SprechhaUe für zeitgemäße M i t t h e i L u n g e n. (Beiblatt.)
„Zwei Stunden Plünderung", so lautet eine der Bedingungen, welche in den jüngsten Pariser Schrek- keustagen als Antwort auf die Aufforderung zur Beendigung deS Kampfes von den Aufrührern hinter den Barrikaden gemacht wurden. Wer wendet sich nicht mit Grausen ab, wenn er dieses Wort vernimmt, nicht von blutlechzenden Soldaten gegen eine feindliche Stadt, sondern von Bürgern gegen ihre Brüder und gegen ihren heimatlichen Heerd gerichtet! Betrachtet die, welche es gesprochen; sie sind Menschen wie ihr! Pulverdampf hat ihre Gesichter geschwärzt; sonst würdet ihr nicht blos das Brandmal des entwichenen Galeerensträflings, der sich in die Menge trotziger Arbeiter gedrängt, ihr würdet auch die Züge des Grimmes über Enttäuschung, ihr würdet die Todtenblässe des Hungers und der Verzweiflung auf mancher Wange erkennen, und diese Biässe würde die lauteste Anklage erheben, und nicht blos gegen die, welche die Bedingung auSriefen, sondern auch gegen jene, welche die Schuld tragen, daß sie auSgerufen werden konnte, die in der neueren Geschichte bisher beispiellose Bedingung: „Zwei Stunden Plünderung!"
Wendet den Blick von diesen Barrikaden auf die Stühle der provisorischen Regierung, auf die Tische, wo die geheimnißvollen Blätter liegen, welche die endlich gefundene Lösung des großen Räthsels der socialen Frage enthalten sollten. Louis Blanc hat das Räthsel gelöst, dem alle Welt nachgesonnen, er hat die große goldene Bulle des neuen Bundes gefunden, welche die Armuth mit dem Besitz ausgleichen und daö goldene Zeitalter zuerst in der bürgerlichen Gesellschaft einer socialistischen Musterrepublik Herstellen soll. — Und nun schaudert ihr, da ihr den Sinn des Geheimnisses erfahren? Wie lautet denn der Inhalt jener Friedenskunde? Ihre Worte wehen auf der Blutfahne hinter den Barrikaden: — „Zwei Stunden Plünderung!"
(Schluß folgt)
1369.
Berichtigung.
Herr Hüne gibt in der Sprechhalle, Beiblatt zu Nr. 61 des Gießener Anzeigeblattes über den Inhalt der von mir in der Volksversammlung bei Großen-
linden gehaltenen Rede ein- gereimte Erzählung, über welche ich Folgendes zu bemerken mich veranlaßt finde.
Der Inhalt meiner Rede war dieser. Deutschland, seit langer Zeit schwach durch seine Zerrissenheit und benachtheiligt in seinen materiellen Interessen, wie denen der wahren Freiheit, nach außen und innen, habe sich nach dem von Frankreich ausgegangenen Anstoß erhoben, um die nöthige Einigung für seine gemeinsamen Interessen zu gewinnen. Es habe dazu seine selbstgewählten Vertreter nach Frankfurt gesandt, und — weil die bestehenden Einzelregicrungen nicht alle freiwillig in diese neue Ordnung der Dinge eingetre- * len — den großen Grundsatz der Volkssouveränetät aufgestellt. Das bedeute aber nicht soviel, daß nun jeder Einzelne souverän sey, d. h. die Fülle der Macht und Gesetzgebung in sich schließe, sondern es bedeute vernünftigerweise nur, daß jeder nun an der Wahl der Volksvertretung und so indirect an der Gesetzgebung Antheil habe. Die Volkssouveränetät werde also durch die Volksvertreter repräsentirt, wie in Frankreich die Nationalversammlung decretirt hat, daß das französische Volk seine Souveränität dem Präsidenten deligirt (d. h. zur Repräsentation übertrage), und abermals jüngst in einer Addreffe an das französische Volk ausdrücklich sagt, daß die vom Volke gewählte höchste Behörde als Schöpfer und Hüter des Gesetzes, der Träger der Volkssouveränetät sey. „Sonst hätten wir statt 34 Souveräne, die über dem Gesetze stünden, nun sogar 40 Millionen". Darnach sei die Nationalversammlung in Frankfurt der wahre Ausdruck und Träger der Souveränetät, und der unverletzliche Repräsentant derselben (wie in jedem constitutionellen Lande das unverantwortliche Oberhaupt auch). Das Manifest von Rouge, Metternich, Bayrhofer sey also nicht eine Vertheidigung der wahren Volksfreiheit, sondern ein Angriff auf die Volkssouveränetät. Dazu habe ich ausdrücklich bemerkt, icb wollte über den Werth oder Unwerth der Republik nicht weiter sprechen, „obgleich ich das Blatt der Geschichte aufrollen könnte", das nicht für Dauer und Glück einer solchen Regierungs- sorm spreche, wie auch die Zustände Frankreichs nur ein trauriges Bild davon zeigten. Daran knüpfte sich die Aufforderung zur Anerkennung der Nationalversammlung, Gagcrns und zur Treue gegen unseren guten Fürsten.
Dazu bemerkte ich noch, daß ich den ganzen Un-


