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Da war nun noch drinnen ein langes Hin- und Herlaufcn: der Schlüße! paßte nicht, das Licht war ausgegangen und wohl eine Viertelstunde verging, ehe endlich der geheime Sendling des Dauphin in den niedrigen Hausflur eintreten konnte. Jeoffrov bot freundlich seinen guten Abend, sah sich aber zugleich bedächtig in der engen Behaufung um. Eine gewisse Reinlichkeit, ein Ordnungssinn war aus der hcevor- leuchtenden Armuth nicht zu verkennen. Auf dem blank gescheuerten Gesims standen in zierlicher Ordnung die nölhigen Geräthschaften der Küche, hell glänzende Zinnschnffeln verliehen der Aufstellung etwas Traulich-Prunkendes, der zwar grob geschnittene heilige Matthias, der in der Mitte leinen Ehrenplatz hatte, zeugte für den frommen Sinn der Hausbewohnerinnen.
„Tete de Dieu!" rief die Alte, noch immer um den späten Gast herumtrippelnd, „lieber Messire, mit was kann ich dienen und was begehren Se. königliche Hoheit, welche der Herr tausend Jahre erhalten möge, von einer armen, alten Wittwe?"
(Fortsetzung folgt.)
Feuilleton.
Beim Frühling *).
Herr, auf diesen grünen Fluren Preisen alle Creaturen Deine Macht und Herrlichkeit; Wieder mit gehoffter Wonne Lächelt freundlich uns die Sonne In der jungen Frühlingszeit.
Höret ihr der Nachtigallen Jubelruf im Busch erschallen?
O, wie flötet sie so süß! Ueberall ertönen Lieder, Und Zephpre flüstern wieder Traulich wie im Paradies., Und in frischer Jugendfülle Blüht das Blümchen in der Sülle, Athmcnd lieblich süßen Duft; Und zu aller Menschen Freude Prangen sie iin Farbenkleide Bei der milden Frühkingsluft.
Herr, zu dem wir innig flehen. Laß noch lange hier uns sehen Deine Pracht und Herrlichkeit. Dir zum Preise, Dir zum Ruhme Blüht imDeinem Heiligthume Alles in der Frühlingszeit.
Freundschaft.
Freundschaft wird so sehr gepriesen,
Freunde wollen Alle seyn, Weil das Leben sie versüßen Und ihm Rosen flechten ein. 1
Doch warum ist schwer zu finden, Was genau ein Jeder kennt? — Freundschaft muß man recht empfinden, Doch wer oft den Namen nennt, •
Hat fürwahr sie nicht im Herzen <
Freundschaft läßt mit sich nicht, scherzen;
Freundschaft ist ein Himmelskind,
Und kann nur bei Lenen wohnen,
Die des Himmels Kinder sind; .
Solche wird auch sie belohnen, .
Und mit ihrem Himmelskuß 1
Ihnen geben Hochgenuß. J
— : ' - 1
Logogryph. '
Was tausendstimmig ward begehrt mit bangem Warten —
Mit Sehnsucht ward gewünscht in diesen Tagen,
Das wird, so Du's nicht weißt, mein Wort Dir sagen, Wenn Neugier Dich nicht treibt zu Plauderhaften Karten.
Aus den Lüften komme ich, zu laben ,
Flur und Wiesen, welche reiche Gaben - t
Jetzt in naher Aussicht zeigen.
Ohne mich kann — mir ganz eigen —
Weder Saal noch Pflanz' gedeih'n;
Ich muß dazu die Kraft verleih'». '
Wenn ich meine nöth'gen Dienste wollt' versagen,
Könntest Du Dich freuen eines wunderbaren Segens Spur f z
Rein! Du würdest nach wie vor aus Mangel klagen, Murrend rufen: eigensinnige Natur!
Was ich bringen kann, vereint mit Sonnenblicken, .
Empfindet, hofft, erwartet Jeder gern — kann^nur^ be-
Wirst finden Du, nehme das erste Zeichen mir, Und wähle dagegen ein anderes Dir
Anekdoten.
xJn einer Gesellschaft behandelte ein Officier eine Dame unanständig. Sie verwies es ihm so, daß seine Empfindlichkeit gereizt wurde. „Wissen Sie, Madame, daß ich Officier hin?" rief er aus, und die Dame entgegnete: „Gemeiner können Sie gewiß nicht seyn!"
Moliere wurde einst von einer jungen Dame aufgefordert , sich in' ihr Stammbuch zu zeichnen. Beim Durchblättern desselben fand er darin viele Haarlocken den Versen beigefügt; er schrieb daher folgende Zeilen hinein:
„In dieses Buch weiß man die Freundschaft recht zu fassen,
Den Namen nicht allein, hier muß man Haar , i auch lassen."
*) Verspätet.
Berichtigung.,
3n Nr. 51. des Anzeigeblattes Seite 378, in der Charade Zeile 2 von oben,' lese man statt immer mehr, „nimmer mehr." .
' Druck und Verlag der G. D. Brühl'scheu Buch- und Steindruckerei in Gießen.


