Ausgabe 
12.5.1848
 
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Je kräftiger und größer die ersteren sind, um desto mehr wird dieser Bereitung Vorschub gethan.

Rcservirt werden diese nährenden Stoffe in der gefärbten Rindenschichte der Sträucher und Bäume; bei der Salep- und Kartoffelpflanze in dem Knollen. Aber nicht allein diese nährenden Stoffe, auch die Zellen selbst verdanken der physiologischen Thätigkeit der Blätter und Wurzeln ihren Ursprung.

(Forts, folgt.)

Wiederum hat der liebe Frühling die Natur in ihr festliches Gewand gehüllt. Ueberall, wo das Auge sich hinwendet, schaut es in's Grüne. Die Wiese prangt von fetter Weide, der Vögel Sang schallt aus dem grünen Walde in lieblichen, melo­dischen Klängen, die Felder beginnen ihre Schätze zu entfalten, der Strahl der Sonne entlockt dem Baume seine Blüthen und gibt, wie goldne Perlen einem Hochzeitkleide, dem Ganzen seinen höchsten Schmuck.

Als sollten auf die vielen mageren Jahre, recht viele fetten Jahre folgen, so muß es demjenigen bedünken, der die Natur mit Kenneraugen prüft. Schon im vorigen Jahre floß aus dem Füllhorn unserer guten Mutter, der Natur, ein reicher, reicher Segen. Dieselbe Aussicht steht uns wieder offen.

Diese Erscheinung ist um so erfreulicher, als wir hoffen es durch eine höhere Gewalt den Wucherern ihr Handwerk nun förmlich gelegt wer­den wird. Es mag diese gemeinen Wucher-Seelen doch manchmal so recht gekitzelt haben, wenn alle zur Vernichtung ihres Handwerks aufgebotenen mensch­lichen Kräfte an ihrem bösen Willen scheiterten Ein gewisser Theil der Wucherer namentlich, hat sich zwar in dem Betriebe seines Handwerks bis jetzt immer noch nicht im Mindesten stören lassen, ja es scheint, als ob er frech genug wäre, selbst der Gott­heit Hohn zu sprechen. Dies sind unsere Milch- Producenten und Verkäufer.

Die Milchpreise schlugen auf zu einer Zeit, wo es Jedermann an seinem Orte sand. Aber diesen Preis nun, Angesichts der reichen Gaben des Herrn, noch beizubehalten, das heißt doch wohl nichts anders, als der Gottheit Hohn sprechen, sich an der Mensch­heit versündigen. Wenn irgend Menschen es ver­dienen, unter einer streng gesetzlichen Controle zu stehen, so sind cs gewiß hiesige Milch-Producenten oder Verkäufer; denn abgesehen von dem zu hohen Preise, so vermischt aber auch ein großer Theil der­selben die Milch mit Wasser oder rahmt sie ab und buttert auch noch und begeht dadurch den sträflich­sten Betrug. Eine chemische Untersuchung würde den eclatantestcn Beweis hiervon liefern. .

Wenn daher menschliche Maßregeln, resp. die Polizeitare im Anzeigeblatt, wonach die Maß Milch

schon längst 6 Kreuzer kosten soll, in der That aber hierfür nicht zu bekommen ist, gar nichts vermögen; so wollen wir, wie oben bemerkt, hoffen, daß eine höhere Macht oder Behörde diesem Treiben über kurz oder lang Einhalt gebieten möge.

Wie sieben Todsünden

von

Eugen Sue.

I. A b t h e i l u n g.

W i e Hoffart h,

oder:

Die Herzogin

1.

Nachdem der Commandant Bernard, ein geborner Pariser, während des Kaiserreichs in der Marine- Garde, und während der Restauration als Schiffs- Lieutenant gedient hatte, ließ er sich einige Zeit nach dem Jahre 1830 mit dem Ehrengrade eines Fregatten- Capitains in Ruhestand versetzen.

Mit Wunden bedeckt, oft in den Tagsbefehlen er­wähnt wegen seiner glänzenden Waffenthaten in den Seeschlachten des indischen Kriegs, und später genannt als einer der Tapferen im russischen Feldzuge, lebte Bernard, ein einfacher und gerader Mann von aus­gezeichnetem Herzen, bescheiden von seiner Pension, welche kaum für seine Bedürfnisse ausreichte, in einer kleinen Wohnung in einer der einsamsten Straßen von Batignolles, einer neuen Vorstadt von Paris.

Eine alte Haushälterin, Madame Barbanson ge­nannt, war seit zehn Jahren im Dienste des Com- mandanten; obgleich sie ihm sehr ergeben war, machte sie ihm doch manchmal das Leben recht sauer, wie man zu sagen pflegt.

Die würdige Frau war despotischen, stürmischen Charakters, und es machte ihr Vergnügen, ibren Herrn ost daran zu erinnern, daß sie, um in seine Dienste zu treten, eine gewisse sociale Stellung auf­gegeben habe.

Um die Wahrheit zu sagen, Madame Barbanson war lange bei einer in ihrem Fache berühmten He­bamme Gehülfin oder Lehrling gewesen.

Die Erinnerung au ihre ehemalige Beschäftigung war für Madame Barbanson eine unerschöpfliche Quelle von geheimnißvollen Erzählungen; besonders gern erzählte sie ein Abenteuer mit einer jungen mas- kirten Frau, welche unter dem Beistände der Hebamme insgeheim ein niedlichen Mädchen zur Welt gebracht hatte, welches Madame Barbanson ungefähr zwei Jahre lang verpflegte; damals kam ein Unbekannter und forderte das Kind zurück.

(Forts, folgt.)

Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und St.indruckerei,