Freiheitsdespolen mit Schwert und Fackel in der Hand daher sturmen und unter dem gefälschten Namen der Freiheit uns zu ihren Knechten zu machen trachten. Sie beschwören eine Reaclion herauf, die Niemand wollen kann und will; Sie ttöthigen sie uns am Ende auf, wenn wir sie für ein geringeres liebel erkennen werden, wie die Wohllhat derWill- kührherrschäft, mit welcher jene Freiheisapostel uns beglücken möchten.


