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dieser Pflanzentheile bereiteten Stoffe vermehrt auf Ausbildung der Knollen verwendet werden, gleichzeitig auch die direkte Einwirkung der Sonnenstrahlen auf den Erdboden durch die dichte Belaubung verhindert und somit das Austrocknen wie die nachtheiligen Folgen davon verhütet werden.
Hemmung der Blattmetamorphose ist: die Unterbrechung der von der Natur gebotenen Umwandlung der Blätter in Kelche, Blumenkronen, Staubgefäße und Stempel, welche auf Kosten der, in der Pflanze angesammelten näbrenden Stoffe geschieht, die durch Aufhebung dieser Blattmodificatio- nen der Knollenentwickelung zu Gute kommen.
Bon diesen Ansichten geleitet, machte ich im Jahre 1846 an einzelnen Kartoffelstauden, die ich mir genau bezeichnete, Versuche mit dem Einstutzen der äußersten Zweigspitzen. Sie zeichneten sich in ihrem weiteren Wachsthum so vortheilhaft vor den benachbarten Stauden, namentlich durch eine stärkere Verästelung, größere und dunklere Belaubung aus, das es in der That keiner Bezeichnung von meiner Seite zur Wiedererkennung derselben bedurft hätte,
Der Ertrag an Knollen war reichlich, letztere vollkommen gesund, während die danebenstehenden Stauden, an denen die Manipulation nicht verrichtet wurde, durchgängig einen geringeren Ertrag lieferten und die Knollen derselben auf der Oberfläche uneben und häufig von der grasstrenden Seuche befallen waren. Dieser Versuch war unvollständig, ohne sicheres Resultat, aber ermulh gend für mich.
Mitte April des Jahres 1847 wurde dieser Versuch auf einem niedrig gelegenen Stück Ackerlandes milden weißen, runden, hier häufig kullivir- ten Knollen, welche nur wenig von der im ^ahre 1845 hier zuerst auftretenden Krankheit zu leiden hatten, gemacht; sie wurden in der üblichen Art von einem der Sache kundigen Bauernknechte gelegt.
Nachdem sie Ende Mai vom Unkraut gereinigt waren, erneuerte ich an den Stauden der je zweiten Reihe durch Einstntzen der äußersten Zweigspitzen meine Versuche, und wiederholte dieselben zu Ende Juni. Der Erfolg übertraf alle Erwartungen. Die Stengel der ungepflegten Stauden waren lang, mager und spärlich belaubt, die Blätter selbst klein und von Heller Farbe. ,
Auf dem benachbarten Acker war von derselben Saatknolle an demselben Tage ausgesetzt. Das Kraut davon blieb der Natur überlassen; es zeigte sich in den ersten sechs Wochen gesund, ja ktäfng, bekam dann nach und nach ein dürftigeres Anschn,
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je näher die Zeit der Blüthe und Fruchtreife heranrückte, und verhielt sich genau wie das Kraut in den Reihen der nicht eingestutzten Stauden deS Ackers, auf welchem, ich meine Versuche angeftellt hatte. ' ,
Der Anfang der Ernte auf den benachbarten Ackerstücken begann Mitte August. Sie fiel sehr mittelmäßig auS. Die Knollen waren durchschnitt, lich kleiner als gewöhnlich, sehr pockig und in der Peripherie der Aecker in einem minderen Grade von der nassen Fäule ergriffen.
Ende August zeigten sich die Unterschiede zwischen den von mir behandelten und nicht behandelten Reihen so auffallend, daß es den in der Nähe beschäftigten ArdeiiSleuten allgemein auffiel, die deS Fragens nach der Ursache nicht müde wurden; denn die Stengel' der sich selbst überlassenen Reihen waren sämmtlich, theils vertrocknet, theils abgestorben; dagegen die wie angegeben behandelten Reihen üppig und in voller Kraft, die Stauden buschig, dicht belaubt und die Blätter groß und dunkelgrün, so daß die meisten Leute glaubten, die behandelten Reihen seyen später nachgelegt.
Aber auch der Unterschied in den Knollen trat nun entschieden hervor. Die Knollen der Stauden in den behandelten Reihen waren zwar nicht größer, aber ungleich zahlreicher, weder pockig, noch von irgend einer Krankheit ergriffen, nur selten ausgewachsen, was einem späten Regen beizumessen, und augenscheinlich unvollendet in ihrer Entwickelung; während an den Knollen der nicht behandelten Stauden, die sich bei der vorsichtigsten Handhabung von der Pflanze lösten, Pocken und nasse Fäule mehr und mehr um sich griffen.
Obgleich ich nun weit entfernt bin, zu glauben, ich fei im Stande, das Wesen der Kartoffelkrank- heit, von der wir in der neuesten Zeit heimgesucht wurden, zu erklären, so bin ich doch sicher, ein Mittel ausfindig gemacht zu haben, das die Kartostel- pflanze dermaßen erkrästigt, daß sie den Einflüssen, die derartige Krankheiten bedingen, widersteht.
Wer sich durch die angegebene Manipulation, welche selbst durch Kinder ausgeführt werden kann, abschrecken lassen sollte, den Anbau der Kartoffel fortzusetzen, dem erlaube ich mir in Erinnerung zu bringen, daß von demselben Felde mit Kartoffeln bepflanzt, noch einmal so viel Menschen ernährt werden können, als wenn es mit Weizen besäet worden.
h l' scheu Buch- und Steindruckerei.


