Ausgabe 
22.5.1848
 
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Miseelle rr.

Es sind mir von vielen achtbaren Bürgern und anderseits beschwerende Bemerkungen gemacht worden, daß an mehreren Orten meines Bezirks die Leute nicht allein einzeln, sondern sogar Massen­weise auf die Jagd gehen, ohne Waffenpässe und Jagdrecht zu besitzen. Ich habe mich von der Nich­tigkeit dieser Beschwerden überzeugt; auch bin ich wie oben aufgefordert worden, dieser Ungesetzlichkeit durch die Steueraufsicht sachlich zu begegnen, wozu ich gehalten bin.

Ich ersuche daher Alle die es angeht, von dem ungehörigen Jagdgehen abzustehen, gegenfalls zu bedenken, welchen augenblicklichen Nachtheilen, welchen nachhaltigen schädlichen Folgen sie sich und ihre Mitbürger durch die Ungehörigkeiten aussetzen, wel­ches nachtheilige Licht auf ihnen haften wird, wenn heute und später ihre Mitbürger sagen müssen: Diese haben die Freiheit in Gesetzlosigkeit umge- waudclt und sie in deren Achtung auch ander­weitig verlieren. Ich ersuche Sie ferner, den Auf­ruf vom 21- März d. I. Regier.-Bl. Nr. 14, sowie den Grundsatz zu beherzigen, daß die Gesetze fo lange gehandhabt werden müssen, bis sie gesetzlich wieder aufgehoben sind.

Alle Herren Bürgermeister und andere Mtt- bürgcr jener Orte, wo das ungebührliche Jagdgehen geübt wird, bitte ich freundlichst, Ihren Einfluß in obigem Sinne zur Erhaltung der Freiheit, des Rechts und der Ordnung bei den bezüglichen Leuten geltend zu machen, dieselben von ihrem unrechten Thun zu überzeugen und davon abzuhalten, damit nicht die unangenehme und unvermeidliche Noth- wendigkeit cintreten muß. Alle, welche ermittelt werden, auf ungesetzliche Weise Jagdwaffen geführt zu haben, zur Anzeige zu bringen.

Gießen im Mai 1848.

Der Steuereontroleur des Controlebezirks Gießen. Bertram.

Großenlinden am 18. Mai 1848.

Herrn Buchdrucker B r ü h l in Gießen.

Ich habe Ihnen unterm 3. Mai d. I. die Bc- kanutuiachung einer Holzversteigerung zur Aufnahme in das Anzeigeblatt zugehcn lassen. Es mußte mich indeß sehr befremden, daß diese Anzeige wider mei­nen Willen ganz nutzlos gleichzeitig auch imjüngsten Tag" erschien, welches, wie ich nicht anders glau­ben kann, durch Ihre Anordnung geschehen seyn muß. Ich muß Ihnen in Bezug hierauf bemerken, daß es durchaus nicht mein Wunsch war, diese Anzeige auch durch den jüngstem Tag veröffentlichen

zu lassen und es sich deßhalb von selbst versteht, daß ich die Einrückungsgebühr hierfür nicht bezahlen werde. Der Bürgermeister

Menges.

Die Aufnahme der betreffenden Annonce in den jüngsten Tag, Herr Bürgermeister, wurde nicht durch mich veranlaßt. Dies als Erwiderung auf vorstehende Zuschrift. G. D. Brühl I.

Kultur-Verfahren des Dr. I. F. Klotzlch, um die Kartoffeln gegen Krankheiten zu schützen.

(Schluß.)

Alles dies erwägend, geht hieraus hervor, daß die Kartoffelpflanze einer größeren Pflege bedarf, als man ihr durchschnittlich angedeihen läßt. Bis­her bestand die ganze Pflege darin, daß man sie vom Unkraut reinigte und die Stengel behäufelte. Beides ist für die Kartoffelcultur zwar nöthig, aber uicht ausreichend; denn wir cultiviren sie nicht ihrer Früchte, sondern ihrer Knollen wegen, und müssen hiernach unser Culturverfahren einrichten.

Hauptniomente für die Erftrebung dieses Zweckes sind: .

1) Vermehrung des Wnrzclvermögenö und

2) Hemmung der Blaitmetamorphose.

Beides erzielen wir gleichzeitig, wenn wir in der fünften, sechsten und siebenten Woche nach dem Auslegcn der Kartoffelknollen und in der vierten und fünften Woche nach dem Auslegen bewurzelter Keime, oder zu einer Zeit, wo die Kartoffelpflanzen den Erdboden um sechs bis neun Zoll überragen, die äußersten Zweigspitzen mittelst des Daumens und Zeigefingers einen halben Zoll tief anskneifen oder einstutzen *) und dies an sämmtlichen Zweigspitzen in der zehnten und eilften Woche, gleichviel zu wel­cher Tageszeit, wiederholen.

Folge dieser Hemmung in der Entwickelung des Stengels oder Zweiges ist: eine Reizung der in der Pflanze befindlichen, nährenden, assimilirbaren Stoffe auf das Wurzelvermögen sowohl, wie auf die Verästelung deS überirdischen Stengels, welche nicht allein daS Wurzelvermögen begünstigt, sondern auch die Blätter und den Stengel dermaßen er- kräftigt, daß die durch die physiologische Thätigkeit

*) Man winde sich in seinen Hoffnungen bitter täuschen, wollte mutt, t on der Ansicht ausgehend - viel hilft viel, mehr als angegeben von den Zweigspitzen ab­nehmen, um es als Futter zu benutzen.