Ausgabe 
26.6.1848
 
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Gründe der Mehr- oder Weniger-Einnahme und Ausgabe, Uebersicht des Schuldenwesens u. s. w.

Dies wird von Niemand bestritten werden. Hierdurch erhält der Bürger fortwährend Gelegen­heit, sich von der Wirksamkeit der Gemeinde-Be­hörde zu unterrichten; er erlangt Kenntniß über das ganze Verwaltungsfach und ist in den Stand gesetzt, über die Verhältnisse der Stadt ein Urtheil abzugeben, was bei einem Bürgerausschuß aber niemals der Fall seyn wird. Daß unter solchen Umständen der Gem.-R. nur auf der gesetzlichen Bahn voranschreitet und die Interessen der Stadl nach allen Seiten zu wahren sich bemühen wird, davon bin ich lebhaft überzeugt. Bin ich mit mei­ner Ansicht im Jrrthum, dann bitte ich um gefäl­lige Belehrung.

Gießen im Juni 1848.

I. G. Appel.

Wie sieben Todsünden.

I. A b t h e i l u n g.

Die Herzogin

(Fortsetzung.)

Aber da kommt er . . . ich will sie ihm vor­stellen."Meine Mutter," sagte ich lebhaft,ich bitte Sie, thun Sie es nicht ... Ich wäre gezwun­gen, unhöflich zu seyn. Dieser Herr mißfällt mir, und was ich von ihm weiß, macht dieses Mißfallen unüberwindlich. Wir waren mit einander aus der Schule und . . . Jchkonnte nicht weiter sprechen, denn Macreuse kam auf meine Mutter zu; ich blieb bei ihr sttzen."Mein lieber Herr von Mar- ceuse," sagte sie mit der liebens würdigsten Miene zu ihrem Schützling, nachdem sie mir einen strengen Blick zugeworfen hatte,ich stelle Ihnen meinen Sohn vor, einen Ihrer ehemaligen Schulkamera­den, der sich außerordentlich freuen wird, die Bekannt­schaft mit Ihnen zu erneuern." Macreuse machte mir eine tiefe Verbeugung, und sagte mit abgemessener Miene:Ich war einige Zeit von Paris abwesend, mein Herr, und wußte nichts von Ihrer Rückkehr nach Frankreich; ich dachte nickt die Ehre zu haben, Sie diesen Abend bei Ihrer Frau Mutter zu tref­fen; wir sind in der That mit einander auf der Schule gewesen . . . und ..."Ei, wahr­haftig, es ist wahr mein Herr, sagte ich zu Marceuse ihn unterbrechend, und wenn ich mich recht erinnere, so inachten sie immer den Spion . . . zum Vortheile der Lehrer, Sie aßen sechs Kellerwürmer, um einen Sou zu erhalten, und Sie stachen den jungen Vögeln

die . Augen aus;, das geschah vermuthlich auch in der liebreichen Hvffmtng, ihre Leiden würden ihnen im andern Leben angerechnet werden?

Gut getroffen," sagte der Commandant, laut auf­lachend.

Und was hat Marceuse darauf geantwortet? ver­setzte Olivier.

Das breite Gesicht dieses schlechten Kerls wurde purpurroth; er bemühte sich zu läckeln und einige Worte zu stammeln; aber meine Mutter wars mir einen vorwurfsvollen Blick zu, stand plötzlich auf und sagte zu unferm Manne, um ihn aus. der Verlegenheit zu reißen:Herr von Marceuse, wollen Sie mir den Arm reichen? wir wollen eine Tasse Thee genießen?"

Aber," sagte Olivier,wie hat denn dieser Mensch Zutritt erhalten, in Deiner so schwer zugänglichen Welt?"

Niemand weiß es," erwiederte Gerald.Wenn einmal die erste Thür unserer Welt geöffnet ist, so öff­nen sich alle übrigen von selbst; wer aber diese erste so schwer zu überschreitende Thüre diesem Macreuse geöffnet hat . . . das weiß man nicht; ... . Man glaubte indeß, er sey von einem gewissen Abbe Ledour, der in unserm Stadttheile den Ton angibt, in unsere Gesellschaft eingeführt worden. Es ist dies nicht ganz unwahrscheinlich, und deshalb habe ich nun gegen den Abbö einen ebenso großen Widerwillen, als gegen Macreuse.. Wenn übrigens meine Verachtung dieses schlechten Burschen einer Rechtfertigung bedürfte, so würde mich das Urtheil, welches ein ganz sonderbarer Mann, der sich jedoch nie in seinen Beobachtungen täuscht, über Macreuse gefällt hat, vollkommen recht­fertigen."

Und wer ist dieser untrügliche Mann?" fragte Olivier lächelnd.

Ein kleiner Buckeliger, nicht größer als. so," in­dem er seine Hand etwa vier und einen halben Fuß hoch hielt.

Ein Buckeliger?" fragte Olivier sehr erstaunt.

Ja, ... ein Buckeliger, witzig wie ein Dämon, beißend wie ein Teufel, unbeugsam wie eine Stange Eisen gegen Die, welche er verachtet oder wenigstens nicht achtet . . . aber voll Freundschaftlichkeit und Ergebebenheit gegen die, welche er achtet. . . . und diese sind in geringer Zahl. Uebrigens "verhehlt er Niemanden den Widerwillen oder die Thcilnahme, die er einsiößt."

Zum Glück für ihn erlaubt ihm sein Gebrechen, so freimüthig verfahren zu dürfen," sagte der Com- mandant,denn sonst würde ihr Buckeliger wenigstens ein verteufelt gefährliches Spiel spielen."

Sein Gebrechen," versetzte Gerald lachend,ob­schon der Marquis von Maillefort ungeheuer buckelig ist, so ist er doch . . ." (Forts, folgt.)

Druck und Verlag der G» D. Brühl'schen Buch- und Steinbruckerei.