488
Bluttaufe der Freiheit, eben so gräßlich, als die Pariser Bluthochzeit unter Carl IX.
Hoffentlich werden wir in Deutschland keine solche abschreckenden tragischen Auftritte erleben. Denn, obgleich es auch bei uns hin und wieder nicht an Reformatoren fehlen soll, welche glauben, daß es nicht eher besser werde, bis die Guillotine aufgerichtet sei; so wollen wir doch zur Ehre der deutschen Nation glauben, daß solche politischen Schwärmer und Fanatiker, die der Genuß der Freiheit zur Wuth berauscht hat, seltene Erscheinungen bei uns sind, und daß diese Fanatiker aus dem Taumel ihres politischen Rausches zur nüchternen Besonnenheit erwachen werden, wenn sie die blutigen Ereignisse in Paris mit einiger Aufmerksamkeit prüfen.
Daß wir Deutsche solche Gräuel nicht zu befürchten haben, dafür bürgt einerseits die durch den bessern und allgemeinern Volksunterricht Deutschlands gewonnene größere Humanität (menschliche Gesittung), andrerseits die dem Deutschen angeborene größere Besonnenheit und Mäßigung, durch welche die Herrschaft deS Geistes über die Wuth der Leidenschaften leichter behauptet wird. Diesen Ruhm der Humanität und Bildung, wodurch bei aller politischen Trennung und Schwäche nach Außen doch der Deutsche die Achtung der europäischen Völker genießt, diese Besonnenheit und Mäßigung laßt uns in diesen sturmbewegten Zeiten bewahren! Laßt allen Parteihaß fallen, durch welchen dieFrei- heit gefährdet wird, denn Parteihaß, sowie Furcht und Schrecken lösen alle Fugen der menschlichen Gesellschaft. Nur ein Nero konnte den Schrecken zu seinem Staatsgrundsatz machen, wenn er sagt: „Mag man mich hassen, wenn man mich mir fürchtet!"
Nein, Liebe, Eintracht und Vertrauen allein sind die starken Bande, die die Menschheit binden sollen, sie sind der ächte Leim und Kitt, um die Menschheit zusammen zu halten. Haben dies die Verfasser jenes Aufrufs: „Liebe Landsleute," haben dies die Gegner in ihrer Entgegnung gehörig beherzigt? Nein! Beide haben die Schranken der Mäßigung überschritten. Wir wollen über die beiderseitigen Motive kein entscheidendes Urtheil fällen; ja wir können wohl mit Grund annehmen, daß die Motive auf beiden Seiten rein und lauter gewesen, allein beide Thcile scheinen nicht den rechten Weg eingeschlagen zu haben. Darum sind Stimmen der Mißbilligung sowohl gegen die Verfasser des Aufrufs „Liebe Landsleute" als gegen die Verfasser der von Lang, Hillebrand und Fendt ergangenen
iH■-1 .rj■'> r'i'iII"r J,!i'i"»i ■
Druck und Verlag der G. D. Brr
Entgegnung laut geworden. Beide wollen Volksfreunde feyn, Beide haben für das Wohl des Volkes wirken wollen. Ihre Ansichten und Bestrebungen sind lobenswert!), die Formen sind eS nicht! Haben sich nicht beide von engherzigem Parteigeist leiten lassen, der das Grab wahrer Freiheit ist?
(Schluß folgt.)
Erklärung
Um dem fortwährenden Vorhalt „ warum ich gegen die Anschaffung der Gewehre gestimmt habe" zu begegnen und ferneren Erplicationen hierüber ein für allemal überhoben zu feyn, erkläre ich hiermit, daß derjenige, welcher dem Publikum über meine Aeufferungen in der betreffenden Sitzung Mittheilung zu machen für nöthig fand, mich entweder mißverstanden oder absichtlich die Unwahrheit verbreitet hat, denn sonst hätte er wissen müssen, daß ich nicht dagegen gestimmt, sondern unter dem Bemerken „daß, da die Sache so lange auf sich beruht habe, es nun auf ein auch zwei Tage nicht ankommen könne," darauf bestauden habe, daß vom Generalrathe erst das Bedürfnis und dann weiter angegeben werde, in welcher Weife der Stadt wieder Ersatz geleistet werden soll. *)
In wie weit diese meine Aeufferungen etwas gehässiges au sich tragen, und ob eS nicht an seinem Platze ist, daß ich nicht in Gallopp und ohne alle Grundlage zu 14—bis 16000 fl. (von so viel war ursprünglich die Rede) meine Zustimmung gegeben habe, überlasse ich der Beurtheilung meiner resp. Mitbürger.
Gießen den 3. Juli 1848.
I. G. Appel.
Die bairische Kammer hat daS Ablvsungs« gesetz mit 113 gegen 9 Stimmen angenommen. Die Aufhebung der standes- und gutsherrlichen Gerichtsbarkeit, sowie die Aufhebung, Firirung und Ablösung der Grundlasten wird gewiß im ganzen Lande einen sehr guten Eindruck machen.
*) Hierüber ist bis heute noch nicht entschieden und zwar um deswillen nicht, w-j; erforderlichen Erklärungen biS jetzt noch ai*t bei dem Stadtvorstand eingelangt find.
hl'schen Buch- und Steindruckerei.


