Sprechhalle

für zeitgemäße Mittheilungen. (Beiblatt.)

So oft Stoff vorhanden ist, erscheint dieses Blatt als Beiblatt zum hiesigen Anzeigeblatt und wird diesem alsdann angedruckt oder auch besonders beigegeben. Es werden darin ausgenommen Anfragen, Rechtfertigungen, Vcrtheidigungen, Rügen rc. Die Jnseratgebühren hiervon werden ohne Ausnahme per Zeile in gewöhnlicher Schrift mit 2 kr. berechnet.

An alle Deutsche, denen das Geschick hun­gernder Mitbrüder und ihr eignes Wohl am Herzen liegt.

Dringende Bitte um schleunige Veranstaltung einer Natio- nal-Sammlung zur Abwehr der Gefahr drohenden Volksnoth.

Dunkle Wolken thürmen sich am Horizonte des Vaterlandes, der unlängst noch von der Morgenröthe der jungen Freiheit erglänzte; die Jubelklänge sind verrauscht und es ertönen angstvolle Klagen und Be­richte von nah und fern. Vor Allem betreffen sie die stündlich wachsende, schon manchen star­ken Damm zerbrechende Noth der besitz- und arbeitslosen Mehrheit des Volkes, die kaum noch des Rufes der allgeschästigen Verführung bedarf, um zu dem Aeußersten bereit zu siyn. Rüste man sich doch darum nicht blos zur Ausrichtung des neuen Staatsgebäudes, ohne den Grund und Boden desselben vollkommen zu sichern, ohne die aufgeregten Massen zu beschwichtigen, die in blinder Wuth sich einhcrwälzend schon das Fundament des kühn ge­träumten, hoffnungsreichen Baues zertrümmern könn­ten. Denn wer bürgt dafür, daß jene anarchischen Zustände, welche bereits in allen Theilen Deutschlands zum erschreckenden Ausbruch kamen, nicht bei irgend einem unerwarteten, vielleicht nur zu nahem Wende­punkte in allgemeine Verheerung und Plünderurg ausarten, die freilich den Armen selbst, was manche von ihnen nicht begreifen, kaum für den Augenblik nützen, alle Besitzenden aber zu Grunde richten und das Vaterland einer blutigen Schreckensherrschaft, einem völligen Ruin, einer jammervollen Sclaverei Preis geben würde.

Eine große, allgemeine Gefahr, die man sich nicht länger verhehlen kann und darf, erheischt eine außer­gewöhnliche Vorkehr, an der sich rasch und nachdrück­lich alle Freunde des Volkes und Vaterlan­des betheiligen müssen, ohne die Wirksamkeit des Parlamentes abzuwarten. Wohl wird sich dieses auf's Redlichste und Entschiedenste der gerechten Sache unse­

rer leidenden Brüder annehmen, aber welche lange, bedenkliche Zeit muß noch verstreichen, bis die Maß­regeln zur Abhülfe eines inzwischen vielleicht unüber­windlich werdenden Nothstandcs nur erst berathen und in's Werk gesetzt sind! Auch handelt es sich zunächst nur um Verhütung einer Gefahr, die einzig und allein durch eine freie, mitten auö dem Volke heraus der Reichsvcrsammlung entgegenkommende und ihre Wirksamkeit sichernde Liebesthat zu beschwö­ren ist.

Der Stimme des Gewissens folgend, wende ich mich darum vertrauensvoll an alle gleichgesinnten Be­wohner Deutschlands und fordere sie dringend auf, freiwillige patriotsche Gaben zusammen zu bringen iiiib der Reichsversammlung mit dem Ersuchen zur Verfügung zu stellen, daß dieselben schleunigst in den zumeist bedrängten und gefährdeten Gegenden des Vaterlandes verwendet würden, theils zur unmittelbaren Dämpfung augenblicklicher Noch, theils zur Verschaffung von Arbeit, vornehmlich aber zur angemessenen Unterstützung der Ans Wanderung, welche durch die jetzige Jahrs­zeit so sehr begünstigt, dem Armen für die nächste Zu­kunft ein Loos verheißt, daö ihm die Heimath selbst unter den günstigsten Verhältnissen nach Jahren kaum zu bieten vermag.

Wohlan denn, schreiten wir ungesäumt zu einem solchen Werk aufopfernder Liebe! Es wird an sich schon eine wunderbare Heilkraft bewähren in den krampfhaf­ten Zuckungen dieser Zeit. Es wird den Geist der Versöhnung, des Friedens und der Hoffnung in die Hütten der verzweifelnden Armuth bringen und neuen Aufschwung dem Ansehen und der Macht des Gesetzes verleihen, dessen freventliche Ver­letzung sich jetzt noch mit dein Scheine des Rechts umhüllt. Damit wird aber endlich auch das Ver­trauen wieder in die Paläste, wie in das Haus des Bürgers einkehren, der öffentliche Crcdit, Handel und Industrie auf'ö Neue erstarken, dann wird erst ein Band der Liebe und Eintracht sich um alle Glieder des Vaterlandes schlingen, vor Aller Augen die Zu­kunft zu einer helleren Aussicht sich gestalten können.

Wohl ist eine herrliche, sehr empfehlenswerthe