Ausgabe 
27.1.1847
 
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arbeitslosen, jedoch a.beitsfähigcn, Einwohnern Ihrer Gemeinden Belästigung und Verdienst zu verschaffen, und ich erkenne es mit Vergnügen an, daß viele von Ihnen diese Ansicht ausgefaßt und sie in ihren Ge­meinden zur Ausführung gebracht haben. Aber cs giebt in allen Gemeinden eine ziemliche Anzahl von Armen, welche Nichts ober nicht so viel verdienen können, als sie für sich und ihre Angehörigen nur zur äußersten Nothdurst gebrauchen, auch sind Gemeinden vorhanden, wo die Verschaffung von Verdiensten durch Arbeit in dermaliger Zeit große Schwierigkeiten darbietet. Für solche Armen und in solchen Gemeinden muß durch andere Mittel gesorgt werden.

ES geschieht dies jetzt schon durch Verabreichung baarer Geldunterstützungcu, oder durch Verwilligung uueutgeldlicher wöchentlicher Brodabgaben, allein die Verhältnisse haben sich so gestaltet, daß in vielen Ge­meinden diese, für gewöhnliche Zeiten ausreichenden, Maasregeln nicht genügen. Es bedürfen gar mancke Arme eine kräftigere und abwechselndere Nahrung, als des Brodes; die außergewöhnliche Thcucrung und andere ungünstigen Umstände haben manchen armen Familien die Möglichkeit entzogen, sich das, was sie sonst noch zur Nahrung bedürfen, aus eigenen Mitteln zu verschaffen, und dann ist auch noch eine andere Klasse von Bedürftige» vorhanden, welche sich zwar zur bezeichneten Unterstützung aus der Armenkasse nicht eignen, denen aber, jetzt zumal eine Beihülfe der Gemeinde zur Ernährung eben so Noth thut.

Nach meiner Erfahrung und Ueberzeugung erscheint die Errichtung von s. g Snppenanstalten auch an vielen Orten auf dem Lande als das zweckmäßigste und zugleich billigste Mittel, dergleichen weitere Armen-Uutcrstützungen ins Leben zu führen.

Aus solchen Suppen-Aiistalten würden

1) den Arbeitsunfähigen unentgeltlich und

2) den armen Arbeitsfähigen gegen billige Vergütung eine wohlfeile und kräftige Nahrung ohne namhafte Opfer der Gemeinde geboten werden können.

Nach den jetzigen Prcißen der Lebensmittel würden l/2 Schoppen kräftiger Suppe um etwa zwei Kreuzer, oder noch geringer, gekocht werden können, die Ausgaben einer Gemeinde für das Local, die Ein­richtung, Aufsicht, Handreichung und Hotz würde» nirgends hoch anzuschlagen sein, und nimmt man nun aii, daß täglich 100 Portionen solcher Suppe in einer Gemeinde verabreicht würden, so würde sich der Betrag der Gesammt-Ausgabe eines Tages kaum aus 3 fl belaufen, welcher Betrag zum Theil wieder von denje­nigen ersetzt werden würde, welche die Suppe nur gegen Vergütung erhielten.

Eine solche Einrichtung hat nirgends besondere Schwierigkeiten und die Arbeit, welche Ihnen, den Gr Bürgermeistern, dadurch erwächst, wird hundertfältig durch den wohl'hätigcn Zweck belohnt, "welcher dadmch ohne Zweifel erreicht wird. Gerne werden die Herrn Geistlichen und die Lehrer des Kreises hierbei hüls reiche Hand bieten und Ihnen die Einrichtung erleichtern. Ein Versuch wird Sie belchie», daß rie Schwie­rigkeiten gewöhnlich überschätzt werden.

Zur Ausführung der Anstalt wären

4) die armen Arbeitsunfähigen, welche nicht schon genügende Unterstützung erhalten, sodann die armen Arbeitsfähigen, welche der Unterstützung noch bedürfe», zu verzeichnen; hiernach müßte

2) ein Local zur Küche im Rathhaus oder einem andern öffentliche» Gebäude eingerichtet oder solches gc- miethet und mit einem oder 2 Kesseln versehen werden, in welcher die Suppe zubcreitet wird; cs müßte ferner

3) eine sachverständige Frau zum Kochen und eine andere Person zur Hülfleistung angenommen,

4) das sonst nöthige einfache Kochgeschirr und von Zeit zu Zeit das Material zur Suppe angeschafft werden.

Die Aufsicht über die Anstalt, die Aufbewahrung der Speise-Bcstaudthcile und die zeitweise Herausgabe des nöthigen Bedarfs müßten Sie oder eine andere zuverlässige Person aus dem Ortsvorstande oder der Gemeinde übernehmen.

5) Die Suppe wird jeden Mittag gegen Billets an die Bedürftigen theils unentgcldlich, theils gegen ge­ringe oder die volle Bezahlung, je nach de» Verhällniffc» und nach den zum Empfang geschehenen Anmeldungen ausgetheilt und

6) von Woche zu Woche die Anweisung der entstandciien Koste» auf die Gcmeiiidckasse, sowie die Ein- nahmsdekrctur für die etwa eingegangenen Beträge ausgefertigt werden.

Sicherlich würde die Anstalt auch durch Nnterstützuug vermögenderer mildthätiger Einwohner an Kar­toffeln, Erbsen, Mehl u. dgl. bedacht und es könnten auch freiwillige Geldbeiträge zu diesem Zwecke einge­sammelt werden.

Ich wünsche, daß Sie mit den Gemeinderäthen, Kirchenvorständen und insbesondere mit den Herrn Geistlichen, sowie mit den Lehrern Ihrer Gemeinden, diese wohlgemeinten Vorschläge für eine Einrichtung, welche anderwärts, und namentlich auch in Landgemeinden, mit segensreichem Erfolge ins Leben getreten ist, in Berathung nehmen und daß Sie mit den Gemeinderäthen sich hierbei von de» Gefühlen der Pflicht leiten