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aber zu Zeiten doch etwas überspannt. Werden Sie einmal nüchtern, werden Sie prosaisch und die Poesie des Lebens wird Ihnen ungesucht in die Arme stürzen. Genug, Sie müssen Ihr Glück selbst schaffen, das hilft Ihnen Alles nichts, und wenn Sie mir folgen wollen, so kann es Ihnen so leicht nicht fehlen. Wis­sen Sie was? Sie müssen heirathen."

Heirathen?" fragte Werner erstaunt.

Haben Sie denn daran noch nie gedacht?"

So gut wie nie. Wer wird in aller Welt denn an'8 Heirathen denken, ehe er seine eigene Eristenz ge­sichert neht? versetzte Werner.

Sie müssen -es thun, Sie müssen eS nächstens thun."

Ich habe kein Vertrauen zu den Frauen."

Magtsterchen, Magistercheu! Sie sind ein recht junger Mann, und können Ihr Glück machen. Ich weiß da etwas für Sie. Die Parthic ist ganz wie für Sie geschaffen. Ein wundcrnettcs Püppchen von einem Mädchen, die wenigstens ihre 50,000 Thalcr mitbekommt. Aber klug müssen Sie'S anfangen, sonst wird nichts aus der Sache. Soll Ich Ihnen mehr sagen, oder nicht?

Das Thema ist mir gerade nicht verhaßt," crwic- derte Werner.Halte ich auch Ihren Vorschlag für weiter nick>ts als einen Scherz zur Zeitverkürzung, so höre ich doch Ihrer Unterhaltung immer gerne zu!"

O Sie skeptischer Schelm!" sagte Hellmuth. Hören Sie mich nur erst einmal weiter! Vor Allem eine Frage: Könnten sie sich nicht entschließen, auf eine Zeitlang Informator zu werden?"

Ach, ein Hauslehrer ist ein geplagter Mensch!" seufzte Werner, der schon in drei -Häusern in dieser Qualität conditionirt hatte.Die goldene Selbststän­digkeit geht am Ende doch über Alles!"

Aber bei dieser goldnen Selbstständigkeit werden Sie verdammt wenig Gold zu sehen bekommen. Sie sind mir die Antwort noch auf eine frühere Frage schuldig: haben sie wirklich als magister liberalium artium promovirt? Man schimpft jetzt so viele Leine Doctor und Magister, die es gar nicht sind. Besitzen Sie ein Doktordiplom?"

Hier sehen Sie es,", erwiederte Werner, ein Papier aus der Tasche ziehend;ich halte heute einen Gang zum Minister vor, und. steckte es deshalb zu mir."

Vorirefflich!" 'versetzte Hellmuth.Ein Titel wirkt viel bei Frauenzimmern. Unter einer Frau Doktorin kann man sich alles Mögliche denken. Genug, ich sage Ihnen, wenn Sic mir folgen, so sind Sic ein geborgener Mann."

Aber was ratheu Sie mir zu thun?"

Die Jnformatorstelle unbedingt annehmen, zu der ich Sic empfehlen werde. Ich traf heute mit meinem Freund, dem Eominerzienrath Harder zusammen; dieser fragte mich, ob ich ihm nicht einen Lehrer für feine

jüngeren Kinder wüßte. Da dachte ich gleich an Sie, und machte ibn sogar vorläufig schon auf Sic auf­merksam. Sie bekommen dort ein Salair von 300 Thalcrn nebst freier Wohnung und Kost, und haben sich der anständigsten Behandlung zu erfreuen. Nun ist dieses Ancrbietcn nicht annehmbar ?"

Allerdings," versetzte Werner;aber was hätte ich dann für eine weitere Aussicht?"

Das will ich Ihnen -gleich sagen. Herr Com- merzienrath Harder hat nämlich eine Tochter von achtzehn Jahren, aus die Sie gewiß mit Erfolg specu- lircn könnten. DaS Mädchen ist wunderschön. Sic hat zwar eine Menge Anbeter. Auch wollen die El­tern hoch mit ihr hinaus. Aber das thut Alles nichts. Ich kenne Rosalien genau. Sie sieht nicht auf Reich- thum. Sie würde sich mit einem kenntnißreichen, braven Manne glücklicher fühlen, als mit einem rei­chen, herzlosen Taugenichts. Und was ich dazu bei­tragen kann, diese Verbindung zu Stande zu bringen, daS soll gewiß geschehen!"

Aber ich weiß ja noch gar nicht, ob ich dem Mädchen, und ob sie mir gefallen wird?"

Nur nicht so viele Aber! Ich weiß zum Voraus, daß Sic ganz entzückt sepn werden, wenn Sie sie nur sehen. Und was Rosalien betrifft, so -befindet sich zwar ein kleines Hinderniß, was aber gar nichts zu bedeuten hat. Ist nämlich seit ein paar Tagen Braut; doch" .

Braut?" fragte Werner verwundert.Und das nennen Sic ein'Hei nc8 Hinidcrniß?"

Freilich, weil wir den Bräutigam leicht auf die Seite räumen können," sagte Hellmuth.Es ist ein junger Lieutenant, der dem Spiel ergeben ist und bis über die Ohren in Schulden steckt. Rosalie liebt ihn gar nicht. Aber die Eltern möchten ihn gern zum Schwiegersohn , weil er von altem Adel ist und den Glanz ihres Haules noch durch fein Wappen erhöhen würde. Machen Sie sich darüber keine Skrupel. Gehen Sie nur morgen Vormittag gegen elf Uhr hin und stellen Sie sich vor. Ich werde den Commerzienrath .heute noch auf Ihr Erscheinen vorbereiten."

Die Flasche war geleert und Beide brachen jetzt auf. Unterwegs instruirte Hellmuth unfern Werner »och ein wenig, wie er sich ungefähr bei Eommerzien- raths zu benehmeu habe, worauf sich der arme Can- didat mit dem Versprechen, den Rath -des lustigen Kupplers zu befolgen, von diesem trennte.

2.

Am nächsten Morgen kleidete sich Werner, so gut er cs vermochte, an und begab sich mit zagendem Ge- müth auf den Weg. Als er in die Peterstraße gelangte, fiel ihm schon von Weitem das große Prachtgebäude des Commerzienrath Harder'S ins Ange. Mit klopfen- dein Herzeu stieg er die glattgefchenertcn, mit Teppichen ' bekleideten Treppen? die zum ersten Stockwerk führten,