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ihm bekannt seyn, und dann . . ." sagte der junge Soldat leicht errötheud,Gerald ist reich; ich bin arm, er kennt meine Anstchten, und da er weiß, daß ich bei einem guten Restaurateur meine Zeche nicht hätte be- zahlen können, so hat er es vorgezogen, sich hier ein­zuladen . .

Ich sehe das ein," sagte der Veteran,und Dein junger Herzog beweist dadurch, daß er ein zartfühlen­des, gutes Herz hat ... Wenn itjin nur die saure Saure der Mama Barbanson nicht schwer im Magen liegt," fügte der Comiuandant fröhlich hinzu.

Kaum hatte er diesen menschenfreundlichen Wunsch ausgesprochen, als die Klingel an der Hausthüre von Neuem ertönte.

Bald sahen der Oheim und der Neffe Gerald den Herzog von Senneterre durch eine der Alleen des Gar­tens näher fomnien.

Madame Barbanson ging mit gesckafti er Miene, unruhigem Blicke und mit ihrer Küchenschürze ge­schmückt, dem improvisirten Gaste voran.

3.

Der Herzog von Senneterre, ein junger Mann, fast in gleichem Alter mit Olivier, hatte ein ausge­zeichnetes Aeußere, sehr angenehme Züge, schwarze Haare und schwarzen Schnurrbart, klare und sanfte Augen; er war elegant, aber einfach gekleidet.

Lieber Oheim," sagte Olivier zu dem alten See- manne, ihn dem Herzog von Senneterre vorstellend, das ist Gerald, mein bester Freund, von welchem ich Ihnen erzählt habe."

Mein Herr, es freut mich, Sie zu sehen," sagte der Veteran mit einfacher Herzlichkeit und reichte dem Freunde seines Neffen die Hand.

Und ich, mein Commandant," erwiederte Gerald mit einer Art hierarchischer Ehrerbietung, an die er aus dem Soldateu-Lebeu gewöhnt war,ich bin glück­lich, Ihnen die Hand drücken zu können; ich kenne ihre väterliche Güte für Olivier, und da ich, so zu sagen, ein Wenig sein Bruder bin, so werden Sie begreifen, wie sehr ich Ihre Zärtlichkeit für ihn zu schätzen weiß."

Meine Herren, wollen Sie die Suppe im Hause, oder in der Sommerlaube essen, wie wir gewöhnlich thun, da es so schön ist?" fragte Madame Barbanfon.

Wir wollen in der Sommerlaube essen, wenn es der Commandant erlaubt, meine liebe Madame Bar­banson ," sagte Gerald,das Wetter ist herrlich, es wird im Freien recht angenehm seyn."

Sie kennen mich, mein Herr?" rief die Haushäl­terin, und sah bald Olivier, bald den Herzog von Senneterre erstaunt an.

Ob ich Sie kenne, Madame Barbanson," versetzte Gerald fröhlich,hat Olivier im Bivouac nicht hun­dert Mal von Ihnen gesprochen!"

Aber nun, Madame Barbanson!" sagte Olivier, denn die Haushälterin schien sich seiner bemächtigen zu wollen,Gerald stirbt vor Hunger . . . daran denken Sie nicht. Nun frisch, ich will Ihnen den Tisch hertragen und decken helfen."

Es ist wahr, ich vergaß das Mittagessen," rief die Haushälterin; und indem sie eilig nach dem Hause lief, sagte sie zum Neffen ihres Herrn:

Wollen Sie mir helfen, Herr Olivier?

Ich folge Ihnen," erwiederte der junge Unter­offizier.

Ei, mein Lieber," sagte Gerald,glaubst Du denn, ich lasse Dich allein 'Alles besorgen?" Dann wandte er üch zu dem alten Seenianne:Sie erlau­ben, mein Commandant? ... Ich mache keine Um­stände ; aber als Unteroffiziere haben Olivier und ich mehr als einmal den Tisch gedeckt für unsere Came- raden; auch werden Sie sehen, daß ich mich nicht un­geschickt dabei benehme."

Schwer wäre es zu schildern, mit welchen, Froh­sinne , mit welchem natürlichen und vollkommenen Anstande Gerald seinem alten Kriegskameraden in der Gartenlaube decken half: dies Alles geschah auf so einfache, so muntere Weise, daß man hätte meinen sollen, der junge Herzog habe von jeher, wie sein Freund, in einer fast an Armuth grenzenden Mittel­mäßigkeit gelebt.

In einer halben Stunde hatte Gerald, um seinem Freunde angenehm zu seyn, eine Eroberung, wie man zu sagen pflegt, an dein Veteran und seiner Haushälterin gemacht; die letztere war vor Freude fast außer sich, als sie ihren neuen Freund mit gro­ßem Appetite Zwiebclsuppe, Salat und saures Rind­fleisch verzehren sah, und daß er sich aus seiner Ko­ketterie sogar zwei Mal vorlegen ließ.

Es versteht sich von selbst, daß während dieses fröhlichen Mahles der alte Seemann, von Gerald auf zarte Weise dazu aufgesordert, von seinen Feldzügen zu erzählen begann; dann, als dieser Zoll der Ach­tung dein Alter des Veteranen entrichtet war, suchten die zwei jungen Leute alle möglichen Erinnerungen aus ihrem Schul- und Soldatenleben hervor.

Bevor wir in der Erzählung fortfahren, wollen wir die Lage der Gartenlaube beschreiben; sie lehnte an einer Maner, und durch eine Art vergitterter Mauer-, Öffnung konnte man in die, übrigens wenig besuchte Straße sehen.

(Fortsetzung folgt.)

Druck und Verlag der G. D. Brühl'scheu Buch- und Steindruckerei.