Ausgabe 
14.6.1848
 
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Wanderern nach Bremen abgeht und bitten wir Anmeldungen zum Mitfahren uns bei Zeiten zugehen zu lassen. Aufträge für Thran, Reis, Kaffee, Südfrüchte, Häringe, franz. Weine, Cigarren u. s. w. werden wir gern gegen Vergütung billiger Fracht auf's Prompteste besorgen.

Echzell den 5. Juni 1848. Die Agenten

Gebr. Schwarz.

1183) Gießen. Bis zum 14. d. M. können Backsteine in unsrer Fabrik geladen werden. Die Abfuhrscheine sind wie seither bei Herrn Gottlieb Strauch zu haben. Da es jedoch die Umstände der Zeit nicht erlauben, Backsteine zu verborgen, so müssen dieselben vor dem Abfahren aus der Fabrik bei dem Unterzeichneten bezahlt werden, und wird ein Sconto von 2 Kr. von 100 Stück Backsteinen bis zu 10,000 Stück, was zum Kleinverkauf ge­rechnet wird, in Abzug gebracht.

Gießen den 5. Juni 1848. L. Keßler.

Die sieben Todsünden.

I. A b t h e i l u n g.

Die Herzogin.

(Fortsetzung.)

Mein lieber Vater," sagte Gerald, es gibt eine Abgabe, welche jeder Mann von Herz seinem Lande zahlen muß, das ist die Abgabe des Blutes, besonders wenn man irgendwo Krieg führt. Ich finde es also unedel, wenn man vermittelst Geldes den Gefahren des Krieges entrinnen will, indem man einen armen Teu­fel erkauft, der sich von seinem Felke oder von seinem Geschäfte losreißt, um sich an ihrer Stelle der Gefahr auszusetzen, umzukommcn . . . Einen Menschen kau­fen . . . heißt so viel als . . . vergeben Sie den Ausdruck . . . sich mit dem Privilegium der Regie­rung das Patent eines Hundsf.....erwerben.

Da ich nun nicht sehr eifrig nach diesem Privilegium strebe, so werde ich Soldat, wenn ich eine schlimme Nummer ziehe."

Ah! wahrlich! ich liebe Deinen jungen Herzog schon!!" rief der Veteran.

Nicht wahr, mein Oheim, das heißt brav gedacht," versetzte Olivier mit einem Ausdrucke freundschaftlichen Stolzes.Obgleich dieser Entschluß dem Vater Gerald's sehr sonderbar verkam, so war er doch zu sehr Ehren­mann, um ihn zu bekämpfen; Gerald traf das Loos, und so kam er als gemeiner Reiter zu teu afrikanischen Jägern, wartete sein Pferd, verrichtete seinen Dienst oder besorgte die Küche gerade wie ein Anderer, und ging ohne Widerrede in Arrest, wenn er sich ohne Crlaubniß verspätete; kurz, in seinem Zug war kein besserer Reiter."

Und dabei ausgezeichnet tapfer, nicht wahr?" fragte der Veteran, dessen Interesse sich immer mehr steigerte.

Tapfer wie ein Löwe, und so lebhaft, so fröhlich, so hinreißend bei einem Angriffe, daß seine Tapferkeit einer Schwadron Feuer eingefiößt hätte!"

Aber mit seinem Namen, bei seinen Protektionen mußte er wohl schnell Offizier werden?"

Er wäre es wahrscheinlich geworden, obgleich er sich nicht viel darum kümmerte, denn war einmal seine Zeit abgelaufen, seine Schuld bezahlt, wie er sagte, so wollte er nach Paris zurückkehren, das er leidenschaftlich liebte, um sein Leben da zu genießen."

Dein junger Herzog ist ein wackerer aber sonderba­rer Junge.'!

Nachdem er drei Jahre gedient," fuhr Olivier fort, war Gerald Oberwachtmeister, wie ich; da griff er einmal eine Schaar der rothen Reiter auf verwegene Weise an, und die Schulter wurde ihm von einer Kugel zerschmettert; glücklicher Weise konnte ich ihn heraushauen und ihn fast sterbend auf meinem Pferde zurückführen. Aber Gerald's Wunde hatte solche Fol­gen, daß er den Abschied erhielt; da kam er nach Paris zurück, um da zu bleiben. Schon durch unsere Erinnerungen aus der Schulzeit befreundet, wurden wir beim Regiments vertraute Freunde. Wir blieben in stetem Briefwechsel; ich hoffte ihn bei meiner An­kunft hier zu sehen, aber ich erfuhr, daß er eine Reise nach England machte. Diesen Morgen ging ich über den Boulevard de Monceaur, als mir Jemand aus vollem Halse rief: ich wende mich um, sehe Gerald aus einem eleganten Cabriolet herausspringen, auf mich zueilen und wir umarmten uns," fügte Olivier leicht bewegt hinzu,meiner Treu' wir umarmten unö, wie zwei Freunde sich im Krieg nach einem hitzigen Gefecht umarmen . . . Sie kennen das, mein Oheim?"

Wem sagst Du das, mein Sohn?"

Wir müssen heute mit einander zu Mittag essen und den Abend zusammen zubringen," sagte Gerald zu mir, wo wohnst Du? Bei meinem Oheime (ich habe ihm hundertmal von Ihnen erzählt; er liebt Sie fast ebenso sehr, als ich, sagte Olivier, dem Veteranen die Hand reichend)wohlan! ich werde mit Euch Bei­den zu Mittag essen, versetzte Gerald, bist Du es zu­frieden? Du wirst mich Deinem Oheime verstellen; ich habe Dir tausend Dinge mitzutheilen.

(Fortsetzung folgt.)

Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Steindruckerei.