Ausgabe 
26.4.1848
 
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-solcher Zuversicht voraussetzen, daß ich gerade Ihn und keinem Andern wählen werde?

F rl. D. Weil Hr. Vogt, wenn die Mehrheit des Parlaments sich für die Republik ausspricht, ebenfalls dafür stimmen und weil dünn die hiesige Universität höchst wahrscheinlich ausgehoben und in eine große Stadt verlegt wird, wodurch auch ich mit meiner Fa­milie nicht länger in diesem kleinen Drecknest Gießen zu wohnen gezwungen bin.

Hr. H. Das ist ein Grund, der mich, einen Bür­ger von Gießen allerdings veranlassen könnte, für Hr». Vogt zu stimmen, obwohl ich befürchte, daß Gie­ßen ohne die Universität nicht bestehen kann.

Frl. D. O, Sie brauchen ja nur Ihr Haus zu verkaufen und nach Amerika auszuwandern; dort wür­den Sie es gewiß besser haben als hier.

Hr. H. Ich danke Ihnen, mein Frl., für diesen guten Rath und werde mir die Sache mit meiner Frau ernstlich überlegen!-

15. Bei der gestern im Herbert'schen Hause abge­haltenen Versammlung, die auf den Aufruf mehrerer Bürger Statt fand, zu denen auch die Unterzeichneten gehören, hat sich eine Anzahl der Anwesenden für die Gründung einer republikanischen Gesellschaft ausgespro­chen. Bei der Abstimmung hierüber verließen Viele, und darunter auch wir, das Zimmer. Denn wenn wir auch nut allen unfern Kräften zu der Verwirk­lichung der in unserem Aufrufe genannten Punkte bei­tragen werden, so glauben wir dies doch ohne gewalt­same Umänderung unserer jetzigen Verfassung erreichen zu können, und erblicken in der Einführung einer Re­publik nur einen Weg, den Zwiespalt und die Zerris­senheit in unserem Vaterlande zu fördern und der Re- aetion den Weg zu bahnen.

Zugleich bemerken wir, daß wir die Ansichten des gestern constituirten republikanischen Vereins durchaus nicht theilen und deßhalb auch demselben nicht beige­

treten sind.

Gießen, den 24. iilpril 1848.

Adolph Noll.

PH. Walther.

PH. Leib.

L. Petri.

CH. Burkhardt.

I. Kunz.

E. L. Ferber.

H. Thomas.

L. Herbert. Roloff I.

Alle Diejenigen, welche bei der ersten Sitzung des republikanischen Vereins zugegen waren, werden mit Erstaunen die obige Erklärung gelesen haben, in der sich die Unterzeichneten sowohl Mißverständnisse als auch Widersprüche gegen ihre frühere Erklärung in dem Pro­

gramm haben zu Schulden kommen lassen. Diese Herren

erklären sich in einem Ton gegen gewaltsame Umän­derung unserer Staatsform, daß es scheinen möchte, als habe sich der Verein für eine gewaltsame Um­wälzung entschieden, deren Widerfinnigkeit wir doch Alle einsehen. Es ist Keinem eingefallen, das Wort That mit Revolution zu übersetzen, und wir hoffen, daß der Verein sich in seinen demnächst erscheinenden Statuten genauer über diesen Punkt aussprechen werde. Soll­ten aber die Herren das unserem Verein mehrmals ge­gebene Beiwortpropagandistisch" so verstanden haben, als ob dieses auf heimliche Wühlerei und verrätheri- schen Umsturz deute, so muß man ihnen sagen, daß einer der Redüer daS Wort im Sinne Aller so erklärt: der Verein will seine Thätigkeit nicht auf die Aufklä- rung seiner eignen Mitglieder beschränken, sondern es liegt ihm am Herzen, auch in der Umgegend offen mit allen seinen Kräften für die Verwirklichung der im Programm genannt, n 14 Punkte betzutragen." Die Herren können überzeugt sehn, daß der Verein vielleicht kein Mitglied haben würde, wenn die gewaltsame Ein­führung der Republik oder eine heimlich wühlende Pro­paganda sein Zweck wäre. So weit das Mißverständ- niß; jetzt der Widerspruch. Die Herren bemerken, daß sie die Ansichten des Clubbs nicht theilen, und doch haben sie ein Programm unterschrieben, das in der er­sten Sitzung für die Grundlage und folglich für die Ansicht des Vereins erklärt wurde, das durch die Worte Gesetzgebung durch eine Volkskammer und Selbst­regierung durch ein auf bestimmte Zeit gewähltes Ober­haupt" so deutlich N ie nur möglich ausdrückt, was man will. Ferner erklären diese Herren, sie hätten bei der Abstimmung über die Benennungrepublikanisch" den Platz verlassen. Man muß dem Publikum erklä­ren, daß dieses nur von Einigen gelten kann, aber keineswegs von Allen, welche die obige Erklärung un­terschrieben haben, denn bei der namentlichen Aufzeich­nung waren noch mehrere der Unterschriebenen zugegen, und einer davon hak selbst, nachdem alle Verhandlun­gen geschlossen waren, seinen Namen ans die Liste der Mitglieder unterschrieben. Aber warum sind diese Män­ner, die doch das Programm unterschrieben haben, wenn ihnen die Art und der Inhalt der Reden nicht gefiel, nicht aufgetreten und haben, wie es Männern geziemt, ihre Meinung vertreten? Schließlich sprechen wir diesen Herren dafür nur Dank aus, daß sie ihrer Ueberzeugung fol­gend die Thcilnahme an dem Verein so offen aufgege­ben haben, und dadurch den Zwiespalt im Innern des­selben auf anerkenncnswerthe Weise vermieden haben.

W. Hillebrand. W. Bruel.

H. Weber. I. O. Schenck.

Druck und Verlag der G. D. Brühl'schon Buch- und Slcindruckerei.