Sprechhalle für zeitgemäße Mittheilungen.

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Der

Aufruf der Freunde des Volkes, der Wahrheit und des Rechts,

vom Tag des Sommer-Anfangs 1848. Unparteiisch geprüft

von

einem Freunde des Volks, der Wahrheit, Mäßigung und Ordnung.

Als Beiblatt zum Wochenblatte vom 24. Juni d. I. kam mir ein Aufruf an die Bewohner der Provinz Oberhesfen in die Hände, der zwar durch seine freundliche AnredeLiebe Landsleute" wie ein christlich apostolischer Hirtenbrief beginnt, sich aber bald in eine solche zelotische (eifernde) Sprache verliert, daß man darin nicht die besonnenen und leidenschaftslosen Warnungen, Mahnungen und Be­lehrungen erkennt, wie man sie von politischen Leh­rern und Propheten zu erwarten berechtigt ist, die sich Freunde des Volks, der Wahrheit und deö Rechts nennen.

Wir wollen nun einmal unparteiisch prüfen, m wie weit den Verfassern die obige Benennung zu­kommt. _

Zunächst nennen sich die Herren Verfasser Freunde des Volks. Haben die Verfasser auch den Begriff Volk in seinem vollen Umfange erwogen? Nein! denn sie haben den Begriff Volk nach dem kurzen Maßstabe engherzigen Parteigeistes gemessen. Volk scheint nämlich den Verfassern eine Parier zu seyn die sie vorzugsweise das Volk nennen, wie sich einst in stolzer Überschätzung Israel das aus­erwählte Volk GotteS nannte. Läßt aber eine solche beengte Auffassung des Begriffes Volk wahre Volksfreüdlichkeit (Popularität) zu? Nein, meine Herren! die wahre Volksfreundlichkeit schließt eng­herzigen Parteigeist aus; denn die Grundlage wahrer Popularität (Volksfreundlichkeit) ist Lwbe und Humanität, d. i. diejenige menschliche Ge­sittung und Gesinnung, welche nicht durch ver­letzende Herausforderungen erbittert, sondern durch die geistigen Waffen der Ueberzeugung den Sieg über anders denkende Gemüther erobert. Und ist nicht ein solcher Sieg der glänzendste Triumph? sind nicht diejenigen Lorbeern die schönsten, die man durch die Macht überzeugender, nicht verletzender Wahrheit gewinnt? Und gewiß halten auch die V. s sser mit uns

l a t t.)

die unblutigen durch die Waffen des Geistes gewon­nenen Trophäen für schöner, als die blutigen Lorbeeren des Kriegs! Malen ja doch die Verfasser in ihrem Aufrufe die Schrecken des Kriegs mit so abschreckenden Farben, daß sie gewiß den Frieden unter den deut­schen Brüdern für keinen bloßen Traum gutmüthiger Schwärmer oder Schwachköpfe halten. Gewiß, denn den Krieg für ein nothwendiges liebel erklären, für einen großartigen Aderlaß der Menschheit halten, dies können gewiß nur fanatische Politiker, denen die Guillotine ein völkerbeglückendes Instrument ist, ein Werkzeug der Freiheit und der Reform. Göthes Worte:

Träumt ihr den Friedenstag? Träume, wer träumen mag!

Krieg! ist das Losungswort, Sieg! und so klingt es fort."

sind der Wahlspruch für wuthberauschte Politiker, für Völkerstürmer, wie Attila, die Gottesgeisel, Scha Nadir und Napoleon, die mit eherner, Alleö zermalmender Gewalt über die Erde schritten, wie Würgengel der Menschheit.

Gewiß verabscheuen die Verfasser mit uns jene blutigen Wcltstürmer und ihre Losungsworte! Sie billigen vielmehr, wie wir, was der Chor in Göthes Faust spricht:

Wer im Frieden

Wünschet sich Krieg zurück,

Der ist geschieden vom HoffnungSglück."

Und wie wahr ist, was der Fürst unserer deutschen Dichter, waS der unsterbliche Göthe sagt! Ja, der Krieg zerstört alle Segnungen, er ver­nichtet das Glück und Wohl der Menschheit was nur auf dem Boden des Friedens wahrhaft gedeihen kann. Man sehe nur hin auf Frankreich, welches das Glück der kaum gewonnenen Freiheit durch neue Ströme Bürgerblutes erkaufen muß, man lese nur die Berichte über Paris, wo in die­sen Tagen an 18,000 Menschen als Opfer der Freiheit bluteten, wo die entfesselte Wuth der Lei­denschaften Greuel beging, vor denen der ruhige besonnene Mensch zurückschaudert.

Ja, diese Kämpfe der jüngsten Tage in Pariö, wo Bürger gegen Bürger kämpften, und sich im Blute ihrer Brüder badeten, sie sind eine wahre