(Eingesendet.) In Beziehung auf den Beschluß des verehrlichen Vorstandes des Gesellschafts- Vereins erlauben sich mehrere Mitglieder folgende Fragen:
1) In wiefern kann die heurige Theucrung einen Grund zum Wegfällen dieses Festes abgeben?
2) Werden etwa die Mitglieder gezwungen, den Ball zu besuchen und sich auf demselben in Kosten zu rennen?
3) Hat man an den letztvergangenen Pfingsttagen, unter den an allen Orten, wo es Geld kostet, so sehr zahlreich versammelten Bürgern — etwas von theurer Zeit gemerkt?
4) Ist es, wenn man der arbeitenden Classe, die doch besonders über die schlechten Zeiten klagt, eine Wohlthat erweisen will, zweckmäßiger einen Ball zu halten, oder ihn ausfallen zu lassen? Wie viel Schneider, Schuhmacher, Wasch- und andere Weiber und Mamsellen werden nicht dadurch in Bewegung gesttzt!
5) In dem Budget des Gesellschafts-Vereins war doch wohl, da man einen Ball zu halten beabsichtigte, auf die dadurch für die Vereiuskasse entstehenden Unkosten Rücksicht genommen. Wird nun dieß Geld etwa für bessere Zeiten aufgehoben, oder eben jetzt an die Armenkasse abgeliefert?
6) Sollen nicht auch hier in Gießen die einzelnen Mitglieder, wie es anderer Orte geschehen ist, auf Ehrenwort gefragt werden, wie viel sie auf einem solchen Ball für sich und ihre Familie ausgegeben hätten, und dann auch diese Summe der Armenkasse übermacht werden?
Doch dorum keene Feendjchaft nich!
Unterhaltendes.
Die Christrose.
Erzählung von N.....B .....
(Schluß.)
Um ihre Aufregung und Rührung zu verbergen, die sie jetzt überkommen wollte, fuhr sie mit der ihr eigenen Lebhaftigkeit weiter:
„Nun werden Sie doch wohl glauben, Herr Doctor, daß ich das arme Wesen seinem Schicksale nicht überlassen konnte. Nein, sondern ich brachte sie hierher. Das Andere wissen Sic ja, daß ich Sic dann rufen ließ und daß die arme Kleine beim ersten Erwachen gar nicht wußte wo fit war. Sie gefällt mir ungemein; denn sie scheint ein recht verständiges, guterzogenes Kind zu sein. Aber noch Etwas, Herr Doctor, ich habe noch etwas ganz Eigenes bei der Kleinen gefunden, das sollen Sie mir erklären, was es ist. Als ich nämlich ihr Kleidchen durchsuchte, fand ich eine kleine Schachtel und darin ein sonderbares Ding, das ich . . .
31.1
"Eugenik!" rief jetzt eine kräftige Baßstimme und unterbrach die Eifrige. Sie eilte hurtig wieder iisis Gemach ihrer kleinen Patientin und der Arzt folgte ihren leichten Schritten.
IV.
--Du hast deinen Posten herrlich im Stiche gelassen du zuverlässige Schildwache! Ich habe zwar die Kleine zu beruhigen gesucht; aber sic scheint keine große Freude an mir zu haben; denn sie mag mir gar keinen Blick gönnen!" rief hier der General Silberstern seiner Gattin entgegen.
„O," sagte Eugcnic schmeichelnd, „erschrecke mir doch meine kleine Patientin nicht; ich glaube gar, du hast sie mir schon aufgeweckt. Sie zittert ja vor deiner Stentorstimme und deinkm martialischen Aussehen"
Und zu Klärchcns Bette gehend, (denn sie war die kranke Kleine,) sagte sie liebevoll: sei mir nicht böse daß ich dich allein ließ. Aber was hast du denn in deinen Händchen? Ach , es ist ein Talisman, den ich nicht kenne. Sage mir, liebes Kind, was ist denn das eigentlich?
„Eine Christrose, gnädige Frau," antwortete Klärchen.
„Eine Christrose," wiederholte diese, „wahrlich ein schöner Nanie für diese unscheinbare, welke Älume. Was kann sie denn besonders?"
„O, gütige Frau," antwortete die Kleine, „diese Blume ist mehr, als sie scheint. Sie ist kostbar und heilig." Sie sollten sie einmal in der Christnacht offen sehen : da glänzt und blitzt sie im Lichtschein, wie mit Granatsteinen geziert."
„Warum ist sie dir denn so wcrth, diese Blume?" fragte Eugenik freundlich.
„Weil sie das Brautgeschenk meiner Mutter gewesen ist," erwiderte Klärchen eifrig. "Sehen sie hier am Gestellchen ist ihr Name eingegraben."
„Das ist ei» Brautgeschenk!" rief die Generalin verwundert. „Laß mich doch das Gestellchen sehen.___
Es ist recht nierlich gearbeitet und hier steht wirklich eingegrabeu:
„Franz Loose seiner lieben Therese zum A n d e» k c n."
„Was sagst du?" sprach hier eifrig der General, indem er heftig Eugeniens Arm ergriff. Sie schaute ihn verwundert an; denn in einer solchen Hast hatte sie ihn noch nie gesehen. Sein sprechendes, dunkle» Auge glänzte feurig; die Narbe, die ihm quer über die Slirne lief, röihe.e sich und in seinem ganzen Wesen war die größte Aufregung sichtbar.
„Das ist wahrhaftig eine Zauberrose," sagte Eugenie lächelnd zum verwunderten Doctor. „Sehen Sie welch' magijchen Einfluß sie auf meinen Gemahl übt." Dieser aber hatte ihr schon lange das Gestellchen entrissen, hatte sich selbst vom Vorhandensein dieser Worte überzeugt und sprang jetzt wie toll vor Freude


